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Nicht nur für Blinde: Reiseführer mit Satellitenhilfe

Hooge Hela Michalski ertastet sich die Hallig Hooge: Die Konturen der Insel und des Wattenmeers sind als Relief auf der Karte eingeprägt - und wenn die 64-Jährige mit einem Stift wichtige Punkte berührt, beginnt eine sonore Männerstimme, darüber zu erzählen.

Michalski ist blind. Dennoch kann sie Hafen, Warften oder Sommerdeich dank einer interaktiven Karte mit Sprachausgabe entdecken. Die Karte der Hallig ist Teil eines Medienpakets, dass sehbehinderten und blinden Besuchern eine selbstständige Erkundung Hooges ermöglichen soll. Kernstück des von der schleswig-holsteinischen Landesregierung geförderten Projekts ist neben der Landkarte ein satellitengestützter akustischer Inselführer zum Umhängen, der an vielen Orten der Hallig automatisch Erklärungen startet.

«Seitdem ich das Gerät kenne , habe ich so viel über Hooge erfahren, wie nie zuvor», sagt einer, der es wissen muss. Denn Hooges Bürgermeister Matthias Piepgras kennt jeden Winkel des kleinen Eilandes aus eigener Anschauung. Und tatsächlich: In der schmucken Halligkirche zum Beispiel erfährt der sehende wie der blinde Gast Einzelheiten über Ausstattung und Geschichte der Kirche, die ohne den elektronischen Helfer kaum zu entdecken wären.

«Dieses Pilotprojekt ist einmalig in Deutschland», sagt Michalski. Sie kam als Hörfilmbeauftragte des schleswig-holsteinischen Blindenvereins zu dem im Frühjahr 2007 gestarteten Vorhaben. «Wir arbeiten immer mit Sehenden und Blinden zusammen.» Dabei übernehmen die sehenden Mitarbeiter die Aufgabe des Beschreibens und zusammen mit Michalski werden die Texte formuliert, die professionelle Sprecher schließlich im Studio aufnehmen. «Man gibt zunächst immer einen Rahmen, einen Eindruck von der Umgebung, um dann einzelne Details zu beschreiben», erklärt Michalski, die bereits die Blindentexte für mehr als 150 Filme geliefert hat.

«Blindengerechte Beschreibungen sind schwierig», sagt die sportlich schlanke Frau, die als junges Kind noch normal sehen konnte und dann wegen einer voranschreitenden Augenkrankheit nach und nach erblindete. «Viele Menschen können nicht richtig ausdrücken, was sie sehen», meint sie.

Die Benutzer des Systems erfahren beispielsweise am Fuße der Kirchwarft zunächst etwas über Lage und Größe des Hügels, auf dem Kirche und Pastorat stehen. Dann werden die weißen Zäune, die Wege und der kleine Friedhof beschrieben. In der Kirche gibt es erst einen Eindruck ihrer Größe und räumlichen Aufteilung. Dann erfährt der Hörer, wie viele Bankreihen in der Kirche stehen, dass sie mit kleinen Türchen abgegrenzt sind und entlang des Mittelganges an der Stirnseite jeder Bank eine Kerze steht.

Wer immer sich ein solches GPS-Gerät für fünf Euro Leihgebühr um den Hals hängt, bekommt bereits direkt nach dem Ablegen der Fähre in Schlüttsiel und auf der rund einstündigen Überfahrt nach Hooge einfühlsame und detaillierte Beschreibungen des Wattenmeeres. «Auf der Fahrt nach Hallig Hooge erstreckt sich bei guter Sicht die grüngraue Fläche des Wattenmeers über Dutzende von Kilometern bis zum Horizont, an dem sogar die leichte Erdkrümmung zu erahnen ist», berichtet die Stimme aus dem silbernen Gerät. «Darüber wölbt sich der grenzenlose Himmel. Wenn bei lockerer Bewölkung die Sonne durchbricht, legen sich oft riesige Wolkenschatten wie dunkle Teppiche auf die schimmernde Wasseroberfläche.»

Der kleine Hallighafen, die Pferdekutschen, die Hanswarft mit dem Königspesel, der Halligkaufmann, Wege, Wiesen und Warften, rund vier Stunden Erklärungen bietet das System - und dank Satellitenortung immer am rechten Fleck. Zwar gebe es noch keinen Ansturm auf die Geräte, sagt Erco Lars Jacobsen vom Gemeindebüro. Aber alle, die reingehört haben, seien begeistert gewesen - blinde und sehende Menschen. Von Sönke Möhl, dpa

dpa-infocom