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Demografieberater: Qualifikation für Akquisekönner

Hagen «Deutschland hat einen neuen Beruf erfunden: den Demografieberater», titelte die französische Tageszeitung «Les Echos» im Sommer. Aber das war übertrieben.

Genau genommen ist es nur eine neue Qualifizierung für Berater erfunden worden, die Unternehmen helfen können, auf die Alterung der Gesellschaft zu reagieren. Der Unternehmensberater Hans-Jürgen Dorr aus Wuppertal gehörte vor zwei Jahren zu den ersten Teilnehmern der staatlich anerkannten und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales finanzierten Qualifizierung zum Demografieberater. Eine Woche lang befasste sich Dorr mit demografischen Fragestellungen und Daten seiner Region und erlernte das Handwerkszeug, wie Fragebogenerstellung oder Interviewtechnik.

Demografieberater müssen sich mit Themen wie Weiterbildung vor allem älterer Arbeitnehmer genauso auskennen wie mit Mitarbeitermotivation oder der Suche nach Nachwuchskräften. Und sie brauchen Kenntnisse in Arbeitsplatzgestaltung und im betrieblichen Gesundheitsmanagement, erklärt Nadine Köttendorf. Sie müssen außerdem die spezifischen Bedingungen des Wandels in der jeweiligen Region erkennen und darstellen können.

Köttendorf ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Arbeitswissenschaft (IAW) an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Das IAW ist verantwortlich für die Inhalte der «Qualifizierung zum Demorgraphie-Lotsen» und will das Programm auch weiter begleiten, nachdem es jetzt bundesweit angeboten wird. Zuvor gab es das Angebot, abgesehen von Mecklenburg-Vorpommern, nur in den westlichen Bundesländern. Die Gesamtkoordination übernimmt nun die agentur mark in Hagen, die Trainer-Koordination Hans-Jürgen Dorrs Beratungsunternehmen d-ialogo.

Für den Berater ist die Altersstrukturanalyse in einem Musterbetrieb ein wichtiger Bestandteil der Qualifizierung. «Daran kann man sehr effizient Probleme erkennen und Lösungen entwickeln.» Dorr nennt dafür das Beispiel der Metoba Metalloberflächen GmbH in Lüdenscheid: Obwohl sie mit einem Durchschnittsalter von 33 Jahren über eine junge Belegschaft verfügt, holte sie sich den Demografieberater ins Haus. Denn die homogene Altersstruktur und die geringe Fluktuation bargen auch Gefahren: «Wie sieht es mit dem Wissensstand der Mitarbeiter und der Leistungsfähigkeit des Unternehmens in zehn Jahren aus?», fragte der Geschäftsführer.

Demografieberater unterstützen die Unternehmen dabei, auf solche Fragen Antworten zu finden und entdecken Problembereiche: «So mancher Betrieb musste nach der Demografieanalyse feststellen, dass er in zehn Jahren gar nicht mehr existieren könnte», sagt Prof. Karl Kuhn. Für den wissenschaftlicher Leiter der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund besteht gerade in kleinen und mittleren Betrieben hoher Beratungsbedarf.

Dort stellen sich Fragen wie: Was geschieht mit dem Dachdecker, der mit 45 nicht mehr aufs Dach kann? Wie bleibt das Wissen im Betrieb und wird gleichzeitig aktualisiert? Qualifikation der betreffenden Mitarbeiter kann eine Antwort sein. «Aber nur vier Prozent der über 40-jährigen Arbeitnehmer bekommen eine angestrebte Weiterbildungsmaßnahme genehmigt», sagt Kuhn. Viele Mittelständler verdrängten das Problem, bestätigt Sabine Schreiber.

Dass man diejenigen erreichen will, die noch gar nicht an dem Thema interessiert sind, macht den Hamburger Coach Ben Krischausky skeptisch: «Wer sich mit dem Demografie-Thema allein selbstständig machen will, bekommt ein Rekrutierungsproblem.» Für den Sprecher des Demographie Netzwerkes ddn ist die Qualifizierung «Demografieberater» zwar ein aufmerksamkeitsstarker Name, aber schon Arbeitsplatzanalyse und Nachwuchsförderung seien zwei völlig unterschiedliche Handlungsfelder. «Das sind zu viele Themen für einen Berater», warnt Krischausky. Eine Lösung bietet der Netzwerkgedanke, den Hans-Jürgen Dorr verfolgt: Berater mit unterschiedlichen Schwerpunkten tun sich zusammen und ergänzen sich in ihren Qualifikationen.

Informationen: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Friedrich-Henkel-Weg 1-25, 44149 Dortmund, Telefon: 0231/907 10; Verein der Demographie-Experten: Administration: agentur mark GmbH, Handwerkerstraße 11, 58135 Hagen

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: www.baua.de

dpa-infocom


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