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Berufsakademien kombinieren Studium und Ausbildung

Hamburg/Berlin Abiturienten stecken nach der Schule oft in der Klemme: Der eine möchte schon sein erstes Geld verdienen, der andere lieber studieren.

Wer auf beides nicht verzichten will, hat eine dritte Alternative: die Berufsakademie.

Dort wechselt sich die Ausbildung in einem Unternehmen mit dem Studium an der Akademie ab. Der Absolvent hat am Ende zwei Abschlüsse in der Tasche - aber auch wenig Freiheit in der Studiengestaltung und kaum Freizeit neben der Ausbildung.

«Der Stundenplan im Studium ist genau strukturiert, es ist ein strammes Programm», erklärt Prof. Joachim von Kiedrowski von der Berufsakademie Hamburg. Der Vorteil sei aber, dass die Studenten parallel einen Studienabschluss bekommen und praktische Erfahrung sammeln. «Dieser Ausbildungsweg ist im Mittelstand durchweg akzeptiert.» Die Betriebe bildeten vor allem für den eigenen Bedarf an Fachkräften aus. Sie seien an Absolventen von Berufsakademien besonders interessiert, weil diese sich bereits im Unternehmen auskennen.

«Theorie und Praxis sind eng verzahnt», sagt auch Irene Seling von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin. Die Übernahmequoten seien nicht zuletzt durch die Bindung an den Betrieb sehr hoch. Die beliebteste Kombination sei Betriebswirtschaft in Verbindung mit einer technisch-handwerklichen Ausbildung. Doch die Berufsakademie ist keine Hochschule. «Der Student hat sechs Wochen Urlaubsanspruch und keine Semesterferien.»

Manche merkten da schnell, dass es ihnen zu viel wird, sagt Joachim von Kiedrowski. «Die Studierenden sind durch die doppelte Belastung stark beansprucht.» Lasse Schley vom Studentenwerk der BA Hamburg sieht das ähnlich: Der Auszubildende ist etwa 40 Stunden im Betrieb - dazu kommen noch zwölf Stunden in der Akademie. «Da muss man Motivation mitbringen», sagt der Student.

Der enge zeitliche Rahmen und der doppelte Anspruch der Ausbildung beeinträchtigen nicht nur die Freizeit. «Wissenschaft erfordert Freiheit», erklärt Felix Grigat vom Deutschen Hochschulverband (DHV) in Bonn. Und in der Hinsicht seien Berufsakademien mit Universitäten kaum zu vergleichen. Dennoch werde der Ausbau der Akademien begrüßt. Die Praxisorientierung sei natürlich von Vorteil, so Grigat. Allerdings mindere die Bindung an ein bestimmtes Unternehmen die breite Einsetzbarkeit der Studenten - ein Aspekt, den viele an einem Hochschulstudium schätzen.

Denn obwohl die Berufsakademien sogenannte Diplome und Bachelor vergeben, sind beide rechtlich gesehen keine akademischen Abschlüsse. Für die Unternehmen sei das aber nicht allzu wichtig, sagt Irene Seling vom BDA. «Entscheidend ist, was der Absolvent nach der Ausbildung kann.» Die Angleichung der Hochschulformen sei aber dennoch zu kritisieren, so Felix Grigat vom Hochschulverband. Oft tragen Berufsakademien das Wort «University» im Namen - die wissenschaftliche Ausbildung könne aber nur eine richtige Universität leisten.

Bei der Entscheidung des Abiturienten spielt nicht zuletzt auch eine Rolle, ob er sich früh auf einen Beruf festlegen möchte. «Der Bewerber sollte sich über seine Ziele klar sein», sagt Joachim von Kiedrowski. Der größte Stress entstehe deshalb durch die konkurrierenden Ansprüche, die Studium und Ausbildung stellen, erklärt auch Lasse Schley, der in zwei Jahren seinen Abschluss macht. Oft gebe es im Betrieb eine Auftragsfrist des Kunden, die Überstunden erfordert - gleichzeitig steht eine wichtige Klausur an. «Da kommt man schon mal ins Schwitzen», sagt der 25-Jährige.

Die Bindung an die Berufsausbildung sei für viele der Knackpunkt, der sie ins Grübeln bringt, sagt von Kiedrowski. Das Unternehmen komme aber dafür auch für die Hälfte der Studiengebühren auf. Außerdem verdient der Lehrling schon sein erstes Geld. Und nicht zu vergessen sind die guten Chancen, direkt vom Betrieb übernommen zu werden. Von Philipp Laage, dpa

dpa-infocom


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