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Immer Weihnachten - Museum zeigt 20 000 Exponate

Neustadt/Coburg In Neustadt bei Coburg (Bayern) ist das ganze Jahr über Weihnachten, zumindest in der alten Weihnachtsfabrik: Dort glänzen und glitzern Christbaumkugeln zu jeder Jahreszeit im Schein echter und elektrischer Kerzen.

«Kein anderes Fest auf christlichem Boden weckt so viele Emotionen», sagt Klaus Müller-Blech. Am Sternenweg zeigt einer der ältesten deutschen Weihnachtsschmuckhersteller nicht nur seine aktuellen Produkte. Im Museumsteil des Marktes geben rund 20 000 Exponate einen Einblick in die Geschichte des Festes aller Feste über verschiedene Brauchtumsformen bis hin zur Verschmelzung der Figur des Weihnachtsmannes mit dem Santa Claus.

Zusammen mit seiner Frau Birgit führt der 49-Jährige das Familienunternehmen Inge's Christmas Decor. Die Firmentradition und die Geschichte der Familie lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. In Lauscha, nur wenige Kilometer nördlich von Neustadt, gründete Christoph Müller 1597 zusammen mit einem Partner die erste Glashütte in Thüringen. So verfügt der Betrieb nicht nur über eine Jahrhunderte alte Tradition in der Herstellung von Glaskugeln. Tausende alte Holz- und Porzellanformen bieten die Grundlage für die Produktion von gläsernen Engeln, Vögeln und Sternen, Tannen- und Eiszapfen sowie Christbaumspitzen.

Der Weihnachtsbaum hat seine Wurzeln im Mittelalter. Er sollte das Haus zum Jahreswechsel mit Wintergrün schmücken. Weihnachten fällt in die dunkelste Zeit des Jahres. In einer Zeit, in der Neonröhren und Leuchtdioden auch die Nächte taghell erleuchten, ist es kaum mehr vorstellbar, wie es vor der Verbreitung des elektrischen Stroms und der Erfindung der Glühbirne in den bescheidenen Wohnstuben ausgesehen hat. Kerzen und Laternen spendeten nur spärliches Licht.

Doch erst im 19. Jahrhundert setzte sich der Brauch mehr und mehr durch, Weihnachten, das Lichterfest, mit einem Christbaum und brennenden Kerzen zu feiern. Zur Verzierung nutzten die Menschen zunächst Äpfel, Eier und Papierblumen. Christbaumkugeln aus Glas wurden Mitte des 19. Jahrhunderts aus einer Not heraus geboren. Halsketten aus wachsgefüllten Glasperlen waren bei der Damenwelt nicht mehr gefragt. Und so begannen die Glasbläser im Thüringer Wald zu experimentieren. Sie bliesen Glasperlen so groß wie Äpfel.

Die Glaskugeln brachen und reflektierten das flackernde Licht besonders effektvoll. «Sie vermittelten Kindern wie Erwachsenen einen immer wieder bewegenden Sinneseindruck», erinnert Müller-Blech an die rasante Verbreitung. Anfangs wurden die Glaskugeln noch mit Silbernitrat und Blei ausgegossen und damit verspiegelt. Voraussetzung für die Massenproduktion des gläsernen Christbaumschmucks war die Gründung einer Gasanstalt im Jahr 1867. Angereichert mit Pressluft konnte das Leuchtgas die Temperaturen der Bunsenbrenner auf 1400 Grad erhöhen.

«Mit der Gründung des Kaiserreiches wurde der Christbaumschmuck ausgefallener», verrät das Internetportal Weihnachtsmarkt.net. Die Bemalungen wurden aufwendiger, die Formen vielfältiger. Die noch heißen und weichen Glaskugeln wurden in Formzangen gepresst. So entstanden Äpfel, Trauben, Birnen, Pflaumen, Eicheln, Tannenzapfen, Nüsse und Vögel. Die ganze Vielfalt des Weihnachtsschmucks und weihnachtlicher Figuren hat die Familie Müller-Blech in ihrem Museum zusammengetragen.

Überwiegend hängen an den Weihnachtsbäumen in den deutschen Wohnzimmern runde Kugeln in den Traditionsfarben Rot, Gold und Silber. «In diesem Jahr sind warme braune und beige Töne besonders gefragt», erzählt der Chef von Inge's Christmas Decor. Trotz Finanzkrise und Wirtschaftsflaute floriert das Geschäft auch im Advent 2008. «Je schlechter die Konjunktur, desto besser für Weihnachten», sagte Müller-Blech. Zumindest am Weihnachtsschmuck wird in diesem Jahr nicht gespart. Von Manfred Präcklein, dpa

dpa-infocom