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 Brennpunkt 

Analyse: Sachsens Trumpf ist die Mittelschule

Dresden Kontinuität, Beharrlichkeit und Geradlinigkeit zahlen sich in der Bildungspolitik aus.

18 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung feiert das oft belächelte, gegen alle Widerstände verteidigte zweigliedrige Schulsystem einen Erfolg beim PISA-Test.

Wer nicht auf das Gymnasium geht , besucht in Sachsen die Mittelschule. Dort haben alle Kinder bis zum Ende der 6. Klasse den gleichen Unterricht. Erst danach wird in den Kernfächern Mathematik, Deutsch und Englisch nach Haupt- und Realschülern unterschieden. Dabei können sich die Schüler auch später noch anders entscheiden - ohne den Stress eines Schulwechsels.

Das sächsische Bildungssystem trägt unterschiedlichen Neigungen, Zielen und Begabungen der Schüler Rechnung und gilt inzwischen als Vorbild für Reformen im Westen. Auch wenn sich Kultusminister Roland Wöller (CDU) mit Empfehlungen zurückhält, sagt er selbstbewusst: «Wir sind dort, wo andere Länder noch hinmüssen.» Nach dem Grundsatz «Jeder zählt!» spiele soziale Herkunft eine geringere Rolle für den Bildungserfolg als in anderen Ländern, lobte auch Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU).

Die Weichen für den Erfolg wurden Anfang der 90er Jahre gestellt. Da fiel die Entscheidung gegen die bislang übliche Hauptschule und für Gymnasium oder Mittelschule nach vier Jahren Grundschule - damals eine Neuigkeit und nun Rückgrat sächsischer Bildungspolitik. Der deutsche PISA-Koordinator Manfred Prenzel urteilte in einem Forum 2006: «Sachsens Mittelschule leistet eine ganz ausgezeichnete Arbeit.» Sie schaffe es, dass nur relativ wenige Schüler zurückbleiben.

Förderlich ist - paradoxerweise - auch die demografische Entwicklung. Wegen sinkender Geburtenzahlen und Abwanderungen mussten auch in Sachsen Schulen geschlossen werden. Aber obwohl sich die Schülerzahl seit der Wende halbierte, wurden nur 30 Prozent der Lehrerstellen gestrichen. Das bessere Schüler-Lehrer-Verhältnis wirkt sich ebenso positiv aus wie die gleichbleibenden Bildungsausgaben von 2,3 Milliarden Euro pro Jahr. Davon profitieren vor allem die schwachen Schüler. Nach dem ersten PISA-Test (2000) wurden zudem die Lehrpläne von überflüssigem Stoff befreit.

Der Unterricht ist fachübergreifend , ein Thema wird nicht nur in Physik, Chemie und Biologie, sondern etwa auch in Deutsch betrachtet. Das fördert die Fähigkeit, Wissen anzuwenden. Das Augenmerk auf die Naturwissenschaften zahlt sich aus. «Wir sind hier nicht nur bundesweit vorn, sondern haben international nur noch Finnland vor uns», sagt der ehemalige Kultusminister Steffen Flath (CDU). Vor zwei, drei Jahren habe daran niemand geglaubt. «Wir wollen wirtschaftlich an die Weltspitze, da ist Voraussetzung, dass wir uns bei der Bildung anstrengen.»

Mit Blick auf die heutigen Ansprüche und Forderungen aus der Wirtschaft können an Gymnasien bestimmte Fächer nicht mehr abgewählt werden. Künftig wird in allen Naturwissenschaften, zwei Fremdsprachen, Deutsch und Mathematik Abitur gemacht. Im Gegensatz zu anderen Ländern hielt Sachsen auch an zentralen Schulabschlüssen fest, um deren Anerkennung einst gerungen werden musste wie um das zwölfjährige Abitur.

Dennoch ist auch in der sächsischen Bildung noch nicht alles Gold, was glänzt. Schulabbrecher ohne Abschluss, mehr Förderschulen und die Integration von Kindern aus Einwandererfamilien sind aus Sicht der Opposition drängende Probleme. SPD und Linke fordern seit Jahren, dass die gemeinsame Grundschule aller Schüler über die 4. Klasse hinaus verlängert wird oder eine Art Gemeinschaftsschule anschließt. Die CDU hingegen verweist auf die Durchlässigkeit des derzeitigen Schulsystems, sieht dabei aber durchaus Potenzial für Verbesserungen. Es geht vor allem um die Übergänge zwischen Mittelschule und Gymnasium oder Förderschule. Für den früheren Kultusminister Flath ist die PISA-Bewertung daher «ein Zwischenerfolg auf dem Weg zur Weltspitze». Von Simona Block, dpa

dpa-infocom


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