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Leben auf der Überholspur: Reiner Calmund wird 60

Düsseldorf - Für Reiner Calmund ist sein Leben ein großes Fußballspiel, in dem er sich in der 60. Minute fühlt.

«Liege ich in Führung in diesem Spiel, das Leben heißt? Ich denke schon, zumindest knapp», resümiert der einstige XXL-Manager des Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen, der am Sonntag 60 Jahre alt wird, in seiner gerade erschienenen Autobiografie «fußball bekloppt». Diese Führung will er bis zum Schluss clever verteidigen: «Zeit schinden, keine Treffer mehr kassieren, schon gar keine Verletzungen riskieren, und ich sollte Gelbe und Rote Karten vermeiden.»

Während seines rastlosen Lebens auf der Überholspur hat Calmund, der aus einem grauen Werksclub während seiner 30-jährigen Tätigkeit ein attraktives Topteam mit europäischem Format geformt hat, viele Höhen, aber auch Tiefen und Enttäuschungen erlebt. «Manches möchte ich dreimal erleben, anderes hätte ich lieber nicht erlebt», sagte der in Brühl geborene «Calli».

Zu den Höhepunkten des hemdsärmeligen Machers mit der großen Klappe gehörten der Gewinn des UEFA-Cups 1988, des DFB-Pokals 1993 und vier deutsche Vizemeisterschaften sowie der Einzug ins Champions- League-Finale 2002 gegen Real Madrid (1:2). «Was die Bundesliga angeht, halte ich es im Rückblick für eine meiner großen Lebens- Niederlagen, nicht ein einziges Mal die Schale in der Hand gehalten zu haben», bekannte Calmund. «Das ist mein Alptraum.»

Ein Horror waren für ihn auch die Beinahe-Abstiege von Bayer 04. 1996 bewahrte am letzten Spieltag Markus Münch mit seinem Treffer zum 1:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern die Leverkusener vor der Zweitklassigkeit. «Dieses Tor hat sich mir mehr eingeprägt als die beiden Titel», meinte Calmund. Erneut geriet sein Club 2003 in Abstiegsnot und er wegen seines Krisenmanagements unter Druck.

Außerdem hinterließ diese Zitterpartie bei dem Drei-Zentner-Mann und bekennenden «Vielfraß», der zudem nicht verlieren kann, gesundheitliche Spuren, so dass er erstmals vom Rücktritt sprach. «Ich konnte mich mit allen zanken, hatte aber keine Souveränität, wenn es um Ergebnisse geht», gab Calmund zu. «Es wäre schöner gewesen, wenn es Fußballspiele ohne Ergebnisse gegeben hätte.»

Dass die Leverkusener von Jahr zu Jahr attraktiveren Fußball boten, lag auch an seiner klugen Einkaufspolitik. Calmund, als «Mann mit dem Koffer» tituliert, holte als erster Manager systematisch Spieler aus Brasilien - angefangen bei Tita über Jorginho, Emerson, Lucio bis Zé Roberto und Juan. Auch bei der Verpflichtung von DDR- Spielern nach dem Mauerfall gehörte er zu den Vorreitern und holt Andreas Thom und Ulf Kirsten, der in 350 Bundesligapartien 182 Tore für Bayer erzielte. «Trotz der Brasilianer, Bernd Schuster oder Michael Ballack: Ulf war mein besten Einkauf», meint Calmund.

Zum Glücksgriff mit tragischem Ende wurde für ihn das Engagement von Trainer Christoph Daum (1996-2000). «Wir haben auch vor Daum mit einem runden Ball gespielt, aber er hat uns erst richtig wach geküsst», sagte Calmund, der in dessen Ära drei Vizemeisterschaften feiern konnte. Im Zuge des Kokain-Skandals 2000 geriet auch Calmund, der den Lügen seines Coaches zu lange geglaubt hatte, ins Kreuzfeuer: «Das war ein ganz großer Tiefschlag. Vor allem, weil ich als Drahtzieher und Mitschuldiger in der Öffentlichkeit stand.»

Sein Rückzug aus dem Rampenlicht der Bundesliga im Juni 2004 hat der Popularität des «Dicken» nicht geschadet. Ob als EM- oder WM- Botschafter, mit eigenem Calli-TV, einer öffentlichen Abmagerungskur («Iron Calli»), als Talk-Gast oder als Gourmet in Koch-Shows - er bleibt ein Hans Dampf in allen Gassen. «Ich bin nicht der Typ Rosenzüchter oder einer der den Rasen mäht», sagte er. «Ich bin jemand, der im roten Bereich dreht.»

dpa-infocom