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Jobsuche: Germanisten müssen sich nicht verstecken

Heidelberg/Münster «Ich habe zwar Germanistik studiert, bin aber trotzdem ein guter Mitarbeiter.» Das hört Andreas Eimer, der Leiter des «Career Service» der Universität Münster, oft während seiner Beratungsgespräche.

«Das Maß an Abwertung und Rechtfertigung des Studiums ist bei Studierenden der Germanistik besonders groß», sagt er. Dabei seien die während des Studiums erworbenen Kenntnisse auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt. Ihre Kompetenz aus dem Studium auf die Berufswelt zu übertragen, sei allerdings eine Hürde, die gerade Germanisten ins Stolpern geraten lässt.

Germanisten, die in Eimers Beratung kommen, quält häufig die gleiche Frage: «Was kann ich mit meinem Studium anfangen?» Die Antwort lautet meistens: «Die Antwort hab ich auch nicht. Wir können Sie aber gemeinsam finden.» Ein spezifisches Berufsbild für Germanisten gebe es nicht, sagt Eimer. Stellenanzeigen «Germanisten gesucht» gebe es kaum. Hier zeigt sich die besondere Herausforderung, die sich Germanisten und Geisteswissenschaftlern allgemein stellt: Sie sind nach dem Abschluss für keinen bestimmten Beruf prädestiniert.

Eimer empfiehlt Studierenden daher, schon früh an ihrem Profil zu arbeiten. Dafür sei das Studium eine Möglichkeit. Die Qualifikation, die sie während der Hochschulzeit erlangen, sei wertvoller, als der Großteil der Studenten annehme: «Unterschiedliche Disziplinen miteinander verbinden, sich auf neue Aufgabenfelder einstellen, Kommunikationsfähigkeit und der Aufbau von Netzwerken sind Fähigkeiten, auf die ein Germanistikstudium gut vorbereitet.» Laut Eimer geht der Trend auf dem Arbeitsmarkt vom «Spezialisten zum Generalisten». Gefragt seien Mitarbeiter mit einem breit angelegten Profil - wie es Germanisten bieten.

Durch die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge werden Studenten dabei ein Stück weit an die Hand genommen. «Die Berufsorientierung ist nun nicht mehr allein von der Eigenverantwortung der Studierenden abhängig, sondern zu einem wichtigen Bestandteil des Studiums geworden», sagt Tina Leupold, Dozentin der Reihe «Germanistik in der Gesellschaft» am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg.

Zu den Inhalten der Reihe gehören Vorträge von Germanisten, die den Sprung in die Berufswelt erfolgreich gemeistert haben. Mögliche Berufsfelder werden in Seminaren und Übungen unter die Lupe genommen. Dafür notwendige Zusatzqualifikationen werden erörtert und praxisorientierte Kompetenzen, beispielsweise aus dem betriebswirtschaftlichen Bereich, in Seminaren vermittelt. «Darüber hinaus wollen wir - zum Beispiel durch Bewerbungstrainings - das Bewusstsein der Studierenden über ihre eigenen Fähigkeiten stärken», so Leupold.

Im Rahmen von «Germanistik in der Gesellschaft» werden außerdem Workshops mit Vertretern der Wirtschaft angeboten. Der Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen ist einer der Kooperationspartner; eines der Themen ist Unternehmenskommunikation. «Wir schätzen an Geisteswissenschaftlern die Fähigkeit, komplexe Situationen zu analysieren, links und rechts des Weges zu denken. Im Gegensatz zu Fachwissenschaftlern denken Geisteswissenschaftler quer zu den Disziplinen», sagt Norbert Meyer, Leiter der Rekrutierung Hochschulabsolventen bei BASF.

Sich klarzumachen, wo es beruflich einmal hingehen soll, ist eine Aufgabe, der sich Germanisten schon früh stellen sollten, rät Eimer. «Es bringt nichts, sich in der Bibliothek zu vergraben und sich der Illusion hinzugeben, später bei einem Belletristik-Verlag unterzukommen.» Leute kennenlernen, Netzwerke aufbauen und Berufserfahrung durch Praktika sammeln - das sei das A und O, um sich einerseits selbst darüber klar zu werden, wo berufliche Interessen liegen, aber auch, um wichtige Kontakte für den Einstieg in den Beruf zu knüpfen, meint Eimer.

«Es gibt sehr erfolgreiche Absolventen, aber auch Leute, die scheitern», sagt Eimer. Studenten hätten zwar die Freiheit vieler Möglichkeiten, müssten sich aber schon früh überlegen, wo es einmal hingehen soll: «Findet raus, wer ihr seid und geht mit Selbstbewusstsein an die Sache heran. Die Chancen sind gut.» Von Jasmin Henning, dpa

dpa-infocom


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