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«Im Winter ein Jahr» - Poesie pur

Vor fünf Jahren hat sie für «Nirgendwo in Afrika» einen Oscar gewonnen. Anders als ihr Kollege Florian Henckel von Donnersmarck hat Regisseurin Caroline Link diesen Triumph eher im stillen Kämmerlein genossen und ist nicht unter großem Getöse nach Hollywood gezogen.

Lange haben die Kinozuschauer mit Spannung auf Links neuen Film gewartet. Sie werden nicht enttäuscht. «Im Winter ein Jahr» ist ein traurig-schönes Familiendrama mit Josef Bierbichler und Karoline Herfurth in den Hauptrollen, beide mit preisverdächtiger Leistung. Das Psychogramm ist in seinen Bildern - Kamerafrau Bella Halben prägte schon den Bierbichler-Film «Hierankl» - fürs Kino und nicht fürs Fernsehen gemacht. Das kann man nicht über alle deutschen Produktionen sagen.

Es geht um eine Münchner Familie , die mit dem Tod des Sohnes fertig werden muss. Herfurth spielt die Tochter Lilli, die nach dem Selbstmord des Bruders im Abseits steht und von den Eltern nicht bekommt, was auch sie braucht: Wärme und Trost. «Brauchst du Geld?», fragt der Vater, ein Wissenschaftler (Hanns Zischler), ungelenk. Die Familie ist so steif wie ihr Zuhause, ein durchdesignter Bungalow, in dem die Mutter Eliane (Corinna Harfouch) vor Kummer immer verzweifelter wird. Die Ehe ist längst abgekühlt.

Die Mutter beschließt, dass sie ihren toten Sohn gemeinsam mit der Tochter auf ein Bild gebannt haben möchte. Sie beauftragt den berühmten Maler Max Hollander (Bierbichler). Der Maler und das Mädchen in einem Atelier auf dem Land: Das ist Dreh- und Angelpunkt des Films. Der Künstler erspürt gemeinsam mit Lilli das Wesen der Familie. Das Bild, das schließlich entsteht, wird nicht den Vorstellungen der Mutter entsprechen. Dafür wird die junge Lilli lernen, auch mit all der Trauer zurück ins Leben zu finden. Eine Affäre mit dem Künstler Aldo (Misel Maticevic) endet zuvor unglücklich.

Kunst, eine aus den Fugen geratene Familie, der Tod eines Kindes - das sind Themen, die an US-Literatur wie «Was ich liebte» von Siri Hustvedt erinnern. Ursprünglich sollte Links Version des Romans «Aftermath» von Scott Campbell in Amerika entstehen. Aber weil die Besetzung zu schwierig gewesen sein soll und es ohne Topstar kein Geld gab, verlagerte die Regisseurin das Ganze nach Deutschland. Und nach Bayern, um den Maler mit Bierbichler besetzen zu können. Die Rolle des liebenswerten wie knorrigen Künstlers ist ihm auf den Leib geschrieben.

Ein guter Kniff im Drehbuch ist es, dass nicht alle Fragen beantwortet werden und der Film viele Nuancen hat. Maler Max ist zum Beispiel nicht wie im Buch homosexuell, sondern hat keine ganz eindeutigen Präferenzen. So knistert es trotz des Alters- und Statur-Unterschieds tatsächlich, als der Maler und das Mädchen miteinander tanzen. Überhaupt: Link ist fast zärtlich mit ihren Protagonisten, bis hin zu den Bildern von Herfurths Sommersprossen.

Für die 24 Jahre alte Schauspielerin , die einen Part in «Der Vorleser» ergatterte, könnte die Rolle ein Meilenstein werden. Sie ist wandelbar. In «Eine andere Liga» überzeugte Herfurth als krebskranke Fußballspielerin, in «Im Winter ein Jahr» als Tänzerin, die ihre Gefühle mit Rotzigkeit übertönt. Die Tanzszenen wurden eigens choreografiert und sind wichtig für die Handlung. Und hier liegt eine kleine Schwäche: Eine Protagonistin, die sich expressiv «freitanzt», das ist für Zuschauer mit 80er-Jahre-Sozialisation seit «Flashdance» vorbelastet. Herfurth meistert die Einlage freilich mit Bravour.

Die Kunst im Film stammt von einem echten Maler, Florian Süssmayr, der fünf Bilder exklusiv für die Produktion schuf. Reichlich München ist auf der Leinwand zu sehen: das Prinzregententheater, Jil Sander in der Maximilianstraße, das Elternhaus ist ein Designerbau von Sep Ruf. Für Caroline Link muss es auch nach den negativen US-Erfahrungen nicht immer Bayern bleiben, wie die 44-Jährige in den Produktionsnotizen verrät. «Vielleicht drehe ich trotzdem irgendwann einmal einen Film in Amerika. Aber wahrscheinlich erst dann, wenn es keiner mehr von mir erwartet.»

dpa-infocom