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Mit einer Schraube aufwendige Hüft-OP vermeiden

Rostock Es ist ein stechender Schmerz, der in die Hüfte schießt.

Er bleibt aber nicht lange so stark, sonst würden die Betroffenen rasch zum Arzt gehen. Wenn man zu lange wartet, verschließen sich die Gefäße.

Danach ist der Hüftkopf nicht mehr mit Blut versorgt, der Knochen stirbt ab und der Patient kommt um eine Hüftprothese nicht mehr herum. Mit diesen Worten beschreibt der Chef der Orthopädischen Universitätsklinik in Rostock, Wolfram Mittelmeier, das Geschehen bei einem Hüftinfarkt, wie er pro Jahr deutschlandweit tausendfach vorkommt.

Viele Hüftoperationen mit Protheseneinsatz nach einem Hüftinfarkt (Fachausdruck: Hüftkopfnekrose) müssten nach Meinung Mittelmeiers nicht sein. «Einige tausend Hüften könnten wir retten, wenn wir die Patienten rechtzeitig behandeln könnten.» Rechtzeitig bedeute, dass die Betroffenen innerhalb weniger Wochen sich bei einem Orthopäden melden. Der Hüftinfarkt ist nach Worten Mittelmeiers eine der typischen Zivilisationserkrankungen: «Ursachen sind meist Rauchen, zu hohe Blutfettwerte und zu hoher Alkoholkonsum.»

Das Prinzip der Behandlung beruht auf der Erkenntnis, dass sich über Elektrostimulation Zellen zur Teilung anregen lassen, dies passiert auch beim Knochenaufbau. Mittelmeier und sein Team entwickelten eine gut 20 Jahre alte Idee von Forschern weiter, die mit zwei Schrauben - jede Schraube wirkt dabei wie eine Elektrode - und einer Spule Knochenzellen wachsen ließen und schwer heilende Knochenbrüche unterstützen konnten.

«Für unsere Hüftinfarkt-Patienten brauchen wir den Strom im Knochen», schildert Mittelmeier die Ausgangssituation. Es sei nun gelungen, das ganze System mit Elektroden und Spule in eine sieben Zentimeter lange und sechs Millimeter dicke Schraube hineinzubekommen. Diese wird in einer minimalinvasiven Operation nahe an den Hüftkopf herangeführt. Anschließend werde zu Hause das System mehrere Stunden pro Tag von außen mit Energie versorgt, die dann von den Elektroden gezielt an den Hüftkopf abgegeben wird. Die Zellen im Knochen und den Gefäßen reagieren darauf, die Hüfte könne sich regenerieren. Der Einsatz der Schraube erfolgt ambulant, eine aufwendige Rehabilitation sei nicht notwendig - ein starkes Argument für Verhandlungen mit den Krankenkassen.

200 Patienten seien in München , Eisenberg (Thüringen) und Rostock in den vergangenen vier Jahren so behandelt worden. Die Heilungsquote liege bei 80 Prozent, wenn die Knorpeloberfläche des Hüftkopfes noch erhalten ist. Vor wenigen Wochen hat eine kontrollierte klinische Studie begonnen. Ein US-Medizinkonzern habe angekündigt, die «Schraube» in Serie produzieren zu wollen.

Die Forschungen an dem System gehen weiter, berichtet Hartmut Ewald, Direktor des Institutes für Allgemeine Elektrotechnik an der Uni Rostock. Es müsse überprüft werden, welche Stärken des elektrischen Feldes benötigt werden, um die Zellen optimal zu stimulieren und wie das Feld räumlich ausgelegt werden muss. Forschungen gebe es auch an Wechselimplantaten, die dann zum Einsatz kommen können, wenn bei künstlichen Gelenken im Laufe von etwa 15 bis 20 Jahren der umgebende Kochen sich selbst zurückgebildet hat. Mit elektrischen Feldern solle nun erreicht werden, dass sich in diesen Regionen der Knochen regeneriert und so die Gehfähigkeit von Patienten erhalten bleibt. Von Joachim Mangler, dpa

dpa-infocom


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