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Studium ohne Abi ist in Deutschland die Ausnahme

Berlin 40 Seiten zählen die verschiedenen Sonderregelungen der 16 Bundesländer, nach denen qualifizierte Berufstätige wie Meister und Techniker auch ohne klassisches Abitur studieren können. Der Bund drängt beim Bildungsgipfel in Dresden (22. Oktober) auf Erleichterungen.

Der Bund möchte bundesweit mehr Einheitlichkeit und Rechtsverbindlichkeit für die Interessenten. Berufliche und akademische Bildung sollen insgesamt durchlässiger werden. Doch die unionsgeführten Länder pochen auf ihre eigene Gestaltungshoheit.

Studieren ohne Abitur oder Fachhochschulreife - geht das überhaupt? Es funktioniert - wenn auch für wenige - seit mehr als drei Jahrzehnten und ist in unterschiedlicher Form in allen Bundesländern möglich. Vorreiter in Deutschland war Land Niedersachsen, das bereits 1971 die Universitäten für qualifizierte Berufstätige ohne Abitur öffnete - sei es für ein komplettes Studium oder für Weiterbildung.

Doch anders als im Ausland schafft in Deutschland bislang nur ein verschwindend kleiner Anteil beruflich Ausgebildeter nachträglich den Sprung ins Studium. Allenfalls 0,6 Prozent der Neueinschreibungen an Universitäten und 1,9 Prozent an Fachhochschulen haben keine reguläre Hochschulzulassung, listet der Sozialwissenschaftler Martin Baethge auf.

Dagegen haben in Schweden 36 Prozent der Studenten keine klassische Hochschulzulassung und schaffen über berufliche Qualifizierung den Sprung ins Studium. Besonders gut sind die Chancen für Berufstätige zum Hochschuleinstieg auch in Spanien und Schottland, wo jeder dritte bis vierte Studierende ohne Abitur den Weg ins Studium findet. Nach dem neuen «Europäischen Studentenreport» landet Deutschland in Sachen Hochschulöffnung für Nicht-Abiturienten im Vergleich mit 22 anderen Staaten weit abgeschlagen auf einem der hintersten Plätze.

Untersuchungen über das Studium der Nicht-Abiturienten belegen: Die Differenzen bei den Vorkenntnissen werden nicht verkannt. Doch weder die Betroffenen noch ihre «gymnasialen» Kommilitonen schätzen dies im Verlauf des Studiums als dauerhaft gravierend für die Studierfähigkeit ein. Ist der Einstieg geschafft und das erste Semester gemeistert, werden Zwischenprüfungen und Abschlussexamen später ebenso häufig bestanden wie von herkömmlichen Abiturienten. In einigen Fächern, so beim Lehramt, werden sogar häufig bessere Ergebnisse erzielt. Nicht selten sind diese Studenten in ihrem Lernverhalten stabiler und leistungsorientierter. Generell wird ihnen eine besonders hohe Identifikation mit dem Fach bescheinigt.

Je nach Bundesland müssen Nicht-Abiturienten entweder eine Begabtenprüfung ablegen oder eine Testphase («Schnupperstudium») absolvieren. Die Befürworter einer weiteren Hochschulöffnung für Nicht-Abiturienten - dazu zählen Arbeitgeber wie Gewerkschaften - versprechen sich davon eine Aufwertung der beruflichen Bildung. Praxiswissen und Lebenserfahrung seien im Studium oft genauso viel wert wie schulische Vorkenntnisse.

Die Hochschulrektorenkonferenz ist grundsätzlich nicht gegen die Studien-Zulassung qualifizierter Nicht-Abiturienten - reagiert jedoch auf die Rufe nach breiter Öffnung äußerst verhalten. Sie will es der einzelnen Universität überlassen, wen sie einschreibt. Die Universität Frankfurt machte unlängst von ihrer neuen Autonomie als Stiftungshochschule Gebrauch. Entgegen der üblichen Landesregelung beschloss sie, künftig gar keine Studenten mehr ohne klassisches Abitur aufzunehmen.

Die SPD plädiert dagegen für eine länderübergreifend einheitliche Zulassungsregelung für Nicht-Abiturienten - abgestimmt in der Kultusministerkonferenz. Auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) möchte mehr Einheitlichkeit. Doch mit der kompletten Abschaffung des Hochschulrahmengesetzes (HRG) hat sie bislang auf jede neue Vorgabe des Bundes bei der Hochschulzulassung verzichtet - was auch nach der Föderalismusreform weiter möglich wäre.

Härtester Gegner einer einheitlichen Regelung - sei es durch Länderabsprachen oder Bundesgesetz - ist Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU). «Wir setzen auf föderalen Wettbewerb», argumentiert er. Dabei hat er gerade in seinem Land die Zulassung erleichtert. Mit der Meisterprüfung hat man dort Zugang zu allen fachlich verwandten Studiengängen - sowohl an Universitäten wie Fachhochschulen.

Schavan will jetzt einen Wettbewerb des Bundes für offene Studiengänge an deutschen Hochschulen ausloben - sowohl für berufsbegleitende Weiterbildung als auch für ein reguläres Studium. Vorbild ist dabei das Modell der «Open University» in Großbritannien, die Fernkurse bis zum Bachelor auch ohne Abitur anbietet. Auch Deutsche nutzen diese Studienchancen. Die «Open University» unterhält inzwischen Verbindungsbüros in München, Hamburg und Köln.

Open University: www.open.ac.uk/germany/german/local-services/studying-in-germany.php Von Karl-Heinz Reith, dpa

dpa-infocom


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