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Analyse: Spitzel-Affäre bringt Obermann in Not

Bonn Für Telekom-Chef René Obermann wird die Affäre um die Bespitzelung von Aufsichtsräten, Journalisten und Gewerkschaftern immer unappetitlicher.

Nach mehrmonatigen Ermittlungen liegen jetzt erste Ergebnisse der Bonner Staatsanwaltschaft über die Betroffenen der illegalen Ausschnüffelei in den Jahren 2005 und 2006 auf dem Tisch. 60 Menschen sollen nach Angaben der Behörde ausgespäht worden sein, darunter auch konzernfremde Personen und selbst Kinder von Aufsichtsräten. Fast täglich berichten Medien über eine Ausweitung der Affäre.

In Gewerkschaftskreisen wird inzwischen Böses vermutet: Nicht nur Verbindungsdaten seien ausgewertet worden, sondern die Telekom hat möglicherweise auch Telefonate direkt abgehört. Das meint jedenfalls Telekom-Betriebsrat Wolfgang Borkenstein, dessen Mobilfunkdaten überprüft wurden. Er erhebt einen schweren Vorwurf: «Ich gehe davon aus, dass abgehört wurde. Verbindungsdaten machen doch sonst gar keinen Sinn», sagte er dem Nachrichtenmagazin «Stern».

Das wäre eine neue Qualität in der Bespitzelungsaffäre. Hinweise darauf liegen den Ermittlern nach Angaben von Oberstaatsanwalt Fred Apostel bislang aber nicht vor. Auch ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder mahnt zur Zurückhaltung. Angesichts der Dimensionen und der kriminellen Energie stelle er sich inzwischen aber auch die Frage: «Wer so weit geht, geht der nicht noch weiter»?

Tatsächlich wirft der Kreis der betroffenen Personen viele Fragen auf. Ob die Ermittler das Puzzle jemals zusammensetzen werden, bleibt abzuwarten. Als sicher gilt: Ziel der Schnüffelei war es zunächst, undichte Stellen im Konzern zu schließen, nachdem mehrmals vertrauliche Informationen an die Öffentlichkeit gelangt waren.

Aber warum stehen ver.di-Chef Frank Bsirske und Dietmar Hexel vom DGB-Bundesvorstand, die beruflich gar nichts mit der Telekom zu tun haben, auf der Liste? Trauten die Schnüffler nicht einmal dem damaligen Personalvorstand Heinz Klinkhammer über den Weg oder den Sekretärinnen im Vorstandsbüro von Kai-Uwe Ricke? Selbst zwei Kinder von Aufsichtsräten blieben von der Ausspähaktion nicht verschont.

«Wenn man große Fische fangen will , geraten auch viele kleine ins Netz», erklärt ein Beobachter das Phänomen. Unterdessen rechnet Oberstaatsanwalt Apostel zunächst nicht mit einem weiteren Anstieg der Betroffenenzahl in der Schnüffel-Affäre. Ausschließen kann er das freilich nicht. Immerhin hat die Behörde erst rund 20 Prozent der Datenberge durchforstet.

Obermann hat sich im Namen der Telekom inzwischen bei zahlreichen Betroffenen persönlich entschuldigt und blickt nach vorne. Aufklären könne jetzt nur die Staatsanwaltschaft, sagt er und hofft, dass das ramponierte Image des Konzerns nicht weiter leidet. Dabei schmerzt ihn der Vorwurf, die Affäre sei unter den Teppich gekehrt worden. Die Telekom habe mit ihrer Anzeige im April den Stein doch erst ins Wasser geworfen, beteuert ein Sprecher: «Wie hoch die Wellen schlagen, konnten wir damals nicht wissen.»

Dass die Datensicherheit in dem Bonner Konzern künftig höchste Priorität genießt, dafür soll Manfred Balz im obersten Führungsgremium des Konzerns sorgen. Vor wenigen Wochen hatte die Telekom ihren Chefjustiziar in den Vorstand befördert, wo er sich um die Datensicherheit kümmert. Und selbst Schröder hält den jetzt eingeschlagenen Kurs des Vorstands für den einzig gangbaren: «Die Telekom ist auf einem guten Weg.» Von Peter Lessmann, dpa

dpa-infocom


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