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Nachwuchs fehlt: Junge Ärzte wollen nicht aufs Land

Haren Haren ist eine hübsche kleine Stadt. Durch den aufgeräumten Ort schlängelt sich die Ems, die Wege in der 22 000-Einwohner-Gemeinde sind kurz.

Jeder kennt jeden in den adretten Geschäften rings um das Rathaus der emsländischen Kommune.

Trotz der augenscheinlichen Idylle bemüht sich Bernd Hasch seit drei Jahren vergeblich, einen Nachfolger für seine Allgemeinarzt-Praxis zu bekommen. «Ich weiß nicht, woran es liegt», zuckt der 65 Jahre alte Mediziner mit den Schultern. Gerade kommt er von einem Hausbesuch bei einer Patientin in einem der Nachbardörfer zurück. Der Mediziner ist offiziell seit einem halben Jahr im Ruhestand, könnte also aufhören. «Es wäre aber schade um die Praxis, einfach so dichtzumachen», sagt seine Ehefrau Agnes.

Hasch hat viel versucht, um einen Nachfolger zu finden. «Wir haben drei verschiedene Vermittlungsagenturen eingeschaltet. Wir haben Anzeigen geschaltet im niedersächsischen, im westfälischen und im Berliner Ärzteblatt, sogar in einer österreichischen Fachzeitschrift haben wir inseriert», sagt der Mediziner. Er habe das Angebot in Kliniken ausgehängt und auch Krankenhausärzte direkt angesprochen. Was er bietet, hört sich attraktiv an: Top-Allgemeinarztpraxis mit überdurchschnittlichem Gewinn in einem anerkannten Erholungsort mit guter Verkehrsanbindung und hohem Freizeitwert und wenig Notdiensten. «Drei Leute haben angerufen - ist nix draus geworden», zuckt Hasch mit den Schultern.

Das Emsland gehört nach den Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) zu den Regionen des Landes, die in den kommenden Jahren besonders stark von einer drohenden Unterversorgung mit Ärzten betroffen sind. Betroffen sind in Deutschland jedoch zahlreiche ländliche Regionen. Vor allem die Hausärzte habe Schwierigkeiten, Nachwuchs zu finden. Hält der Trend an, dürften in den nächsten Jahren für viele Patienten die Wege zu ihren Ärzten länger werden, und das bei einer tendenziell älter werdenden Bevölkerung, fürchtet die Ärzteschaft.

Dass so wenig Jung-Mediziner aufs Land wollten, liege an einem «Cocktail» an Gründen, sagt Uwe Köster aus der Pressestelle der KVN. «Wir haben nach wie vor die Tendenz, dass sich der ärztliche Nachwuchs mit Vorliebe im städtischen Bereich niederlässt». Zudem habe gerade der Beruf des Allgemeinmediziners nicht denselben Stellenwert bei Medizinern wie die Facharztdisziplinen. Vor allem aber gebe es wohl die Befürchtung, als Landarzt zu viel arbeiten zu müssen bei zu schlechter Bezahlung.

«Das kann ich eigentlich nicht nachvollziehen», sagt Hasch. Er als klassischer Landarzt habe eine 40-Stundenwoche. «Darin sind die Hausbesuche schon eingerechnet», sagt der Allgemeinmediziner. Dennoch gebe es im Moment nach wie vor Regionen, in denen die Arbeitsbelastung für die Ärzte sehr groß sind, räumt KVN- Pressesprecher Köster ein. Daher sei es ein Anliegen der Kassenärztlichen Vereinigung, landesweit größere Notdienst-Ringe zu organisieren und feste Notfallpraxen zu installieren, die vor allem an den Krankenhäusern angesiedelt werden sollen. Auch sollten verstärkt Anreize für die Niederlassung auf dem Land gesetzt werden. So sei im Raum Gifhorn einem jungen Augenarzt eine Umsatzgarantie für einen längeren Zeitraum gegeben worden.

Außerdem sei das Image des Berufsstandes in den Medien sehr schlecht, und daran seien auch die Ärzte selbst nicht ganz unschuldig, bemerkt Köster selbstkritisch: «Es wird häufig eine Kulisse aufgebaut, dass man den Eindruck hat, als ob man als Arzt überhaupt keine Zukunftschance mehr hat und am Hungertuch nagt», sagt der KVN-Sprecher. Das sei «so natürlich nicht richtig». Gegen das schlechte Image bei den Medizinstudenten müsse etwas getan werden. Schon an den Hochschulen solle daher für den Beruf des Allgemeinmediziners geworben werden. Von Elmar Stephan, dpa

dpa-infocom


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