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 Das Thema des Tages 

Medien: Über 160 Tote bei Blutbad in Bombay

Neu Delhi Der Alptraum von Bombay ist auch zwei Tage nach den verheerenden Terrorangriffen auf die indische Metropole noch nicht völlig vorbei.

Bis zum Freitagabend stieg die Zahl der Todesopfer nach Medienberichten auf mehr als 160. Die Schusswechsel am Luxushotel «Taj Mahal» dauern noch an.

Unter den Toten sind nach Angaben des indischen Außenministeriums vier Deutsche. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte bis zum Abend allerdings lediglich ein deutsches Todesopfer. Im jüdischen Gemeindezentrum der Stadt starben fünf der acht Geiseln, darunter auch ein Rabbiner-Ehepaar. Bei der Erstürmung des Zentrums wurden auch zwei Terroristen getötet. Im «Taj Mahal» leistete nach Polizeiangaben ein einzelner Terrorist erbittert Widerstand. In dem historischen Hotel befanden sich angeblich noch große Mengen Sprengstoff.

Die indischen Sicherheitskräfte verzeichneten allerdings auch Erfolge: Am Nachmittag brachten sie das umkämpfte Hotel «Oberoi Trident» unter ihre Kontrolle. Dabei wurden ebenfalls zwei Terroristen getötet. Wie die Polizei sagte, wurden dort anschließend mindestens 30 Leichen gefunden. Zuvor waren rund 100 Gäste gerettet worden, darunter zwei Mitarbeiterinnen des Auswärtigen Amtes (AA) sowie mehrere Lufthansa-Mitarbeiter. Bei der Durchsuchung seien Gewehre und Handgranaten sichergestellt worden.

Das in Bombay als «Nariman-Haus» bezeichnete jüdische Gemeindezentrum gehört zur ultra-orthodoxen Chabad-Lubawitsch-Bewegung. Die Angreifer hatten dort mehrere Israelis in ihre Gewalt gebracht. Die Polizei erklärte am Freitag, die Operation sei auch dort noch nicht völlig beendet, das Gebäude werde durchsucht. Im Morgengrauen hatten sich über dem Gebäude rund 100 Spezialkräfte aus Hubschraubern abgeseilt.

Indien machte «Elemente» im Nachbarland Pakistan für die Anschläge verantwortlich. Die Regierung in Islamabad verteidigte sich mit dem Hinweis, «nicht-staatliche Akteure» seien für die Angriffe verantwortlich. Pakistan werde mit Indien bei der Verfolgung der Drahtzieher zusammenarbeiten und willigte in einem bislang einmaligen Schritt ein, den Chef des berüchtigten Geheimdienstes ISI, Ahmed Shuja Pasha, zum Austausch von Informationen nach Neu Delhi zu schicken. Indien hat dem ISI in der Vergangenheit vorgeworfen, an Anschlägen beteiligt gewesen zu sein. Ein festgenommener Terrorist hatte am Freitag laut dem Sender NDTV berichtet, rund 40 Komplizen seien an den Angriffen beteiligt gewesen, die meisten von davon kämen aus Pakistan.

Terroristen hatten am Mittwochabend zehn Ziele in der Stadt mit Schnellfeuergewehren und Handgranaten angegriffen. Sie waren mit Schlauchbooten gekommen und hatten sich dann über die Stadt verteilt und zum Teil wahllos um sich geschossen. Nach Informationen von NDTV gab es außer den Toten über 300 verletzt. Die offiziell genannten Zahlen lagen dagegen am Freitagabend weiter bei 125 Toten und unter 300 Verletzten.

Im «Oberoi-Trident»-Hotel brachen indische Spezialkräfte am Freitag zwei Mitarbeiterinnen des AA in Sicherheit, die sich zu einer Dienstreise in Bombay aufhielten. Auch sieben Mitarbeiter der Lufthansa, drei Deutsche, eine Österreicherin und drei Inder, wurden aus der Gefahrenzone gebracht. Nach Angaben der Fluggesellschaft sind damit alle Mitarbeiter des Unternehmens in Bombay in Sicherheit. Auch fünf Italiener wurden aus dem «Oberoi-Trident» gerettet, darunter die Frau und die sechs Monate alte Tochter des Hotel-Chefkochs.

Die befreiten Deutschen werden von einem eingeflogenen Spezialteam betreut. Nach ihren Erlebnissen benötigten viele dringend auch psychologische Hilfe, sagte AA-Sprecher Jens Plötner in Berlin. Die Freigekommenen sollten sobald wie möglich nach Deutschland gebracht werden. Nach AA-Angaben hatten sich auch deutsche Hotelgäste aus Furcht vor den Terroristen in ihren Zimmern verschanzt. Baden- Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sagte eine für die zweite Dezember-Woche geplante Indien-Reise wegen der Terroranschläge ab.

Nach indischen Medienberichten richtet sich der Verdacht auf die muslimische Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba (Armee der Reinen). Nach Überzeugung der indischen Sicherheitskräfte operiert Lashkar-e-Toiba von Pakistan aus. Die Gruppe wurde bereits für zahlreiche Anschläge in Indien in den vergangenen Jahren verantwortlich gemacht. Die Nachrichtenagentur PTI meldete unter Berufung auf offizielle Quellen, drei Terroristen seien in der Nacht am «Taj Mahal» festgenommen worden, darunter auch ein Pakistaner.

Die britischen Behörden untersuchen nach Informationen der BBC Verbindungen der Terroristen von Bombay nach Großbritannien. Grund seien Berichte, wonach sich auch britische Staatsbürger unter den Attentätern befunden hätten.

dpa-infocom

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