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«Die ticken anders»: Arbeiten mit Niederländern

Düsseldorf Jörg Rose hielt sich für ziemlich anpassungsfähig. Sieben Jahre Ägypten waren kein Problem.

Aber dann ging er als Geschäftsführer nach Holland, und seitdem kommt er sich vor «wie im falschen Film.».

Deshalb sitzt er an diesem Tag zusammen mit anderen Managern und Unternehmern bei der deutsch-niederländischen Handelskammer in Düsseldorf und absolviert einen Schnellkursus in niederländischer Mentalität. Eins hat er schon gleich zu Beginn gelernt: Er ist kein Einzelfall. Etwa 200 Deutsche machen sich im Jahr auf diese Art schlau.

Beide Länder sind sich auf den ersten Blick ähnlich, und die Geschäfte florieren: In diesem Jahr könnten die Niederlande sogar Frankreich als wichtigsten Importpartner Deutschlands verdrängen. Doch das Gefühl der Vertrautheit ist trügerisch, wie der Manager Nanno Fauth aus Hamburg feststellte: «Ich dachte zuerst: 'Die sprechen alle deutsch - das läuft wie bei uns.'» Ein folgenschwerer Irrtum. Er galt schnell als Control-Freak, der sich überall einmischte. «Jedes Mal wenn ich komme, verdrehen die die Augen.» An seiner Bürotür klebte eines Tages ein Schild mit der Aufschrift: «007 - Lizenz zum Ändern».

Jörg Rose merkte bald, dass in einem niederländischen Unternehmen ungleich mehr Beschäftigte als in Deutschland in Entscheidungen mit eingebunden werden müssen. «Am Anfang saßen da die Sekretärinnen mit am Tisch und besprachen das neue Projekt. Da fasst du dich als Deutscher an den Kopf.» Ein anderer Geschäftsführer klagt: «Ich hörte fast jeden Tag 'Nee, so geht das bei uns nicht'.» Ein Unternehmer aus Moers hat die Erfahrung gemacht: «Die Grenze ist nur ein paar Kilometer entfernt, aber die Leute ticken anders.»

Seminarleiterin Ursula Brinkmann, Spezialistin für «intercultural business», kennt solche Schilderungen zur Genüge. «Es bleibt faszinierend, dass ein Land, das gleich um die Ecke liegt, dennoch solche Unterschiede aufweist.» Zum Einstieg verweist sie auf eine Leinwand, auf der einfach nur der Titel des Seminars und ihr Name stehen: «Führung im deutsch-niederländischen Kontext - Dr. Ursula Brinkmann». «Schon das würde ich in den Niederlanden anders machen. Weiß jemand, was ich meine?» Ja, so versiert sind die Teilnehmer mittlerweile: «Der Doktortitel müsste weg.» Für Niederländer wird dadurch sofort eine unangenehme Distanz geschaffen. Aus dem gleichen Grund wechseln sie gern schnell vom «Sie» zum «Du».

Brinkmann spricht viel über die «feminine Unternehmenskultur» der Niederlande: «Als Manager muss man sympathisch gefunden werden. Wenn man den Boss raushängen lässt, dann klappt es einfach nicht.» Der schwerste Fehler überhaupt: «Man darf nie sagen, 'wir machen es jetzt deutscher'. Dann gehen die Niederländer kollektiv in den Widerstand. Sie können alles Mögliche einführen, aber Sie dürfen es nicht deutsch nennen!»

Frage eines Teilnehmers: «Ist es ein gutes Zeichen, wenn die Leute private Sachen mit einem besprechen?» - «Auf jeden Fall», antwortet Brinkmann. Die Trennung zwischen Beruf und Privatsphäre sei bei den Nachbarn einfach viel fließender. «Man muss den Kollegen die ganze Zeit Signale geben, dass die Beziehung noch in Ordnung ist. Und man muss ihnen möglichst viel Freiraum geben.» Dafür arbeiteten Niederländer dann aber auch selbstständiger und passten sich schneller an neue oder unerwartete Situationen an.

Am Abend fällt die Bilanz der Kursteilnehmer gemischt aus. Vieles ist ihnen jetzt klarer geworden, aber die Zauberformel, die sich manche wohl erhofft haben, die nehmen sie nicht mit. «Ich bin darin bestärkt worden, dass ich mit Druck nicht weiterkomme», sagt ein fränkischer Direktor, der sich jetzt in Utrecht durchschlagen muss. Aber immer auf die Leute eingehen? «Sie haben recht, wenn man es nicht gewohnt ist, ist es mühsam», sagt Brinkmann. «Aber anders werden Sie keinen Erfolg haben.»

Weitere Infos zum Seminar: www.dnhk.org/seminars/home-de.htm Von Christoph Driessen, dpa

dpa-infocom


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