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Eine Familientherapie hilft Konflikte lösen

Berlin/Göttingen Familien wachsen von Generation zu Generation.

Und nehmen häufig so manches Problem mit. Die Essstörung der Großmutter ist auch noch beim Enkel erkennbar.

Ängste oder Zwänge, Suchtneigungen oder der Hang zur Depression - oft genug sind oder werden Einzelprobleme auch Familienprobleme. Weitervererbt, mitgetragen oder passiv gefördert: Welche Mechanismen in Familien greifen, können Betroffene selbst kaum begreifen. Aufschluss über solche unbewusste Prozesse und Hilfe kann die Familientherapie geben.

Ob Bulimie, Panikattacken, Alkoholsucht oder Gewalttätigkeit: «Eine Familientherapie ist anzuraten, wenn ein Familienmitglied über längere Zeit Auffälligkeiten zeigt, die die ganze Familie belasten», sagt Martin Merbach, Psychologe beim Evangelischen Zentralinstitut für Familienberatung in Berlin. Leider sei die Hemmschwelle zu diesem Schritt in vielen Familien mit psychischen Problemen und Belastungssituationen sehr hoch. Das gelte vor allem, wenn die Eltern erkrankt sind, sagt Merbach: «Sind die Kinder betroffen, zum Beispiel mit ADHS, gehen Familien viel schneller in eine Beratung.»

Grund für die Zurückhaltung sei häufig eine falsche Scham. «Dabei ist die Familientherapie in den meisten Fällen die beste Medizin für alle», sagt Professor Günther Reich, Psychotherapeut an der Universität Göttingen. «Die Heilung der Probleme findet in dem Beziehungsrahmen statt, der die betroffenen Menschen umgibt», erklärt er. Dabei gehe es nicht um die Frage, wer «schuld» an der psychischen Belastungssituation sei, sondern welche Verkettungen und Umstände überhaupt dorthin geführt haben.

Vorteile für den «Patient Familie» gibt es viele: Der Betroffene erhält endlich Hilfe und die Angehörigen Unterstützung in den vielfältigen Fragen des angemessenen Verhaltens. «Der Therapeut kann die Rollen und Positionen innerhalb einer Familie viel schneller erfassen, wenn er mit allen arbeiten kann», sagt Merbach.

«Im Beziehungskontext lassen sich Knoten besser lösen, können starre Kommunikationsmuster und Tabus leichter aufgelockert werden», sagt Reich. Das legt auch eine Langzeitstudie der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie und der Systemischen Gesellschaft aus dem Jahr 2006 nahe: «Familientherapie ist wirksam, kostengünstig und besonders in der Nachhaltigkeit sehr erfolgreich», heißt es darin. Kontrolluntersuchungen vier Jahre nach Abschluss der Therapie belegten, dass die Behandlung für die ganze Familie erfolgreicher wirkt als andere Psychotherapie-Verfahren.

Einer für alle, alle für einen - ob die ganze Familie wöchentlich beim Therapeuten sitzen muss, entscheidet jedoch immer der Einzelfall. «Manchmal ist es sinnvoller, erst auf den Einzelnen zu schauen, bevor man alle zusammensetzt.» Will ein Familienmitglied nicht mit in die Therapie, sollten ihm die Angehörigen freundlich vermitteln, wie wichtig seine Unterstützung ist. «Zeigen Sie, wie sehr Sie sich die Hilfe und Unterstützung aller wünschen», rät Reich. Weigert sich jemand aber partout, mitzumachen, sollte das akzeptiert werden. «Man kann auch eine erfolgreiche Therapie mit der unvollständigen Familie durchführen», sagt Merbach.

Die systemische Familientherapie wird laut Reich bislang nicht von den Kassen bezahlt. Wer auf die volle finanzielle Unterstützung der Krankenkasse angewiesen ist, muss immer noch den klassischen Weg über die Einzeltherapie wählen. Von Bettina Levecke, dpa

dpa-infocom


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