IVWPixel Zählpixel
kalaydo.de kalaydo.de Jobs Auto kaufen Immobilien Kleinanzeigen Bei kalaydo.de inserieren In der Rhein-Zeitung und ihren Heimatblättern inserieren Zeitungsanzeige aufgeben kalaydo.de
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Geld & Recht       » News       » Steuer-Tipps

Geiz ist wieder geil: Krise lässt Billigläden blühen

Berlin Die Läden sind oft trist, die Waren einfach nur billig.

In den Filialen der Euroshops haben alle Artikel eines gemein: Sie kosten nur einen Euro - vom Brillenetui bis zur Klobürste.

Die Waren kommen überwiegend aus Fernost oder sind Restposten. Zielgruppe sind «alle, die sparen müssen und alle, die sparen wollen». Diese EuroShops, Resterampen, Mäc-Geiz-Läden oder Textildiscounter wie Kik, Takko und NKD sind in den Innenstädten schon länger auf dem Vormarsch, oft sogar in guten Lagen. In Zeiten schwächelnder Konjunktur und flauer Konsumstimmung gewinnen sie zunehmend Kunden. «Die Gruppe derjenigen, die sich in Deutschland nichts mehr leisten kann, wächst», beobachten Handelsexperten und sprechen sogar von einer dramatischen Entwicklung.

Im Osten Deutschlands und im Ruhrgebiet sind die Billiganbieter besonders stark vertreten. «Diese Läden gedeihen dort, wo die jungen und gut ausgebildeten Menschen abwandern, weil sie keine Perspektive mehr sehen», betont Wolfgang Twardawa vom Marktforschungsinstitut GfK. Im vergangenen Jahr habe schon ein Viertel der Deutschen (26 Prozent) angegeben, sie könnten sich nichts mehr leisten. Sechs Jahre davor waren es noch 19 Prozent. Für dieses Jahr fürchtet Twardawa eine «Verschärfung» des Abwärtstrends.

Der Mittelstand schmelze immer mehr ab. Nur der Anteil derjenigen, die sich fast alles leisten können, bleibt mit gut 27 Prozent nahezu konstant. Die derzeit eigentlich noch gute Beschäftigungslage verstelle dabei den Blick auf die tatsächliche Situation. Die Zahl der Geringverdiener in Zeitarbeit und Minijobs steigt stetig weiter an. «Und die können keine großen Sprünge bei den Ausgaben machen», sagt Twardawa. Die «Geiz ist geil»-Mentalität nimmt wieder zu.

Doch nicht nur die Filialen der Billiganbieter sowie Lebensmitteldiscounter wie Lidl oder Aldi werden immer zahlreicher. Auch in den Möbel-, Haushaltswaren- und Elektronikmärkten bekommt das Niedrigpreissegment laut GfK zunehmend mehr Gewicht. «Der Anteil der Billigläden wird weiter ansteigen», prognostiziert auch der Textileinzelhandelsverband. «Die Verbraucher werden künftig mehr auf den Preis achten und in solchen Geschäften einkaufen müssen», sagt Verbandsgeschäftsführer Siegfried Jacobs. Allein die Textildiscounter seien im vergangenen Jahr mit sieben Prozent wieder stark gewachsen. Mittlerweile haben sie zusammen mit den Angeboten in den Lebensmittelmärkten einen Marktanteil von 17 Prozent am Textileinzelhandel.

«Die vor uns liegende Zeit ist die perfekte Zeit für Discounter», betont Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub. Profitieren könne von der neuen Sparsamkeit der Bundesbürger sicher die Tengelmann-Billigkette Kik mit ihren mittlerweile 2239 Filialen, hofft er. Allein im vergangenen Jahr konnte Kik, die auch mit dem Slogan «Nur nackt ist billiger! - Kleidung clever kaufen» werben, kräftig wachsen. Der Umsatz stieg um 6,5 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Allein in Deutschland sieht Tengelmann (Plus, Kik, Obi) ein Potenzial für insgesamt 3000 Filialen.

Während der Umsatz von Warenhäusern, Verbraucher- und Supermärkten seit 15 Jahren bei rund 87 Milliarden Euro stagniert, haben die Discounter im gleichen Zeitraum mehr als 31 Milliarden Euro auf 61,3 Milliarden Euro zugelegt, geht aus einer aktuellen Studie von Nielsen TradeDimension hervor. Der Marktanteil der Niedrig-Preis-Spezialisten sei dabei von 25,8 auf 41,3 Prozent angewachsen. Im vergangenen Jahr stieg allein die Zahl der Lebensmitteldiscounter dem Eurohandelsinstitut (EHI) zufolge von 14 806 auf 15 219 Filialen.

Der erst 2004 gegründete Euroshop zählt mittlerweile 100 Filialen in ganz Deutschland und will weiter wachsen. Der Mode-Discounter Takko verkauft derzeit seine Billigwaren an mehr als 900 Standorten und will in den kommenden Jahren jährlich 150 neue Geschäfte öffnen. Die Modekette C&A hat seit diesem Jahr mit Avanti einen eigenen Textildiscounter. Bis kommenden Februar soll es davon bundesweit 10 Filialen geben. Auch der Branchenriese spürt die Kaufzurückhaltung der Deutschen. «Die Kunden kaufen nicht weniger Textilien ein, aber sie kaufen günstiger. Der Preis spielt eine noch größere Rolle», sagt ein Sprecher. Von Maren Martell, dpa

dpa-infocom


Sie benötigen Flash Player 9, um den RZ-Video-Player ansehen zu können.
Regioticker
Eventkalender
rz lexikon