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Andreas Pecht

Kommentar

Selbstzufriedenheit ist fehl am Platz

Andreas Pecht zur neuen Pisa-Studie

Vor ein paar Tagen erst haben Eltern der deutschen Bildungspolitik bei einer Forsa-Umfrage ein ziemlich schlechtes Zeugnis ausgestellt. Nur 29 Prozent waren der Auffassung, dass das Bildungssystem besser geworden ist. 65 Prozent hingegen meinten, dass alles beim Alten geblieben oder gar schlechter als zuvor ist. Schon die internationale Pisa-Studie 2006 hat diesen Negativbefund nicht bestätigt: Deutschland konnte gegenüber 2003 fünf Plätze gutmachen und ins vordere Drittel des Welt-Feldes aufrücken. Auch die jetzt vorgestellten Ergebnisse des innerdeutschen Pisa-Ergänzungstestes unterstreichen: Es tut sich etwas in deutschen Schulen.

Pisa-E brachte eine Überraschung: Sachsen ist der Bildungs-überflieger schlechthin, hat alle anderen Bundesländer in sämtlichen Disziplinen überholt. Die interessanteste Frage lautet nun natürlich: Wie haben die Sachsen den fulminanten Aufstieg zum Klassenprimus hingekriegt? Wie konnten Schulen, Lehrer, Schüler einen Sprung nach vorn schaffen, der das Bundesland - umgerechnet aufs internationale Pisa-Ergebnis - gleich an die Weltspitze katapultierte, direkt hinter Dauersieger Finnland? Drei einfache, aber offensichtlich sehr wirksame Faktoren drängen sich auf: Schulklassen in Sachsen sind um etwa fünf Schüler kleiner als in vielen anderen Teilen Deutschlands. Es gibt dort ein nur zweigliedriges Schulsystem von hoher Durchlässigkeit. Und: Schwache Schüler werden mit intensiver Einzelbetreuung gefördert.

Die Diskussion, was man von Sachsen lernen kann, hat bereits begonnen. Gut so, denn Selbstzufriedenheit wäre fehl am Platz. Zwar haben sich alle Bundesländer verbessert. Doch hinter dieser erfreulichen Gesamttendenz verbergen sich auch gravierende Schwächen im Einzelnen. Bei der Lesekompetenz haben die Schüler zwar zugelegt. Der Bundesdurchschnitt reicht aber noch immer nicht über das internationale Mittelfeld hinaus. Das Nord-Süd-Gefälle innerhalb Deutschlands ist hanebüchen: Sächsische Schüler sind ihren gleichaltrigen Kollegen in Bremen um fast zwei Jahre voraus. Und nach wie vor ist soziale Ungleichheit ein beschämend gewichtiges Element des Schulsystems.

Im sozialen Bereich ist Rheinland-Pfalz laut Studie inzwischen besser vorangekommen als andere Bundesländer. Die soziale Herkunft der Kinder spiele hier für die Schullaufbahn keine ganz so große Rolle mehr wie noch im Jahr 2000. Daneben konnten sich die rheinland-pfälzischen Schüler in den Kompetenzbereichen Naturwissenschaft, Mathematik und Lesen im Durchschnitt verbessern. Es geht also aufwärts mit der Bildung hier und im ganzen Deutschland. Doch Durchschnittswerte sind stets nur die halbe Wahrheit. Denn gerade im Feld der Pädagogik bemisst sich Erfolg nicht zuletzt am Grad der Erfüllung dieser Maxime: Wir lassen keinen zurück. Und bis dahin hat die deutsche Bildungspolitik noch einen weiten Weg vor sich. Also, dranbleiben!

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