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Traurige Trennung: Wenn das Tier zu teuer wird

Frankfurt/Main Lotte ist ein Jahr alt. Anfang Juni wurde die Beagle-Hündin im Frankfurter Tierheim abgegeben, ihr Besitzer hatte sie mit Korb und Impfausweis ausgesetzt.

In einem Brief erklärte der Besitzer, er könne die Hündin aus Geldmangel nicht mehr behalten.

Kein Einzelfall: Ein zwei Monate altes Kätzchen bekam das Tierheim, weil das Geld für eine Operation des Tiers fehlte. «In solchen Fällen kann man die Leute nur in den Arm nehmen, sie trösten und ihnen versichern, dass ihr Tier im Tierheim gut aufgehoben ist», sagt Mark Nelz vom Frankfurter Tierheim.

Was früher vereinzelt vorkam, passiert nach dem Eindruck von Nelz seit etwa zwei Jahren immer häufiger: Menschen, die in finanzielle Not geraten, sehen das Tierheim als letzten Ausweg. «Wir bekommen täglich Anrufe von Tierhaltern, die fragen, ob das Tierheim sie finanziell unterstützen könnte», berichtet Nelz. Der hessischen Landestierschutzbeauftragten Madeleine Martin sind solche Fälle allerdings nicht bekannt. Sie weist darauf hin, dass Tierbesitzer finanzielle Not oft als Ausrede verwendeten, um ihr Haustier loszuwerden. «Die Stimmung der wirtschaftlichen Gesamtsituation könnte ausgenutzt werden», sagt sie. Es sei stets der einzelne Fall zu betrachten.

Nelz schätzt die Dunkelziffer der aus Geldmangel abgegebenen Tiere als hoch ein. Für Menschen, die auf Hartz IV angewiesen sind, sei es schwer zuzugeben, dass kein Geld mehr für ein Tier da ist. «Dass jemand sein Tier aus diesem Grund abgeben muss, gibt fast keiner zu», sagt auch der Vorsitzenden des Landestierschutzverbandes Hessen, Alfred Günkel. Oft sagten die Besitzer, sie hätten eine Allergie.

«Viele Menschen schämen sich dafür», sagt der Frankfurter Psychologe und Psychotherapeut Peter Fiesel. Das Gefühl des Versagens wolle niemand an die große Glocke hängen. Leid aus materieller Not könne sich verstärken, wenn Menschen ihr Tier abgeben müssten. «Das kann seelische Folgen wie Depressionen oder Verletzung des Selbstwertgefühls haben. Im schlimmsten Fall kann die Person selbstmordgefährdet sein», sagt der Psychologe.

Reicht das Geld für das Futter meist noch, kommen manche Tierhalter in Schwierigkeiten, wenn Tierarztkosten anfallen. «Die Halter lassen Behandlungen nicht mehr regelmäßig machen. Es haben schon Leute bei mir in der Praxis gestanden und wollten ihr Tier einschläfern lassen, weil sie die Kosten nicht tragen konnten», sagt die Tierärztin Christiane Schmahl aus dem mittelhessischen Laubach. Das komme für sie aber nicht in Frage. «Ich schicke die Leute zum Tierheim oder vereinbare mit ihnen eine Ratenzahlung für die Behandlung.» Mark Nelz vom Frankfurter Tierheim schildert das Dilemma: «Wenn das Tier erkrankt, wird der Tierarztbesuch hinausgeschoben, bis es nicht mehr geht. Dann kann es aber richtig teuer werden.»

Auch die Mitarbeiter des Frankfurter Ordnungsamts kennen Fälle, in denen Tiere aus Not nicht mehr richtig versorgt werden. Amtlich eingezogen werden Tiere, die eine Gefahr darstellen oder verwahrlosen. «Es sind auch Hartz-IV-Empfänger dabei, die mit ihrem Tier und den Kosten überfordert sind», sagt Tierschützer Günkel. In den ersten acht Monaten dieses Jahres hat das Ordnungsamt 50 Tiere eingezogen. «Oft merkt man es, ob der Besitzer sein Tier verwahrlosen lässt, weil er kein Geld hat», sagt der stellvertretende Leiter der Stadtpolizei Frankfurt, Peter Bühner.

Tierschutzverein Frankfurt: www.tsv-frankfurt.de Von Pelin Aytac, dpa

dpa-infocom


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