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HPV-Schutzimpfung gegen Gebärmutterhalskrebs

Heidelberg/Hannover Die Teenie-Tochter liegt auf ihrem Bett und chattet mit einer Freundin über Jungs.

Die Mutter kommt ins Zimmer: «Sag mal, warst du heute beim Arzt, wegen der dritten HPV-Impfung?».

Darauf entgegnet die Tochter: «Ja , klar, kurzer Pieks und fertig.» So selbstverständlich wie im Fernsehspot des Deutschen Grünen Kreuzes ist die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) nur für wenige junge Frauen. Zu groß ist die Verunsicherung, zu laut die Kritik: Die Impfung sei zu teuer, wirke nur kurze Zeit. Auch wiege sie junge Frauen in trügerische Sicherheit. Zudem ist von Nebenwirkungen und Todesfällen die Rede.

Humane Papillomviren sind nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg die Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs. Eine Ansteckung erfolgt in der Regel durch Geschlechtsverkehr. «Die Viren besiedeln den Genitalbereich, was dann zu einer Infektion führt», erklärt Prof. Peter Hillemanns vom Zentrum für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Medizinischen Hochschule Hannover. Knapp 6500 Frauen erkranken in Deutschland jährlich an Gebärmutterhalskrebs.

Entdeckt hat den Zusammenhang der Virologe Prof. Harald zur Hausen, der dafür am 10. Dezember in Stockholm den diesjährigen Nobelpreis für Medizin erhält. Je nachdem, welcher der mehr als 100 Virentypen am Werk ist, können gutartige Gewebeveränderungen, sogenannte Feigwarzen, entstehen - oder eben Krebs. Ausgehend von zur Hausens Forschungen konnte ein Impfstoff entwickelt werden. Dieser wirkt allerdings nur gegen die zwei Typen, die für 70 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich gemacht werden.

«Derzeit gibt es zwei Produkte auf dem Markt - Cervarix und Gardasil», sagt Prof. Matthias Beckmann von der Arbeitsgemeinschaft Onkologie in der Gynäkologie der Uniklinik Erlangen. Beide schützen vor den krebsverursachenden HPV-Typen 16 und 18. Die Kosten für die Impfung übernehmen die meisten Krankenkassen nur für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren. Sie sollte vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgen. Hillemanns rät aber auch Frauen über 17 Jahren zur Impfung. Sinnvoll sei es dann, bei der Krankenkasse nach einer Übernahme der Kosten zu fragen: Denn die liegen bei rund 450 Euro.

Zwar sinke die Effektivität bei denen , die sich schon mit dem Virus infiziert haben, schränkt der Mediziner ein. Betroffene könnten bereits immun sein, wenn sie die Infektion einmal durchgestanden haben. Andererseits bestehe immer noch zu 30 Prozent die Wahrscheinlichkeit, sich erneut mit dem gleichen Typus zu infizieren. Und nach Angaben des DKFZ deuten Zwischenergebnisse von Studien mit Probandinnen über 25 Jahren an, dass die Impfung auch dann noch wirksam ist: Sie schütze vor chronischen HPV-Infektionen sowie Folgeerkrankungen.

Ganz anders bewertet das dagegen eine Gruppe von 13 Wissenschaftlern um den Public-Health-Experten Ansgar Gerhardus von der Universität Bielefeld. In einem Manifest kritisieren sie, dass die Wirksamkeit des Impfstoffes bislang nicht ausreichend belegt ist. Sie fordern von der Ständigen Impfkommission (STIKO), die Impfempfehlung dringend zu überprüfen. Denn die in diversen Studien ermittelten Ergebnisse stünden in deutlichem Widerspruch zu vielen sehr optimistischen Verlautbarungen. Auch Daten, die belegen, wie sich die Schutzimpfung bei Männern auswirkt, liegen laut dem Krebsforschungszentrum noch nicht vor.

Auch der Tod zweier Mädchen aus Deutschland und Österreich nach der Impfung im Jahr 2007 verunsicherte viele Frauen. Aber: «Die Obduktionen haben keinen Hinweis auf einen Zusammenhang mit der Impfung gezeigt. Es handelt sich hierbei um einen Totimpfstoff, der bekanntermaßen harmlos ist», sagt Hillemanns. Laut Statistik hätte es zu mindestens fünf Todesfällen kommen müssen.

Auch das DKZF bestätigt die sehr gute Verträglichkeit beider Impfstoffe. Die häufigsten Nebenwirkungen seien Hautreaktionen an der Einstichstelle, Temperaturerhöhung sowie Kopf- und Muskelschmerzen. Aber da die Impfung nicht völlig schützt, empfiehlt es sich, weiterhin zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs zu gehen. Der Nobelpreisträger Harald zur Hausen Harald zur Hausen, geboren 1936, studierte Medizin in Bonn, Hamburg und Düsseldorf. Nach seiner Habilitation an der Universität Würzburg übernahm er 1972 den Lehrstuhl für Klinische Virologie an der Uni Erlangen-Nürnberg. 1977 wechselte er nach Freiburg. Bis zu seiner Emeritierung 2003 war er nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe 20 Jahre lang Vorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums. Bis heute ist er Chefredakteur der Fachzeitschrift «International Journal of Cancer». Bereits in den 1960er Jahren hegte zur Hausen den Verdacht, Gebärmutterhalskrebs werde durch Viren ausgelöst. Zur Hausens Arbeitsgruppe isolierte schließlich 1983 die zwei Papillomvirus-Typen 16 und 18, die als die beiden wichtigsten Auslöser gelten. Von Jasmin Henning, dpa

dpa-infocom


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