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Mit 17 Jahren HIV-positiv: Leben mit dem Aids-Virus

Düsseldorf Oliver Albrecht (Name geändert) war 16, als er seiner Mutter sagte, dass er schwul sei.

Und 17, als sie erfuhr, dass er HIV-positiv war. «Meine Mutter hat mich noch selbst zum Arzt gefahren», erinnert er sich.

Er hatte so einen Ausschlag am Hals. Die Ärztin sagte, sie würden einfach mal die üblichen Tests für Geschlechtskrankheiten machen. Alles negativ. Und dann kam der Aidstest. «Jackpot», sagt Oliver. Und lächelt.

Heute ist er 22, und in den fünf Jahren dazwischen ist kein Tag vergangen, an dem er nicht an seine Krankheit gedacht hat. «Mindestens einmal am Tag schießt es einem durch den Kopf: Das war doch eigentlich relativ unnötig.» Oliver wusste damals kaum etwas über Aids. «Ich war noch ein Kind. Ich dachte, man sieht das den Leuten an, wenn sie HIV-positiv sind.»

Oliver ist ein großer, schlanker junger Mann mit dunklen Augen. Er formuliert sehr präzise, und er erzählt - obwohl es ihm schwer fällt - mit großer Offenheit über die Krankheit, die ein Schatten über sein gesamtes Erwachsenenleben wirft. «Ich glaube, wenn es mir jetzt passieren würde, wäre es viel schlimmer. Dann hätte ich ein Leben ohne den Virus kennengelernt. So aber waren meine Beziehungen, meine Sexualität von Anfang an daran gekoppelt.»

Als er die Diagnose bekam, war er zunächst wie benommen. «Es war so ein taubes Gefühl. Ich weiß noch, dass ich dachte: 'Dann brauchst du dir in der Schule ja jetzt keine Mühe mehr zu geben.'» Es war seine Mutter, die ihm klarmachte, dass er sich nun zunächst einmal sehr intensiv mit der Krankheit beschäftigen musste. Er hat damals viel darüber gelesen und mit einem spezialisierten Arzt darüber gesprochen. «Es hat sich dann schon bald relativiert. Die Normalität kehrte zurück. Ich hatte auch gar nicht die Zeit, da jetzt endlos drüber nachzugrübeln. Ich war dafür auch einfach noch nicht erwachsen genug.»

Er sagt es nicht jedem, lange nicht jedem. In der Klasse seines Berufskollegs zum Beispiel weiß es keiner außer der Lehrerin. Er hat gemerkt, dass viele Leute auf Distanz gehen, wenn sie es hören. Klar, so allgemein hat niemand etwas gegen HIV-Positive, man weiß ja auch, man kann sich eigentlich nur bei ungeschütztem Sex anstecken. Aber wenn es konkret wird, wenn man ganz direkt mit so einem umgeht, aus denselben Tassen trinkt, dieselbe Toilette benutzt, das ist etwas anderes. Seine eigene ältere Schwester wollte anfangs nicht mehr dasselbe Bad mit ihm teilen.

Wenn er einen Mann kennenlernt, rückt er natürlich nicht sofort damit heraus, das wäre ja ein Stimmungskiller. «Aber bevor da was im Bett gelaufen ist, hab ich's immer gesagt.» Die Reaktionen waren überwiegend gut. «Die meisten Leute haben nicht gesagt 'Tschüs', sondern sich damit auseinandergesetzt.» Nur ein paar haben sich sofort abgewandt. Einer sagte: «Du bist ein Supertyp, aber sorry: HIV-positiv, das kommt für mich echt nicht infrage.»

In einem solchen Moment, sagt Oliver , ist man ganz auf das Virus reduziert, ist man nur noch der HIV-Positive. «Man ist so eine wandelnde Virusschleuder.» Außer seinen Partnern erzählt er deshalb nur guten Freunden davon und der Familie. «Die unterstützen mich zum Glück sehr.» Sogar seine über 80 Jahre alte Oma aus einem kleinen Ort am Rande des Münsterlandes schneidet ihm Zeitungsartikel aus und spendet für die Aidshilfe.

Alle drei Monate geht Oliver zur Analyse, dann werden seine Werte gecheckt. Bisher alles bestens. Er braucht keine Medikamente. Aber die Diagnose ist immer präsent. Wenn er einen Schnupfen bekommt, fragt er sich, ob er früher eigentlich auch so oft erkältet war. Wenn eine Wunde nach ein paar Tagen noch nicht völlig verheilt ist, beschleicht ihn die Furcht, dies könne ein Vorbote der Krankheit sein. Wann sie letztlich ausbrechen wird, wie lange er zu leben hat - das weiß niemand.

Während der ersten vier Jahre wollte er keine anderen HIV-Positiven treffen. Er hatte Angst, vielleicht Leuten zu begegnen, denen es richtig schlecht geht, und dann zu denken: «Kacke, das kann auf dich zukommen.» Aber dann ist er doch mal zu einem «Positiven-Treffen unter 30» gegangen und hat festgestellt: «Das hilft einem sehr.» Es ist befreiend, mit Menschen zu reden, denen man nicht groß was erklären muss, die gleich wissen, was man meint. Es ist schön, jemanden Witze machen und lachen zu hören, der das Virus schon zwanzig Jahre in sich trägt. «Plötzlich spricht man mit wildfremden Leuten über intimste Dinge.» Es sind die einzigen Stunden, in denen er ganz unbefangen das Geheimnis preisgibt, das er für den Rest seines Lebens wird hüten müssen. Von Christoph Driessen, dpa

dpa-infocom


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