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 Brennpunkt 

Analyse: Schlaue Regionen - dumme Regionen

Berlin Bayerns Schüler waren mit ihren Leistungen bei bisherigen PISA-Tests Gleichaltrigen aus Bremen um weit mehr als ein Schuljahr voraus.

Nach der Veröffentlichung der jüngsten PISA-Studie wird die Schulpolitik des einen oder anderen Bundeslandes wieder am Pranger stehen.

Eine Erklärung ganz anderer Art hat der Psychologe Heinz J. Ebenrett, früher Leiter des Psychologischen Dienstes der Bundeswehr. Gestützt auf jahrzehntelange Erfahrungen mit den Intelligenztests bei der Musterung junger Männer vertritt er die These: Deutschlands helle Köpfe ballen sich im Süden - vornehmlich in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen - während im Norden der Republik eher «weit unterdurchschnittlich» bis durchschnittliche Werte erzielt werden.

Die Daten der Intelligenztests aller 18- bis 22-jährigen als tauglich eingestuften jungen Männer liegen normalerweise bei der Bundeswehr streng unter Verschluss. Wegen des möglichen Sprengsatzes lehnten die Kultusminister Ende der 90er Jahre weitergehende Forschungen ab. Ebenrett übertrug die durchschnittlichen IQ-Werte von 248 727 jungen Männern des Musterungsjahrgangs 1998 in eine Deutschlandkarte - gegliedert nach 83 Kreiswehrersatzämtern. Dabei gibt es weiße Regionen für «weit unterdurchschnittliche» Intelligenz, tiefschwarz für «weit überdurchschnittlich», hellgrau bis grau für «durchschnittlich» bis «überdurchschnittlich».

Auf den ersten Blick belegt die Karte alte Vorteile: Um das ostfriesische Aurich herum ist alles weiß, fast ebenso in weiten Teilen Brandenburgs und Sachsen-Anhalts wie im Ruhrgebiet. In Bayern dagegen gibt es lediglich zwei hellere Zonen - ansonsten glänzt alles tiefschwarz intelligent. Beeindruckend wirken auch die Werte aus Baden-Württemberg und Sachsen - wobei der Ballungsraum Stuttgart und die Region Chemnitz besonders tiefschwarz ins Auge springen.

Veröffentlicht wurde die Karte 2003 in der Beilage der angesehenen Zeitschrift «Das Parlament» - ohne dass dies sonderlich auffiel. Die Intelligenzwerte der Musterungen stützen sich auf einen Rechentest, eine Rechtschreibprüfung und einen Test zum Wort- und Textverständnis - und decken nach Aussage des Berliner Sozialwissenschaftlers Hans Bertram «zumindest einen Teil des Spektrums jener Leistungen ab, die auch in PISA gemessen werden».

Auffällig: Die durchschnittlichen IQ-Werte stimmen exakt mit den Arbeitsmarktdaten der jeweiligen Region überein: Ist die Arbeitslosigkeit hoch - nimmt die weiße Farbe zu. Psychologe Ebenrett sagt: «Fehlende Wirtschaftskraft hat Defizite im Bildungswesen und in der Lebensqualität der Menschen zur Folge. Diese wirken sich wiederum negativ auf die intellektuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen aus.»

Durch hohe Arbeitslosigkeit ausgelöste Abwanderungsströme weckten zugleich Befürchtungen «einer Schrumpfung des Intelligenzpotenzials» und führten zu einem «Verlust von Humankapital» in der Region. Bertram, der die Bundesregierung seit Jahren berät, stützte in einem Vortrag vor den Kultusministern diese These. Den zurückgebliebenen Jugendlichen fehlten dann «auch jene Freunde und Vorbilder, die deutlich machen, dass es sich lohnt, sich anzustrengen und in die eigene Ausbildung zu investieren».

Anhand der PISA-Daten 2000 hatten die deutschen PISA-Forscher noch den engen Zusammenhang von «kognitiven Grundfähigkeiten» - also Intelligenz - und dem Lese- und Textverständnis hervorgehoben - der Basiskompetenz für das Lernen insgesamt.

In der PISA-Auswertung 2003 geht der PISA-Forscher Jürgen Baumert zu Ebenrett und Bertram auf Distanz. Bei den Ergebnissen seien auch jahrzehntelange regionale Traditionen und kulturelle Faktoren zu berücksichtigen - wie gesellschaftliche Wertschätzung von Bildung, soziale Vorleistungen und die Bereitschaft, in die Ausbildung der Kinder zu investieren. Auch den «Verlust von Leistungsvorbildern» sieht Baumert nicht. Abwandern würden in der Regel die Leistungsschwachen.

Mehr Klärung bringen könnte die Veröffentlichung der geheim gehaltenen IQ-Werte, die parallel zum PISA-Test bei den 15-Jährigen erhoben worden sind. Doch: Ländervergleiche kognitiver Grundfähigkeiten sollen grundsätzlich ausgeschlossen bleiben, bekräftigten die Kultus-Staatssekretäre ausdrücklich in einem Beschluss. Von Karl-Heinz Reith, dpa

dpa-infocom


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