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Immer mehr «Bürgerjournalisten» bloggen und twittern

Berlin Sie sind zur Zeit die Lieblinge der Medienexperten: die «Bürgerjournalisten».

Ob mit Twitter oder Handycam, als Blogger oder Hobbyfotografen - die wachsende Schar von Laien-Reportern wird von Fachleuten wechselweise als Bedrohung oder Bereicherung des Journalismus gesehen.

Während der Terrorattacke von Bombay meldeten sich Augenzeugen über den SMS-Onlinedienst Twitter zu Wort. Die 140-Zeichen-Berichte, aber auch Schnappschüsse aus dem Fotoportal Flickr und Privatvideos aus Katastrophengebieten dienen immer öfter Sendern wie BBC und CNN als Informationsquelle. «Die Zeugen übernehmen die Nachrichten» - für den New Yorker Journalismus-Professor und Internet-Guru Jeff Jarvis (buzzmachine.com) sind die Leser-Reporter dabei, die Medien «fundamental» zu verändern.

Auch in Deutschland versuchen zahlreiche Medienunternehmen, mit unterschiedlichen Modellen das Mitteilungsbedürfnis vieler Menschen für sich zu nutzen. Bis zu 4000 Fotos erhält etwa die «Bild»-Zeitung täglich von Privatleuten. Seit das Blatt 2006 seine Leser ermunterte, Fotos auch von Prominenten einzusenden, wurden bereits 9000 Bilder veröffentlicht, weitere Zehntausende im Internet unter Bild.de. Seit kurzem bietet «Bild» über einen Lebensmitteldiscounter preisgünstige Videokameras an, mit denen sich die Käufer als Leser- Reporter betätigen können. Sobald die Kamera an den PC angeschlossen wird, öffnet sich der Zugang zum «Bild»-Portal und die Fotos können hochgeladen werden.

Handy-Fotos haben zwar selten die Qualität von Profibildern, doch sind sie meistens aktueller und unmittelbarer. Ob bei den Anschlägen vom 11. September 2001, dem Tsunami oder der Hinrichtung von Saddam Hussein - für Mercedes Bunz, Chefredakteurin von tagesspiegel.de, sind die eindringlichsten Bilder der vergangenen Jahre von Laien aufgenommen worden. «Information ist heute überall - daran werden sich auch Journalisten gewöhnen müssen», schrieb Bunz.

Nicht alle teilen die Erwartungen an den neuen Graswurzel- Journalismus. «Es ist ein zweischneidiges Messer», sagt der Kommunikationswissenschaftler Jan Krone (Fachhochschule St. Pölten). «Wir erleben einen schleichenden Prozess der Entwertung des Journalismus», meint er. Gerade angesichts der Informationsflut müssten Medien besonders auf ihre Rolle als «Schleusenwärter» achten und Informationen sorgfältig prüfen und gewichten.

Zwar ist Krone nicht grundsätzlich gegen eine stärkere Beteiligung der Leser. «Journalisten stellen aber ihren Beruf selbst in Frage, wenn sie immer öfter ungeprüft auf solche Beiträge zurückgreifen». Wichtigstes Gut der Presse sei die Glaubwürdigkeit, auch als Plattform für seriöse Werbung, die Haupteinnahmequelle kommerzieller Medien. Als reiner «Abspielkanal» werde kein Print-Medium überleben, sagt Krone.

«User generated content» - vom Nutzer produzierte Inhalte - heißen im Branchenjargon die Beiträge von Lesern und Zuschauern. Dabei ist die Beteiligung des Publikums nicht Neues, wie Hans-Joachim Fuhrmann vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) sagt. Ob Leserbriefe, Reisen oder Podiumsdiskussionen - «die Menschen wollen beteiligt werden», sagt der Multimedia-Experte des Verlegerverbandes und berichtet von gelungenen Publikationen, die aus den Beiträgen aktiver Leser neue Medienformen entwickeln.

So schuf etwa die «Hessische/Niedersächsische Allgemeine» (Kassel) aus dem Medienhaus Ippen das Portal «Regiowiki», bei dem jeder Nutzer mit seinem Wissen über Land und Leute das Online-Lexikon erweitern kann. Seit Januar 2006 seien so mehr als 11 000 Artikel entstanden.

Die «Gießener Zeitung», eine Beteiligung der Verlagsgruppe Madsack, erscheint zweimal in der Woche als Gratisblatt für 125 000 Haushalte mit Beiträgen von lokalen Bürgerreportern. Neben Beiträgen von Redakteuren werden auch Artikel gedruckt, die zuvor auf der Online-Plattform der Zeitung veröffentlicht wurden. Die Webseite entstand aus dem Madsack-Projekt myheimat.de.

Die «Neue Osnabrücker Zeitung» bringt mit «blue» seit November 2006 ein lokales Monatsmagazin heraus, das sich auf Artikel von Jugendlichen stützt, die zuvor auf dem Internet-Portal OS-Community.de veröffentlicht wurden. Der kostenlose Titel wird in einer Auflage von 15 000 Exemplaren in der Region verteilt.

Auf Zeitzeugen greift das Online-Geschichtsportal «Eines Tages» aus dem Spiegel-Verlag zurück. Aus den Erinnerungen der Nutzer wurde auch ein eigenes Heft entwickelt. Das Deutsche Sportfernsehen (DSF) lässt «Fanreporter» berichten, der vom früheren US-Vizepräsidenten Al Gore gegründete Kanal Current TV will auch in Deutschland eine Plattform für Nachrichtenbeiträge, Videos und Werbespots im Internet anbieten.

Bei aller Euphorie für den neuen Mitmach-Journalismus - ein Quantum Risiko bleibt. So musste die BBC eingestehen, dass sich Twitter-Beiträge, die sie verbreitet hatte, als Falschinformation erwiesen. Die Zeitung «The Independent» warf dem Sender daraufhin vor, mit seiner Glaubwürdigkeit «Russisches Roulette» zu spielen.

Internet: buzzmachine.comVon Esteban Engel, dpa

dpa-infocom


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