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Medizin-Nobelpreisträger: Gegen Krebs impfen - Interview mit Dr. Harald zur Hausen

Heidelberg Harald zur Hausen (72) erhält heute in Stockholm den Medizin-Nobelpreis. Das Komitee honoriert damit die Leistungen des Heidelbergers auf dem Gebiet der Krebsforschung.

Anfang der 1980er-Jahre konnte er mit seiner Arbeitsgruppe erstmals die Typen HPV 16 und HPV 18 des humanen Papillomvirus aus an Gebärmutterhalskrebs erkranktem Gewebe isolieren.

Gebärmutterhalskrebs gehört zu den tödlichsten Krebsarten. Eine Impfung könnte ihn erheblich eindämmen, erklärt der frisch gebackene Nobelpreis-Träger Harald zur Hausen im Gespräch mit unserer Zeitung.

Gibt es Schätzungen darüber, wie vielen Frauen auf der Welt Ihre Entdeckung das Leben retten kann?

Zunächst einmal: Ich habe die Entdeckung ja nicht allein gemacht, sondern gemeinsam mit meiner Truppe im deutschen Krebsforschungszentrum. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 6500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, etwa 2500 von ihnen sterben. Hinzu kommen etwa 100 000 Frauen, die von der gefährlichsten Vorstufe dieser Krankheit betroffen sind. Diese zellulären Veränderungen des Gebärmutterhalses werden medizinisch CIN III genannt. Hinter diesen Zahlen verbergen sich viele Ängste, belastende Untersuchungen und Eingriffe. Wie viele davon sich verhindern ließen, hängt natürlich davon ab, wie viele Menschen geimpft werden. Weltweit werden jährlich übrigens 500 000 Fälle von Gebärmutterhalskrebs gezählt.

Die Impfung gegen die HP-Viren, die "humanen Papillomviren", wird in Deutschland und in anderen Ländern inzwischen auch von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Würden Sie jedem Mädchen empfehlen, sich impfen zu lassen?

Ja, auf jeden Fall. Die Impfung bietet nahezu hundertprozentigen Schutz gegen die Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses und vermutlich damit auch gegen diesen Krebs selbst. Übrigens auch gegen andere Krebsarten, die durch diese Viren ausgelöst werden, zum Beispiel gegen Scheidenkrebs.

Sie sind Vater von drei erwachsenen Söhnen und von zwei Enkeltöchtern im Alter von 3 und 16 Jahren. Wurde ihre 16-jährige Enkelin schon geimpft?

Selbstverständlich! Das ist sehr wichtig. Die Impfung wird ja auch von der Ständigen Impfkommission, in Deutschland für solche Fragen zuständig, für Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren empfohlen. Da die Viren beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, sollte die Impfung vor dem ersten Mal erfolgen.

Sie raten dazu, nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen zu impfen, auch wenn die Kosten dafür noch nicht von den Krankenkassen getragen werden. Aus welchem Grund?

Das ist doch ganz logisch. Da die Viren beim Geschlechtsverkehr sowohl von Frauen als auch von Männern übertragen werden, gibt es keinen Grund, Jungen oder junge Männer nicht zu impfen.

Gibt es andere Krebsarten, die auch durch Krankheitserreger ausgelöst werden?

Oh ja, wir wissen heute, dass jede fünfte Krebserkrankung durch Erreger ausgelöst wird. Dazu zählt der Magenkrebs, der durch Bakterien namens Helicobacter pylori entstehen kann. Viren vom Typ Hepatitis B oder C können Leberkrebs verursachen. Das so genannte Epstein-Barr-Virus führt zu Krebs in den Lymphknoten, im Magen und im Nasen-Rachen-Raum.

Wie weit ist die Forschung in ihrem Bemühen, auch gegen diese Erreger Impfstoffe zu entwickeln?

Gegen das Virus, das die gefährliche Leberentzündung Hepatitis B auslöst, die sich zu Krebs entwickeln kann, gibt es bereits einen Impfstoff. Eine entsprechende Impfung wird ja Reisenden in bestimmte Länder empfohlen. Was Impfstoffe gegen andere Krebserreger betrifft, müssen wir noch Geduld haben.

Sie sind zwar seit 2003 im Ruhestand, aber immer noch sehr aktiv, unter anderem als Chefredakteur der weltweit renommierten Krebszeitschrift "International Journal of Cancer"...

Stimmt. Ich halte viele Vorträge, bin daher viel unterwegs. Hier im Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg steht mir noch ein Labor mit Mitarbeitern zur Verfügung.

Muss Ihre Frau Sie angesichts dieses enormen Pensums manchmal bremsen?

Nein. Sie arbeitet als Virusforscherin und Professorin ebenfalls hier am Krebsforschungszentrum. Wir haben viele gemeinsame Interessen.

Bleibt Ihnen dabei noch Zeit für Privates?

Die Fotos von Elefanten und Löwen, die Sie hier an der Wand meines Büros sehen, habe ich selbst gemacht. Meine Frau stammt aus Südafrika, und wir reisen leidenschaftlich gern nach Afrika, wo wir gemeinsame Foto-Safaris unternehmen. Vor kurzem erst waren wir wieder in Tansania. Außerdem liebe ich italienische Opern, etwa von Verdi oder Puccini. Und ich bin ein begeisterter Gärtner. Immer, wenn es meine Zeit erlaubt, säe und pflanze ich in unserem Wintergarten, und auch hier im Zentrum stehen einige meiner Pflanzen.

Die Hälfte des Nobelpreisgeldes geht an die französischen Entdecker des HI-Virus. Wissen Sie schon, was sie mit Ihrer Hälfte in Höhe von rund 500 000 Euro machen?

Wir haben zwar Pläne, die ich aber ungern in der Öffentlichkeit diskutiere.

Das Gespräch führte Edgar Emken

RZO



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