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 Brennpunkt 

Analyse: Euphorie statt PISA-Schock

Berlin Fast die gesamte Zunft klopfte sich diesmal stolz auf die Schulter.

Vom tiefen PISA-Schock, in den vor sechs Jahren die deutsche Öffentlichkeit stürzte, wollte man nichts mehr wissen.

Fast schon zu euphorisch reagierten parteiübergreifend Kultusminister und die deutschen PISA-Forscher auf den neuen Schulvergleich unter den 16 Bundesländern. Doch das vielerorts dramatische Hauptschulproblem, die nach wie vor bestehende hohe Abhängigkeit von Schulerfolg und sozialer Herkunft wie auch die krassen Leistungsunterschiede zwischen den Bundesländern trüben weiterhin das Bild.

Ungeteiltes Lob bekam der neue Bildungs-Champion Sachsen, der den bisherigen Klassenprimus Bayern in allen drei getesteten Disziplinen vom Spitzenplatz verdrängte - auch wenn der Abstand zwischen beiden Ländern knapp ist. Dass die 15-jährigen Sachsen bei den Naturwissenschaften Bayern überflügelten und auch Thüringen dicht heranrückte, kam für die meisten Experten nicht überraschend. Fächer wie Biologie, Physik und Chemie wurden im Osten schon zu DDR-Zeiten besonders gepflegt. Während in den Klassen fünf bis zehn in Ost-Ländern oft fünf Wochenstunden Naturwissenschaften auf dem Lehrplan stehen, ist dies im Westen meist deutlich weniger.

Sachsen erreicht in der Domäne Naturwissenschaften auch nach internationalen Maßstäben einen absoluten Spitzenplatz und bewegt sich mit 541 Punkten auf dem Weltniveau der PISA-Sieger Finnland (563) und Hongkong (542). Im Schnitt sind in Sachsen 15-jährige Schüler mit ihren Leistungen Gleichaltrigen in anderen OECD-Industrienationen weit mehr als ein Schuljahr voraus. Doch für die föderale Bundesrepublik heißt das auch: In Bremen hinken die 15-Jährigen in Naturwissenschaften den sächsischen Schülern im Schnitt zwei Schuljahre hinterher.

Doch PISA-Forscher Manfred Prenzel, der auch schon bei früheren PISA-Studien gern das Positive über Deutschlands Schulen nach vorne stellte und dabei auch mit dem einen oder anderen Kollegen aus seiner Zunft aneckte, zollte dem erneuten PISA-Schlusslicht Bremen Trost. «Auch Bremen ist auf dem Weg zum OECD-Durchschnitt.»

Nicht wenige Schulforscher sehen dabei aber nicht nur Chancen sondern auch Gefahren. Brandenburg erkaufte zum Beispiel die Leistungsverbesserungen am Gymnasium mit der Preisgabe der Abiturchancen von Kindern aus bildungsfernen Schichten.

Werden die neuen vereinbarten Mindestnormen für die Hauptschule und den mittleren Bildungsabschluss in allen Bundesländern tatsächlich konsequent umgesetzt, dann dürfte nicht nur in Bremen sondern auch in einigen anderen Bundesländern die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss eher steigen als sinken. Auch hohe Abiturientenzahlen ließen sich nicht mehr halten. Denn für die Einstellung von zusätzlichen Lehrern und Sozialarbeitern fehlt vielfach das Geld - oder es mangelt an der Prioritätensetzung.

Ohnehin tobt derzeit in vielen Kultusministerien ein heftiger Streit um die Ressourcenverteilung. In einigen Häusern möchte man Geld umschichten - zugunsten der Förderung von Risikoschülern speziell an Hauptschulen. Dies würde dann aber zu Lasten der Gymnasien gehen.

Eindringlich forderte unlängst der Wissenschaftliche Beirat für die Qualitätssicherung an den Schulen mehr Hilfen für Risikoschüler. Pädagogische Hilfen gebe es selten, gefördert werde «unspezifisch». Viele 15-Jährige könnten nur auf Grundschulniveau lesen und rechnen. Vor allem in der Schlüsselkompetenz für das Lernen, dem Lesen und Textverständnis, hat sich ihr Anteil seit dem ersten PISA-Test 2000 kaum verringert.

Auch wenn es viele Kultusminister noch nicht wahrhaben wollen: In die deutsche Schulstruktur ist Bewegung gekommen. Zehn Länder haben inzwischen keine Hauptschulen mehr - oder haben ihre Abschaffung beschlossen. In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt wurde sie nach der Einheit erst gar nicht eingeführt. Dabei entwickelt sich die Struktur der Schulen von Land zu Land immer uneinheitlicher. Der Streit um die Schulstruktur prägt wieder Wahlkämpfe wie in den 70er Jahren. PISA-Forscher Prenzel riet den Kultusministern zum «Burgfrieden» - um mehr Kraft für innere Reformen zu haben. Gleichwohl machen Prenzel wie auch andere PISA-Forscher aus ihrer Sympathie für das zweigliedrige sächsische Modell keinen Hehl. Von Karl-Heinz Reith und Joachim Schucht, dpa

dpa-infocom


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