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Formel 1 vor Ära Hamilton - «Herz rast immer noch»

Sao Paulo Nachts im Nobelschuppen «Museum» fiel allmählich der ganze Stress ab.

Mit Brasiliens Kult-Cocktail Caipirinha und etlichen anderen hochprozentigen Getränken begoss die Titel-Truppe um Superstar Lewis Hamilton ausgiebig den Triumph.

Und in der Heimat verneigte sich bereits das Königreich vor dem neuen Formel-1-Herrscher. «Das ganze Land freut sich riesig über sein außergewöhnliches Talent. Wir alle sind stolz auf den inspirierenden Lewis Hamilton und das McLaren-Team», erklärte Premierminister Gordon Brown.

Doch nicht nur McLaren-Mercedes-Mann Hamilton («Mein Herz rast immer noch») konnte nicht einfach so wieder runterschalten. Rekordweltmeister Michael Schumacher war selbst am Tag danach noch schwer beeindruckt und schwärmte am Montag auf seiner Homepage: «Was für ein Finale. Ich bin heute noch überwältigt vom Rennen gestern. So etwas habe ich noch nie erlebt, weder als Fahrer noch als Zuschauer - man kann eigentlich nur sagen, dass das wohl Schicksal war.»

Nach 18 Grand Prix über insgesamt fast 5500 Kilometer fiel die Entscheidung auf den letzten 1000 Metern des dramatischen Großen Preises von Brasilien. Mit dem großen Gewinner Hamilton dank seines Überholmanövers gegen den deutschen Toyota-Piloten Timo Glock in der letzten Kurve und dem Verlierer trotz Rennsieg Felipe Massa im Ferrari. Die Londoner «Times» schwärmte von Hamiltons «göttlicher Runde», die italienische «La Repubblica» erkannte wie alle Blätter aus dem Ferrari-roten Land den Triumph des Briten an: «Hamilton, König der letzten Kurve.»

Massa bewies in der Stunde seiner schmerzhaftesten Niederlage Größe und Format. «Das war wirklich ein sehr emotionaler Tag», sagte der auf dem Siegerpodest in Tränen ausgebrochene tragische Held von Sao Paulo. «Ich hoffe, ich komme eines Tages hierher mit dem Titel zurück. Ich verlasse den Kurs erhobenen Hauptes.»

Die klar gewonnene Konstrukteurs-WM und der Tagessieg waren nur ein schwacher Trost nach dem Absturz vom PS-Himmel in die Hölle in weniger als drei Minuten. «Brasilien hat 17 Jahre lang gewartet. Und gestern hat das Land 2 Minuten und 26 Sekunden lang Massa als Weltmeister der Formel 1 gesehen», schrieb die Zeitung «Folha de S. Paulo». «Sport kann manchmal grausam sein», meinte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali, während Schumacher seinen ehemaligen Teamkollegen aus der Ferne tröstete: «Felipe kann erhobenen Hauptes aus diesem Rennen hervorgehen, denn mit dieser Leistung hat er sicherlich die letzten Zweifler überzeugt.» Massa werde sicher im nächsten Jahr wieder angreifen.

Die Zukunft scheint aber Hamilton zu gehören. Nach der Ära Schumacher spricht vieles nun für eine neue Zeitrechnung. Hamilton ist aus dem gleichen Holz wie der siebenmalige Champion aus Kerpen oder der 1994 tödlich verunglückte dreifache Weltmeister Ayrton Senna geschnitzt. «Lewis ist ein unglaubliches Talent, ein großartiger Botschafter für den britischen Motorsport und womöglich einer der größten Fahrer, die wir in diesem Land hatten und haben», lobte Damon Hill, 1996 Englands letzter Weltmeister, seinen Nachfolger. «Er hat nun eine WM in der Tasche und es wird schwierig sein, ihn zu stoppen.»

Schumacher, der Hamilton wie Hunderte andere gratulierte, traut dem Jungspund zu, seine Rekorde eines Tages brechen zu können. Selbst Fernando Alonso, nach nur einer Saison bei den Silberpfeilen im Streit geschieden, beglückwünschte seinen Ex-Teamkollegen zum Titeltriumph als jüngster Champion mit 23 Jahren, 9 Monaten und 26 Tagen. Der zweimalige Weltmeister aus Spanien ging dafür sogar in die verhasste McLaren-Mercedes-Box.

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug wollte aber nichts von einer neuen Ära durch seinen Silberpfeil-Piloten wissen. «Von so etwas möchte ich nicht sprechen», sagte Haug in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa. Gleichwohl unterstrich er aber auch die Bedeutung des ersten Fahrertitels seit 1999 durch Mika Häkkinen, der seinen Gesamtsieg aus dem Vorjahrs damals wiederholte, für Mercedes und Partner McLaren nach neunjähriger Wartezeit. «Das bedeutet uns sehr viel», sagte Haug. «Wenn wieder ein Zähler gefehlt hätte, wäre das schon sehr bitter gewesen.»

Dass die Silbernen diesmal den süßen Geschmack des Erfolgs bei ihrer Party auskosten durften, lag am letzten Überholmanöver des Briten, dessen Familie und Freundin Nicole Scherzinger in der Box ebenfalls eine Achterbahnfahrt der Gefühle bei der drittknappsten WM-Entscheidung der Grand-Prix-Geschichte durchlebt hatten. Neben den Wetterkapriolen machte Hamilton auch das deutsche Duo Sebastian Vettel und Glock zu schaffen, das mit seinem Auftritt im Final- Thriller weitere Hoffnungen auf großes PS-Kino mit deutscher Besetzung im nächsten Jahr nährten.

«Ich hatte wirklich keine Ahnung, dass ich die WM beeinflussen könnte», sagte Vettel. «Ich hab einfach versucht, Lewis wie jeden andern Kerl zu überholen - und es hat geklappt.» Spekulationen spanischer Medien, der Hesse Glock habe Hamilton bewusst geholfen, sind an den Haaren herbeigezogen. Wie auch das Blatt «Sport» einräumte: «Die Erklärung dürfte darin liegen, dass Glock keine Regenreifen aufgezogen hatte.»

dpa-infocom


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