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Wahltarife: Geld zurück für Krankenversicherte

Siegburg/Berlin Mit der Einführung des Gesundheitsfonds am 1. Januar kommt auch ein einheitlicher Beitragssatz für alle Krankenkassen.

Der Wettbewerb zwischen den gesetzlichen Kassen wird dann nicht mehr über die Beitragshöhe ausgetragen.

Daher gewinnt all das, was Kassen über den gesetzlich festgelegten Leistungskatalog hinaus anbieten, für Versicherte an Bedeutung. Dazu gehören die Wahltarife, zum Beispiel die sogenannten Hausarztmodelle oder Programme für chronisch Kranke.

Auch Zuzahlungen für Naturheilverfahren oder Prämien für den Fall, dass ein Jahr keine ärztliche Versorgung in Anspruch genommen wurde, fallen unter den Begriff. Ob sie für den einzelnen von Vorteil sind, hängt von den individuellen Bedürfnissen ab, sagt Claudia Widmaier vom Verband der Angestellten-Krankenkassen (VdAK) in Siegburg. Die gesetzlich vorgeschriebene Versorgung bleibt unangetastet.

Grob lassen sich zwei Arten von Wahltarifen unterscheiden: die gesetzlich festgelegten - besonders interessant für Chroniker - und die freiwillig von den Kassen angebotenen. Sie richten sich vor allem an junge, gesunde Menschen. Einige gesetzlich festgelegte Wahltarife muss jede Kasse anbieten. Dazu gehören zum Beispiel die «Disease-Management-Programme» (DMP) für Diabetiker oder Asthmatiker. Die sogenannte «Integrierte Versorgung» (IV) soll die Zusammenarbeit verschiedener Ärzte und Krankenhäuser bei der Behandlung verbessern. Bei den Hausarzt-Modellen verpflichtet sich der Versicherte, bei Erkrankungen immer zuerst zum Hausarzt statt gleich zum Facharzt zu gehen.

Eine Teilnahme wird mit finanziellen Anreizen belohnt: Versicherte können bei Zuzahlungen sparen, beispielsweise wird ihnen die Praxisgebühr zum Teil erlassen. Ob es sich lohnt, an solchen Programmen teilzunehmen, hängt auch von der Art der Erkrankung ab - «aber das Disease-Management-Programm ist schon etwas Sinnvolles», sagt Michaela Schwabe von der Beratungsstelle Berlin der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland. Dennoch gebe es eben auch Nachteile wie die Einschränkung der freien Arztwahl.

Freiwillige Angebote können die Kassen selbst ausgestalten - entsprechend unübersichtlich ist der Markt. Die gängigsten Wahltarife sind der Selbstbehalt, die Beitragsrückerstattung, die Kostenerstattung und die Behandlung in besonderen Therapieformen. Der Anreiz für Versicherte ist, dass sie ihre Beiträge senken oder Prämien ausgezahlt bekommen können - lohnenswert vor allem für Gesunde.

Vor dem Abschluss eines Wahltarifs müssen Versicherte viele Fragen stellen - an sich selbst und an ihre Kasse. Welche Ansprüche stelle ich an meine Krankenkasse? Wie häufig gehe ich zum Arzt und warum? All das sollte bedacht werden, rät Kai Vogel, Gesundheitsexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. «Auf jeden Fall sollte man verschiedene Angebote einholen, nicht nur von der eigenen Kasse.» Und er rät, das finanzielle Risiko einschätzen: «Was passiert, wenn ich wirklich krank werde? Ich sollte nicht nur auf den finanziellen Bonus abzielen.» Im Januar kommt Bewegung in den Markt Wer sich für Wahltarife interessiert, wartet besser noch ein paar Wochen mit dem Abschluss. Denn es sei gut möglich, dass zum Jahresbeginn neue Angebote auf den Markt kommen. Damit rechnet zum Beispiel Kai Vogel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf: «Es wird spannend. Und das heißt: Erstmal abwarten und dann auf jeden Fall aufpassen und vergleichen.» Wer das nicht selbst kann oder will, sollte sich unabhängig beraten lassen. Von Neela Richter, dpa

dpa-infocom


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