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Prozess nach Deutschlands größtem Massengentest

Dresden - Nach Deutschlands größtem Massengentest steht ein mutmaßlicher Vergewaltiger zweier Kinder von heute an vor dem Landgericht Dresden.

Der 33-Jährige ist wegen schweren sexuellen Missbrauchs, Vergewaltigung und Körperverletzung angeklagt.

Der Lkw-Fahrer aus Dresden hatte nach seiner Festnahme im Juni zugegeben, im September 2005 in Dresden-Hellerau eine Neunjährige und Anfang 2006 in Coswig (Kreis Meißen) ein elfjähriges Mädchen entführt, vergewaltigt und wieder ausgesetzt zu haben.

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Die Fahndung dauerte fast drei Jahre. Sie entwickelte sich mit einer DNA- Reihenuntersuchung zu Deutschlands größtem Massengentest. Rund 30 000 Männer zwischen 25 und 45 Jahren waren zur Speichelabgabe gebeten und überprüft worden. Auf die richtige Spur kamen die Ermittler zugleich per Rasterfahndung.

In der Polizeiarbeit ist die DNA-Analyse inzwischen ein wertvolles Instrument zur Beweisführung geworden. Doch Tests, die Aufschluss über die Erbanlagen geben, werden genauso bei Vaterschaftstests und bei medizinischen Anfragen eingesetzt.

In der Wissenschaft ist inzwischen die komplette Aufschlüsselung von Genomen möglich. Erst kürzlich gelang es Forschern des staatlichen Bioinformationszentrums (KOBIC) und der Gachon-Universität für Medizin und Wissenschaft in Südkorea, das vollständige persönliche Genom des Forschungsleiters und Krebsspezialisten Kim Seong Jin in sieben Monaten zu sequenzieren. Die Kosten dafür hätten sich auf 1,05 Milliarden Won (etwa 565 000 Euro) belaufen. Es ist das fünfte persönliche Genom, das veröffentlicht wird.

Die Zahl der Menschen, denen Daten über die Sequenz ihres Erbguts zur Verfügung stünden, könnte bereits 2009 in die Hunderte und in einigen Jahren in die Tausende gehen, wurde Kims Kollege von der Gachon-Universität, Ahn Sung Min, von der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert. Die Kosten für die DNA-Sequenzierung könnten auf rund eine Million Won und die Zeit für die Erstellung der Sequenz auf weniger als eine Stunde reduziert werden.

Anfang November hatten US-Forscher im britischen Fachjournal «Nature» berichtet, dass sie mit neuartigen Maschinen das Erbgut eines Afrikaners in nur acht Wochen entziffert hätten. Sie benötigten dafür nur 100 000 Dollar (78 000 Euro). Chinesische Genetiker hatten in derselben Ausgabe von «Nature» geschrieben, dass sie in ähnlicher Zeit das Erbgut eines Han-Chinesen sequenziert hätten. Namentlich haben DNA-Mitentdecker James Watson und der US-Gen-Pionier Craig Venter ihre Erbgutsequenzen veröffentlicht.

Forscher in aller Welt erhoffen sich von der DNA-Sequenzierung medizinische Fortschritte. Mit Hilfe der Genomanalyse könnten beispielsweise Risikogene für bestimmte Krankheiten aufgespürt werden.

Noch aber stößt die Forschung an Grenzen. Das offenbarte jüngst der Fall einer Ehefrau aus Nordrhein-Westfalen, die mit dem Zwillingsbruder ihres Mannes fremdgegangen war. Weil das Erbgut der beiden Männer gleich ist und DNA-Tests keinen Aufschluss geben können, muss der Ehemann aus dem Raum Soest jetzt die Vaterschaft für das möglicherweise aus einem Seitensprung entstandene Kind übernehmen, entschied das Oberlandesgericht in Hamm in zweiter Instanz (9 UF 132/05).

Es gebe keine Möglichkeit , einen Nachweis zu führen, dass das Kind nicht von ihm stammt, urteilte das Oberlandesgericht. Medizinische Gutachten kamen zu dem Ergebnis, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind vom Zwillingsbruder stammt, bei exakt 50 Prozent liegt.

Die Ehefrau des Klägers hatte zugegeben, in der Empfängniszeit 1998 sowohl mit ihrem Mann als auch mit dessen Zwillingsbruder Sex gehabt zu haben - häufiger aber mit dem Bruder. Diese Tatsache reichte dem Gericht nicht aus. Es sei allein aus der Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs nicht mit hinreichender Sicherheit zu schließen, dass der Zwillingsbruder der Vater des inzwischen zehn Jahre alten Kindes ist. Damit müsse der Ehemann die Vaterschaft übernehmen, weil er zur fraglichen Zeit mit der Kindsmutter verheiratet war.

dpa-infocom