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«Keine Extrawürste»: Löw schärft sein Profil

Berlin Erst nett, nun hart - am Ende eines turbulenten EM-Jahres erleben nicht nur die deutschen Fußball-Nationalspieler einen Bundestrainer im Wandel: Joachim Löw schärft sein Profil.

Die Lehren aus der wechselhaften Europameisterschaft im Sommer und die jüngsten Querelen um Kapitän Michael Ballack, Routinier Torsten Frings und den verbannten Stürmer Kevin Kuranyi haben zu einer Neuausrichtung auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika beigetragen.

Pünktlich zum letzten Länderspiel des Jahres gegen England lief ein Werbespot des Bundestrainers für ein Touristik-Unternehmen an, dessen Botschaft bestens zur Nationalmannschaft passt. «Bitte keine Extrawürste», flüstert Löw einer exotischen Schönheit an der Rezeption seines Urlaubshotels zu. Diese hatte auch der 48-Jährige noch bei der kurz vor dem Gipfel gestoppten EM-Bergtour gebacken, als er an Torhüter Jens Lehmann trotz dessen Reservistenrolle beim FC Arsenal festhielt und den nach monatelanger Verletzungspause nicht fitten Christoph Metzelder mit durch die Endrunde schleppte.

«Er war immer gut damit gefahren, an Spielern festzuhalten», kommentierte Oliver Bierhoff. Vertrauen schenken sei eine «Stärke» von Löw, betonte der Teammanager. Sie zahlt sich in der Tat auch immer wieder aus, wie das Paradebeispiel Lukas Podolski zeigt.

Die EM markierte dennoch eine Zäsur - nach Lehmann und Metzelder bekommt das aktuell der in Kürze 32-jährige Frings zu spüren, dessen Stammplatz an der Seite von Kapitän Ballack jüngere Akteure wie Thomas Hitzlsperger (26), Simon Rolfes (26) oder Jermaine Jones (27) erobern wollen. Löw gefällt das: «Ich habe einige Spieler ganz bewusst aufgefordert, mit mehr Vehemenz Plätze etablierter Spieler anzugreifen.» Eine Sommer-Lehre, wie Bierhoff erläuterte: «Der Trainer hatte nach der EM den Eindruck, dass er den Konkurrenzkampf etwas mehr schüren muss. Um den nächsten Schritt zu machen, muss man dazu bereit sein.»

Löw bestätigte den Kursschwenk in den Tagen von Berlin in einem Satz, der angesichts der noch frischen EM-Erfahrungen aufhorchen ließ. «Das Leistungsprinzip steht an oberster Stelle, alles andere wäre Schwachsinn», sagte er. Der gelungene Start in die WM- Qualifikation mit zehn Punkten aus vier Spielen bestätigt ihn: «Wir haben spielerische Fortschritte gemacht nach der EM. Wir haben einige junge Spieler integriert und herangeführt, das war ein wichtiges Ziel und bleibt auch für nächstes Jahr ein Ziel Richtung 2010.» René Adler, Piotr Trochowski, Heiko Westermann, Patrick Helmes - der eingeleitete Umbruch hat schon Ende 2008 zahlreiche Namen.

Ob Löw im Zuge der Auseinandersetzungen mit Ballack und Frings auch im zwischenmenschlichen Umgang wirklich härter geworden ist, muss die Zukunft zeigen. «Mich stört die Schwarz-Weiß-Malerei», beklagte Bierhoff, «vorher war er der liebe Herr Löw und jetzt ist er der harte.» Löw sei eine Persönlichkeit mit einer «klaren Meinung» und ein Trainer, der «immer darauf bedacht ist, sehr menschlich zu sein». Diese «Wärme» sei ein besonderer Charakterzug, gerade darum trafen den Schwarzwälder die jüngsten Vorwürfe des mangelnden Respekts seitens Ballack und Frings ins Mark. «Die Ereignisse der letzten Wochen haben ihn nicht nur verärgert, sondern auch persönlich angegangen und genervt», berichtete der enge Vertraute Bierhoff.

Löw reklamierte nach dem Ballack-Frings-Kuranyi-Wirbel in den Tagen von Berlin deutlicher denn je seinen Führungsanspruch. «Jeder weiß, dass ich so was in Zukunft nicht mehr akzeptieren werde», warnte er die Spieler. Auch in Zukunft will er seine Pläne mit ihnen bereden und sie auch einbinden, «aber die Entscheidungen treffe ich als Trainer». Ob Ballack, Frings oder sonst wer - Extrawürste soll's nicht mehr geben. Schließlich muss für Erfolg und Misserfolg am Ende der Trainer «geradestehen», wie Löw anmerkte. Von Klaus Bergmann und Jens Mende, dpa

dpa-infocom


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