IVWPixel Zählpixel
kalaydo.de kalaydo.de Jobs Auto kaufen Immobilien Kleinanzeigen Bei kalaydo.de inserieren In der Rhein-Zeitung und ihren Heimatblättern inserieren Zeitungsanzeige aufgeben kalaydo.de
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt

Gift in Lebensmitteln: Skandale und Morde

Berlin - Irisches Schweinefleisch mit möglicher Dioxin-Belastung ist seit September auch nach Deutschland gelangt.

Die Bundesregierung sieht aber keine akute Gesundheitsgefahr. Immer wieder wird Dioxin in Lebensmitteln gefunden - oder gar absichtlich als Gift verwendet.

Unter dem Begriff Dioxin werden mehr als 50 verschiedene Stoffe zusammengefasst. Das bekannteste ist das als Seveso-Gift bekanntgewordene TCDD (2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin). Bereits geringe Dioxin-Konzentrationen gelten als gefährlich für das Immunsystem und sind möglicherweise Krebs erregend. Dioxine entstehen vor allem bei Verbrennungsprozessen oder in der Metallbearbeitung mit hohen Temperaturen. Die einmal in die Umwelt gelangten Gifte bauen sich nur sehr langsam ab und reichern sich deshalb auch im Gewebe von Menschen und Tieren an. 90 bis 95 Prozent der Belastung kommt über die Nahrung in den Körper.

Im jüngsten Skandal um das verseuchte Schweinefleisch ist die Bundesrepublik nicht vorrangig betroffen. Die Sprecherin des Bundesverbraucherministeriums, Ulrike Hinrichs, sagte am Montag in Berlin, dass im fraglichen Zeitraum seit dem 1. September rund 2000 Tonnen irisches Schweinefleisch nach Deutschland gekommen seien. Das Fleisch ging an vier Betriebe in Nordrhein-Westfalen (NRW) und zwei Betriebe in Schleswig-Holstein, teilten Verbraucherschutzorganisationen in Berlin und Düsseldorf mit. CDU und Grüne forderten mehr Kontrollen.

Irland hatte das Schweinefleisch zurückgerufen, nachdem in Schlachtfleisch einiger Betriebe überhöhte Werte des dioxinähnlichen Gemischs PCB (Polychlorierte Biphenyle) festgestellt worden waren. Nach Angaben der irischen Lebensmittelschutzbehörde FSAI tauchte belastetes Fleisch bereits in den Niederlanden, Frankreich und Belgien auf. Verseuchtes irisches Fleisch kann nach Schätzungen der Behörden in bis zu 25 Länder geliefert worden sein.

Lebensmittelskandale wie diesen gab es häufiger. Aber auch in der Politik spielt Dioxin eine Rolle, denn wiederholt sind unliebsame politische Gegner mit Giften aus dem Weg geräumt oder doch zumindest schwer gesundheitlich geschädigt worden.

So kostete ein Anschlag mit Dioxin den ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko im Wahlkampf 2004 fast das Leben. Sein Gesicht ist bis heute davon gezeichnet. Der damalige Oppositionspolitiker war nach einem Essen mit dem Chef des ukrainischen Geheimdienstes, Igor Smeschko, zusammengebrochen. Juschtschenko vermutet die Täter im Umfeld des Ex-Regierungschefs Viktor Janukowitsch.

Der indonesische Menschenrechtler Munir Said Thalib starb 2004, weil ihm auf einem Flug Arsen in die Nudeln gemischt wurde. Der Geheimdienst soll den Mord in Auftrag gegeben haben.

Zu den spektakulärsten Fällen gehört der «Regenschirm-Mord» an dem bulgarischen Dissidenten Georgi Markow im Jahr 1978. Damals wurde der Schriftsteller in London von einem Passanten mit einem Regenschirm am Bein verletzt. Die Schirmspitze war mit dem Pflanzengift Ricin präpariert. Markow starb wenig später. Angeblich hatte der damalige bulgarische Staatschef Todor Schiwkow Agenten den Mord befohlen. Der sowjetische KGB gab zu, «technische Hilfe» geleistet zu haben.

Auf das Konto des KGB gingen auch zwei Giftmorde an Dissidenten in Deutschland. 1957 wurde der Exil-Ukrainer und -Politiker Lew Rebet in München mit einer Giftgaspistole ermordet. Mit der selben Waffe wurde 1959 sein Landsmann Stefan Bandera ebenfalls in München getötet.

dpa-infocom