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Beruf(ung) Nikolaus: Bescheren will gelernt sein

Nordhausen Mit Schminke und einem Schwämmchen malt er sich Nase und Wangen frostrot, ein weißer Strich lässt die Augenbrauen zusammenwachsen und buschiger werden.

Dann erst kommt der Rauschebart. Gleich zwei Gummibänder halten ihn, damit er nicht nach vorne fällt, wenn Harold Scheimann sich zu den Kindern hinunterbeugt. Seit 1994 spielt der 76 Jahre alte Rentner in Nordhausen den Weihnachtsmann. Alle Jahre wieder poltert er auf Betriebsfeiern, verteilt Schokolade im Supermarkt, beschert Familien. Über die Weihnachtsmann-Vermittlung der Agentur für Arbeit fing alles an, doch mit eigenem Kostüm und vielen treuen Stammkunden ist aus dem einstigen «Job» längst eine Berufung geworden.

«Die Statur dazu hast du , und das Alter auch», überzeugte ihn vor 14 Jahren ein kranker Bekannter, der eine Vertretung suchte. Scheimann sprang kurz entschlossen ein. Weißhaarig, stattlich, mit runder Nase und strahlend blauen Augen fehlte nicht viel, um aus dem gelernten Tischler einen waschechten Nikolaus zu machen. Doch das von der Arbeitsagentur gestellte Kostüm überzeugte Scheimann nicht. Im Theater Nordhausen ließ er sich einen Mantel auf den Leib schneidern. Ein künstlicher Bart und professionelle Schminktipps machten sein Outfit perfekt. «Ich setze keine Maske auf, da haben die Kinder Angst.»

Bevor sich der Weihnachtsmann mit Bronzeglocke und Sack auf den Weg macht und mit der selbst geschnittenen Weidenrute an die Haustüren klopft, ist Vorbereitung angesagt. «Weihnachten ist eine intime Familienfeier, da wollen die Leute wissen, wer kommt.» In persönlichen Gesprächen mit den Eltern erfährt Scheimann zum Beispiel, dass die sechsjährige Lara gut lesen kann, am Samstag aber immer zu lange im Schlafanzug herumturnt. «Heilig Abend will ich bei den Kindern sein und nicht stundenlang im Dunkeln nach den Geschenken suchen.» Mit guter Ortskenntnis und beschrifteten Schlüsseln zu Dachböden, Kellern oder Gartenlauben findet er die von den Eltern versteckten Geschenke schnell und kann außerdem den Zeitplan einhalten: 16 Familien buchten ihn einmal am Heiligen Abend.

Wenn freche Kindergartenkinder ihn am Bart ziehen, winkt der Rentner auch mal mit der Rute. Respektsperson will er sein, aber kein Schreckgespenst: «Ich möchte gerne loben, das spornt zu besserem Verhalten an.» Auf Eltern, die ihn bitten, ihren Kindern einen Schreck einzujagen und sie in den Sack zu stecken, ist er nicht gut zu sprechen: «Was die Familie das Jahr über an Erziehung verpasst, das kann der Weihnachtsmann nicht an einem einzigen Tag nachholen.»

Krippenspiel in der Schule, Familien unter dem Baum, der von Kindern umringte Scheimann: In einem sorgfältig beschrifteten Fotoalbum sammelt der Tischler alle Erinnerungen. Buntstiftzeichnungen, Dankesschreiben, Bastelarbeiten und unzählige Briefe an den «Weinachzman» hat er in zwei dicken Aktenordnern aufgehoben. «Die Leute lassen einen nicht los, die kommen immer wieder», sagt er lächelnd. In manchen Familien beschert er mittlerweile schon die zweite Kindergeneration.

«Es gibt Familien, die sind gefühlsmäßig abgekühlt, da muss man zu Weihnachten ein bisschen Wärme hineinbringen», sagt Scheimann und fordert deshalb oft die Kinder auf, «die Mutti fest zu drücken». Mit seiner eigenen Tochter hat er sich dagegen auseinandergelebt. Über dem Sofa der Zwei-Zimmer-Wohnung, in der er mit Ehefrau Karin lebt, hängt ein gerahmtes Wasserfarben-Bild. Es ist von den Kindern aus dem Behindertenheim, die er alljährlich unentgeltlich beschert. Was hält er vom Mythos Weihnachten als dem Fest der Liebe? «Wenn was Gutes passieren soll, müssen wir es machen.»

Wenn die Nase geschminkt ist und der Bart sitzt, schlüpft Scheimann in den Mantel mit dem Silberorden «Bester Weihnachtsmann der Welt», ein Kindergeschenk. Darunter trägt er eine rote Hose, das ist wichtig. «Kinder sind so aufmerksam, die merken alles», erzählt er von seinem ersten Jahr, als die Kleinen seinen Aufzug kritisierten: «Der Weihnachtsmann trägt doch keine Jeans!» Auch richtiges Bescheren will gelernt sein. Von Heike Mages, dpa

dpa-infocom


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