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Lifestyle

Musiker als Stadtführer im «Indie Travel Guide»

Der Sänger von Sportfreunde Stiller, Peter Brugger isst in seiner Heimatstadt München besonders gerne Original Bochumer Currywurst.

Die Shootingstars The Wombats aus Liverpool beobachten gerne Eichhörnchen am Strand.

Matze Brunner von der Frankfurter Band Sushimob stärkt sich dort im Café Wacker beim «besten Kaffee ganz Frankfurts». Solche und unzählige andere Informationen bekommen Musik- und Reisefans im «Indie Travel Guide». Der Begriff «Indie» kommt vom englischen «independence» (Unabhängigkeit) und bezeichnet Musik, die unabhängig von großen Plattenfirmen produziert wird.

Die Frankfurter Musikfreunde Manuel Schreiner (35) und Mirjam Kolb (27) haben für den ungewöhnlichen Reiseführer Insider-Tipps aus bekannten Musikern herausgekitzelt. Über 160 Musiker aus aller Welt verraten, wo sie Klamotten erstehen, Platten kaufen, Bier trinken, lecker und möglichst günstig essen, wo sie tanzen gehen und Konzerte besuchen. «Statt Mainstream und Touristenfalle gibt es vernünftige Läden und Plätze», sagt der Rockbuch Verlag zum Ergebnis der zweijährigen Arbeit des Herausgeber-Duos. «Wir waren gespannt, ob die Musiker wirklich mitmachen. Schließlich ist es ja auch ein Einblick in ihre Privatsphäre», berichtet Kolb. «Aber bei den Bands, die sonst meistens auf die immer gleichen Standardfragen antworten müssen, kam die Idee super an.»

Die meisten nahmen sogar die Mühen auf sich, eigene Skizzen und Fotos von ihren Heimatstädten anzufertigen. Die Autoren sind systematisch mit vorgefertigten Fragebögen vorgegangen. Als diese ausgefüllt waren, ging die mühsamste Arbeit erst los: «Wir haben alle Angaben auf ihre Richtigkeit überprüft», berichtet Schreiner. Manches war schwer zu entziffern, manche Läden gab es auch schon gar nicht mehr. Unzählige Nächte am Telefon und im Internet gingen für das Nachrecherchieren drauf.

Schließlich haben die beiden eigentlich ganz andere Berufe - Schreiner als Sozialpädagoge, Kolb in der Personalabteilung eines Darmstädter Haarpflege-Unternehmens. Für ihre Recherchen haben die Musikfans Interviews in ganz Deutschland und Österreich geführt. Adam Green trafen sie in New York. «Er berichtete von einem Geheimtipp, der so geheim war, dass wir ewig brauchten, bis wir ihn fanden.» Die Nürnberger Robocop Kraus berichteten von einem Loch in einer Straße, durch das man zu einem unterirdischen Raum gelangt. Matze Brunner, Sushimob-Sänger und beim Frankfurter Kultclub Batschkapp für Presse zuständig, führt vor allem zu Orten, die Musikfans aus dem Rhein- Main-Gebiet bestens kennen.

So gibt der Wälzer auf seinen fast 600 Seiten Tipps für Städte, in die man schon immer wollte, macht aber auch Lust auf Orte, die den Lesern vielleicht nie als Reiseziel eingefallen wären. Drei Zielgruppen nennt Schreiner: «Musikfans, die nachlesen wollen, wo ihre Lieblingsband sich privat austobt. Reisende, die die Nase voll haben von immer gleichen Tipps. Und Musiker selbst. Die kommen ständig in eine neue Stadt, steigen aus dem Tourbus aus und kennen nichts.» Sie finden nicht nur Ideen, wo sie nach einem gelungenen Auftritt ausgiebig feiern können, sondern zum Beispiel auch praktische Infos, «wie die Adresse des nächsten Musikgeschäftes, wo sie gerissene Saiten ersetzen können». Ein entscheidendes Reisethema fehlt natürlich, denn damit kennen sich die Musiker in ihren eigenen Städten gar nicht aus: Übernachtungsmöglichkeiten.

dpa-infocom