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Wenn Rot zu Gelb wird: Farbenfehlsichtige sehen anders

Heidelberg Schwarz, Weiß, Blau und Gelb erkennt er eindeutig, doch bei anderen Farben ist der vierjährige Leo oft ratlos. Die Erzieherinnen empfehlen einen Besuch beim Augenarzt.

Dort soll er Tafeln voller farbiger Punkte betrachten und Formen darin erkennen. Das gelingt ihm nicht. Der Arzt stellt fest: Leo hat eine Rot-Grün-Sehschwäche. Etwa 8 Prozent der Männer und 0,4 Prozent der Frauen sind von einer angeborenen Rot-Grün-Farbenfehlsichtigkeit betroffen, sagt der Augenarzt Prof. Hermann Krastel aus Heidelberg. Wegen eines vererbten kleinen Webfehlers im Genmaterial liefern die Sinneszellen im Auge andere Informationen über Farbe ins Hirn als bei Normalsichtigen. Im Volksmund werden Betroffene oft als farbenblind bezeichnet.

Bekannt ist die Rot-Grün- Farbenfehlsichtigkeit schon lange. Im Englischen wird sie Daltonism benannt, nach dem englischen Physiker John Dalton. Er war selbst davon betroffen und hat Farbenfehlsichtigkeit als einer der ersten beschrieben. Danach waren Orange, Gelb und Grün für ihn wie verschiedene Schattierungen von Gelb.

Dass Dalton tatsächlich an Farbenfehlsichtigkeit litt, konnten Wissenschaftler aber erst 150 Jahre nach seinem Tod belegen, erläutert Bernd Wissinger. Der Leiter des Molekulargenetischen Labors der Universitäts-Augenklinik Tübingen erforscht die genetischen Ursachen von Farbfehlsichtigkeit. Eines von Daltons Augen war konserviert worden und noch erhalten. Von diesem gelang es, die DNA zu extrahieren und das defekte Gen zu orten.

«Wir sehen nicht grau, wir sehen nur anders», sagt Fritz Buser, Optiker im schweizerischen Olten, der selbst rot-grün-fehlsichtig ist und in Deutschland Fachleute aus dem Sehbehindertenwesen und Sehbehindertenlehrer unterrichtet. «Wenn ich mit meinem Sohn Beeren sammeln gehe, findet er mehr Himbeeren. Und ich erkenne eben die Brombeeren besser.» Manche Farbenfehlsichtige unterscheiden Ocker-, Beige- und Braunfarbtöne sogar besser als Normalsichtige, sagt Krastel.

Eingeschränkt fühlt sich Buser mit seinen Farbproblemen im Alltag kaum. «Die größte Einschränkung ist die Berufswahl.» In der Tat sind Farbenfehlsichtige für bestimmte Berufe ungeeignet. So müssen etwa Piloten, Kapitäne und Zugführer Farbsignale sicher erkennen können.

Heilbar oder korrigierbar ist Farbenfehlsichtigkeit nicht. Doch wer nach einer «Krücke» sucht, wird im Internet schnell fündig. Spezielle Linsen sollen die Rot-Grün-Schwäche durch Farbfilter ausgleichen. Tatsächlich verändern sie das Farbensehen, erklärt Krastel. Der Farbenfehlsichtige könne mit einer solchen Linse vielleicht die Farbtafel-Untersuchungstests bestehen, mache aber andere Fehler, die in den Untersuchungstafeln nicht abgefragt werden. «Das Problem wird also nur verlagert.»

Die Experten raten deshalb dazu, sich mit der Farbenfehlsichtigkeit zu arrangieren. Auch ohne besondere Auffälligkeiten sollte ein Kind spätestens bei Schuleintritt getestet werden, um Benachteiligungen zu vermeiden. «In der Schule wird immer wieder mit farbkodierten Materialien wie Landkarten gearbeitet», sagt Krastel. Ist eine Farbenfehlsichtigkeit diagnostiziert, heißt es, Erzieher und Lehrer zu informieren. Auch die Kinder selbst sollten um ihre Probleme wissen. Und im Alltag helfen kleine Tricks wie markierte Farbstifte. Warum vor allem Männer farbenblind sind Dass vor allem Männer von Farbenfehlsichtigkeit betroffen sind, liegt an den Geschlechtschromosomen. Zwei der drei Gene, die für das Erkennen der Rot- und Grüntöne zuständig sind, liegen auf dem X-Chromosom. Eine Frau kann ein fehlerhaftes X-Chromosom mit ihrem funktionstüchtigen anderen ausgleichen. Ein Mann dagegen hat nur ein X-Chromosom. Deshalb tritt der Gen-Fehler bei Männern häufiger in Erscheinung. Warum dieser Gen-Fehler nicht im Laufe der Evolution verschwunden ist, beschäftigt auch die Wissenschaft. Es wird vermutet, den Farbenfehlsichtigen habe die bessere Wahrnehmung von Tarnfarben bei der Jagd geholfen. Von Mona Hope, dpa

dpa-infocom


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