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Neukaledonien: Südsee in maximaler Dosierung

Nouméa Die Sonne scheint durch die Kokospalmen, die Luft ist warm und feucht.

Am Straßenrand blühen etwa drei Meter hohe Christsterne, daneben wilde Rosen und Hibiscus.

Es geht zum Strand, die Gedanken kreisen schon um den weißen Sand und das türkisfarbene Meer. Dann donnert der Mietwagen in ein babywannengroßes Schlagloch. Nichts ist perfekt, selbst die Île des Pins nicht, eine kleine Insel im französischen Überseegebiet Neukaledonien in der Südsee.

Der Mietwagen lässt sich von der holprigen Fahrt aber nicht stoppen. Er scheint von derselben handfesten Gutmütigkeit zu sein wie das Personal beim Transferflug zur Insel. Der Metalldetektor war abgeschaltet, die Passagiere latschten einfach so mit ihren Taschen durch. Auch die großen Kühltruhen, die von Fluggästen aufs Gepäckband gewuchtet wurden, rührten das Bodenpersonal nicht. Nach dem Ausflug werden sie mit Meerestieren gefüllt sein: Frische Langusten, Makrelen und Zackenbarsche werden von der Île des Pins geholt.

Neukaledonien ist eine Ansammlung von Inseln zwischen Australien und Fidschi. Die Hauptstadt Nouméa liegt auf Grande Terre, das fast die Ausmaße von Thüringen hat. Hier wird europäischer Lebensstil gepflegt mit Straßen voller Autos sowie Menschen so elegant wie in Nizza. Auf der viel kleineren Île des Pins dagegen, eine halbe Flugstunde von Nouméa entfernt, nimmt man das Leben tropisch leicht. Das Eiland bietet Südseeflair in maximaler Dosierung, so wie man es sich in düsteren deutschen Herbst- und Wintermonaten ausmalt.

Nicht mal 90 000 Touristen wurden 2007 in Neukaledonien gezählt. Ein Drittel davon waren Franzosen auf Verwandtenbesuch. Aus Deutschland kamen 403 Reisende. Vielleicht ändert sich das aber nun. Im Juli hat die Unesco die Lagune von Neukaledonien in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Der Jubel war groß, und man hofft auf mehr Aufmerksamkeit für die touristischen Schätze des Archipels.

Einer derjenigen, die diese Schätze schon zu würdigen wissen, ist Hans Beinert. Der Zahnarzt aus Baden umsegelt seit sieben Jahren mit Frau und zwei Kindern die Welt. «Nach Neukaledonien verschlug es uns durch Zufall», erzählt er. Segelfreunde aus Neuseeland hätten ihm davon berichtet. Deren Schwärmereien waren nicht übertrieben, aus der Stippvisite wurde ein zweieinhalbjähriger Aufenthalt. Morgens zieht er Einheimischen die Zähne, nachmittags geht er Segeln oder Tauchen.

Im Gegensatz zu anderen Südseezielen ist die Île des Pins wenig kommerzialisiert. An den Stränden trifft man kaum eine Menschenseele. Dies allein könnte schon Grund genug sein, die Anreise um die halbe Erde auf sich zu nehmen. Was aber zusätzlich für Neukaledonien spricht, ist die Möglichkeit, Abstecher auf die Îles Loyauté zu unternehmen, ebenfalls kleine neukaledonische Tropenparadiese mit eigenem Charakter. Und es bieten sich Touren auf Grande Terre an, wo sich fast alles machen lässt, was Aktivurlaubern in den Sinn kommt: Segeln, Tauchen, Gleitschirmfliegen und Jeeptouren zum Beispiel.

Vielleicht sollte eine solch eingespielte Idylle weiterhin als Geheimtipp gehandelt werden. Aber selbst Hans Beinert, der die Ruhe schätzt, findet das nicht. Denn trotz des Unesco-Welterbestatus' sähen weder die Franzosen, die hier auch industriellen Nickelanbau im großen Stil betreiben, noch die Einheimischen das Bewahren der Natur als oberste Pflicht. «Kämen mehr Taucher, Segler und Urlauber, die intakte Ökosysteme schätzen, könnte der Archipel besser geschützt werden, und Neukaledonien hätte eine gute Zukunft», meint Beinert.

Neukaledonien im Internet: www.neukaledonientourismus.de Von Frank Rumpf, dpa

dpa-infocom