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Schlürfen, Schmecken, Spucken - Tee professionell kosten

Hamburg Die blonde Frau nimmt schlürfend einen Schluck, gurgelt geräuschvoll und spuckt anschließend aus.

Wer annimmt, sie befände sich beim Zahnarzt irrt - Sandra Nikolei verkostet Tee.

Bis zu 200 unterschiedliche Teesorten probiert sie pro Tag. Das Schmatzen und Gurgeln hilft ihr, jede kleine geschmackliche Feinheit zu erkennen. Die 33-Jährige ist als Tee-Testerin bei der Ostfriesischen Tee Gesellschaft Laurens Spethmann GmbH & Co. KG (Seevetal) angestellt und zuständig für den Einkauf der Teemarke «Meßmer». Neben der Qualitätskontrolle kreiert sie auch ganz neuen Sorten. «Außerdem bin ich mit meinem Kollegen verantwortlich dafür, dass zum Bespiel die Schwarzteemischung aus unserem Haus immer gleich schmeckt», berichtet Nikolei. An diesem Morgen verkostet sie in der Firma inmitten der Hamburger HafenCity fünf Grüntees aus Indien.

Zum Geschmackssinn gehört auch ein Fingerspitzengefühl: Die einzelnen Tees, die Nikolei probiert, gibt sie zuerst auf weiße Pappen und lässt sie dabei durch ihre Finger rieseln. Auch diese Fähigkeit eines Tees sei sehr wichtig. Im nächsten Schritt wiegt sie mit einer traditionellen Handwaage genau 2,86 Gramm ab. Das Gegengewicht ist ein Sixpence-Stück. «Das wird überall auf der Welt genau so gemacht. Die Prozedur zur Verkostung ist weltweit genormt», erläutert die Teeliebhaberin.

Diese 2,86 Gramm Tee ziehen dann in 150 Milliliter Wasser exakt fünf Minuten. «Das ist sehr viel Tee mit wenig Wasser und eine extrem lange Ziehzeit. Was dabei heraus kommt, ist quasi das Konzentrat des Geschmacks.» Schon der erste feine Geruch nach dem Aufgießen verrate viel. Nachdem der Tee gezogen ist, beginnt dann das Schlürfen und Spucken. Gefällt Nikolei ein Tee, schiebt sie die Tasse auf dem Tisch nach vorne. Alles, was ihr nicht schmeckt, landet hinten. Heute ist es lediglich einer der fünf grünen Tees, der richtig gut ankommt.

Auf ungefähr 40 professionelle Tee-Tester schätzt Nikolei bundesweit die Kollegenschar. Der Beruf sei nicht staatlich anerkannt und auch eine klassische Ausbildung gebe es nicht, sagt die Testerin. Ihre Leidenschaft für das Getränk habe sie schon früh entdeckt. «Ich habe während meines Studiums in einem Teeladen gejobbt, irgendwann ist der Nebenjob dann wichtiger geworden als das Studium.» Sie brach die Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule ab und entschied sich, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen.

Der erste Schritt war eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau in einer Teehandelsfirma. «Eine kaufmännische Ausbildung ist schon sinnvoll, weil man als Teeverkoster Einkauf im großen Stil betreibt.» Schon bei ihrer Ausbildung im Einkauf gehörte die Verkostung mit dazu. Anschließend arbeitete sie in der Produktentwicklung und war sieben Jahre lang «Junior Tee Tester». Wer Tee-Tester werden möchte, müsse seinem Chef einfach zeigen, dass er einen guten Job macht, sagt die Handelsfrau. Es gibt weder eine feste Ausbildungszeit noch ein Abschlusszeugnis. «Das ist eher ein fließender Übergang, es gibt nicht so etwas wie einen Gesellenbrief.» Auch nach getaner Arbeit bleibt die Berufstätige ihrem Lieblingsgetränk treu, eine warme Kanne Tee darf auch zu Hause nicht fehlen. Von Anna-Maria Jeske, dpa

dpa-infocom


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