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Marius Müller-Westernhagen wird 60

Hamburg - Arrogant? Marius Müller-Westernhagen bleibt ganz entspannt.

«Es kursieren reichlich Irrtümer über mich», sagt der Rockstar, der mit Konzerten früher Fußballstadien füllte.

«Wenn man eine gewisse Popularität hat, wollen die Leute über einen berichten. Und wenn man sie nicht ständig mit etwas füttert, dann denken sie sich halt etwas aus», meint der in Hamburg lebende Künstler, der sich dem Show- und Medienrummel schon lange entzieht. «Es gibt sicher jede Menge Missverständnisse. Ich bin zum Beispiel zwar mit Sicherheit selbstbewusst und weiß genau, was ich will, aber ich bin in keinem Fall arrogant.» Auch zu seinem 60. Geburtstag an diesem Samstag (6. Dezember) widerstrebt es dem Einzelgänger, den Small-Talk langweilt, «wenn Gewese um mich gemacht wird».

Doch seinem Jubiläum kann sich der seit langem zurückgezogen in der Hansestadt lebende Musiker nicht entziehen - das zeigt auch seine ganz persönliche Verneigung vor dem Publikum: Vorm großen «Birthday Bash» mit vier Konzerten in Köln, Hamburg und Berlin konnten die Fans über die Songs entscheiden, die ihr «MMW» spielen wird. Die Stimmen auf seiner Internetseite sind eingegangen, die Auswahl ist getroffen. Natürlich wollen sie von ihm wieder hören «Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz», sich nach «Freiheit» sehnen, «Sexy» und «Willenlos» sein. Er wird «Wieder hier» in seinem Revier sein und vom besten Freund «Johnny Walker» singen. Es sind Klassiker, die für viele Menschen zum Soundtrack ihres Lebens geworden sind.

«MMW» gehört zum Quartett der Großen in der deutschen Rockszene: Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg, Peter Maffay und eben Westernhagen. Mit Lindenberg lebte er in den 70er Jahren in einer Wohngemeinschaft, auch Komiker Otto Waalkes wohnte mit in der legendären «Villa Kunterbunt» in Hamburg. Damals machte sich der Sohn des Schauspielers Hans Müller-Westernhagen - als Marius in Düsseldorf auf die Welt kam, spielte sein Vater gerade im Drama «Marius» - in der Schauspielerei einen Namen. Der Vater führte ihn in das Metier ein, doch der depressive und alkoholkranke Mann war auch ein abschreckendes Beispiel für den Sohn. Als Jugendlicher - nach dem Tod des Vaters - spielte er 1964 seine erste Hauptrolle in einem Fernsehfilm («Die höhere Schule»).

Bis 1987 wirkte Westernhagen in rund 25 Filmen mit und spielte sich vor allem als sprücheklopfender Truck-Fahrer Theo aus dem Ruhrgebiet in «Theo gegen den Rest der Welt» in die Herzen der Zuschauer. Seine Liebe zur Musik lebte der Schauspieler, der schon früh in Bands sang und spielte, ebenfalls schon damals aus. 1972 sorgte er mit seiner Paul-McCartney-Persiflage «Gebt Bayern zurück an die Bayern» für Aufsehen, 1975 folgte das Debütalbum und später die Empörung über sein Lied «Dicke». Nach dem «Theo»-Erfolg ging der schlaksige junge Mann auf seine erste Tour als Sänger, Alben wie «Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz», «Sekt oder Selters» und «Stinker» untermauerten seinen Erfolg als Textschreiber und Rock'n'Roller.

Der ganz große Triumph sollte noch folgen: Spätestens ab 1987 konzentrierte sich der Allrounder ganz auf die Musik und wurde mit Alben wie «Westernhagen», «Halleluja», «JaJa», «Affentheater» und «Radio Maria» zum Superstar. Wie ein Magnet zog das Phänomen Westernhagen als erster deutscher Rocker gigantische Massen zu Shows in Fußballstadien. Sein Image in den Medien änderte sich vom Theo- Kumpeltyp zum «Armani-Rocker». Privat war er inzwischen Vater geworden - Tochter Mimi ging aus einer Kurzzeitbeziehung hervor und und lebt als Punkmusikerin in London - und traf seine große Liebe Romney, mit der seit rund 20 Jahren verheiratet ist. Ende der 90er Jahre machte er Schluss mit den Stadiontouren - ein Messias wollte er nicht sein. «MMW» nahm sich eine Auszeit von der Bühne, legte aber weitere Alben wie «In den Wahnsinn» (2002) und «Nahaufnahme» (2005) vor.

Westernhagen, dessen «Freiheit» Rapper Curse wieder in die Charts gebracht hat, arbeitet erneut an einem Album. Was passiert, wenn er damit nicht an der Spitze landet, weiß er: «Wenn ich nicht auf Nummer 1, sondern nur auf Nummer 2 bin, ist da gleich großes Flügelschlagen. Aber ich mache mich davon nicht abhängig.» Ans Aufhören denkt er noch lange nicht. «Worauf ich nicht verzichten könnte, wäre: kreativ zu sein, Songs zu schreiben, Projekte zu produzieren, im Studio zu sein. Meine große Liebe ist es, eine Platte zu machen!», betont er. Auch auf der Bühne zu stehen, genieße er. «Aber es ist nicht so, dass ich nicht darauf verzichten könnte. Dafür ist mein Privatleben viel zu glücklich. Ich bin niemand, der süchtig nach Applaus ist», sagt er ehrlich - nicht arrogant.

dpa-infocom