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Heino wird 70

Bad Münstereifel - Ihn erkennt man sofort: Blondes Haar, schwarze Sonnenbrille - das ist Heino.

Die künstlichen Markenzeichen sind zeitlos, haben Glanz- und Krisenzeiten überlebt. Heino ist Heino geblieben, das personifizierte deutsche Volkslied.

«Volksmusik ist ein Stück unseres Kulturguts. Dieses Liedgut darf nicht nicht verrotten und kaputtgehen», sagt Heino bei einem Treffen in seinem «Rathaus-Café» in Bad Münstereifel. Heute wird der Mann mit der Sonnenbrille und der unverkennbaren Stimme 70 Jahre alt.

Die Musikanlage im Café spielt Heino, für Hintergrundmusik etwas zu laut. Heino auf Fotos, Heinos Auszeichnungen in Glasvitrinen und Heino in natura vor einem Glas Wasser. «Meine Freizeit verbringe ich hier. Das ist hier meine Welt. Hier fühle ich mich wohl, weil man Menschen trifft, die bodenständig und nicht abgedreht sind», sagt er.

Selbst aus der Nähe betrachtet ist die Brille zu dunkel, um dem eher zurückhaltenden Menschen in die Augen zu schauen. Heino trägt sie immer, auch nachdem die Fehlstellung eines Auges längst korrigiert ist. «Meine Augen haben sich daran gewöhnt. Ich fühle mich wohler so». Das Gesicht hinter der Brille ist für den anschließenden Fototermin geschminkt. Ehefrau Hannelore ist noch beim Frisör.

Heino heißt immer nur Heino. Die Anrede mit bürgerlichem Namen «Herr Kramm» findet er konventionell. Er mag es, wenn die Menschen ihn jenseits der Bühne an seiner Stimme erkennen und ihn mit «Hallo Heino» ansprechen. «Wenn mich jemand ansprechen würde: "Haben Sie früher mal gesungen?" - wie peinlich wäre das denn!», sagt der Mann, der in der Blütezeit des Beats die Menschen mit deutscher Volksmusik erfreuen wollte.

1966 produzierte er seinen ersten Hit «Jenseits des Tales». «Wir fanden keine Berufsmusiker, weil die alle verseucht waren von Rock und Beat», erinnert er sich. Das Stück wurde mit Hobby-Musikern eingespielt. Ein Richter spielte Blockflöte, ein Buchhalter saß am Schlagzeug und Produzent und Heino-Entdecker Ralf Bendix griff in die Gitarre. «Erst danach haben sich die Berufsmusiker herabgelassen, mit mir zu spielen.»

Es begann eine Karriere mit über 50 Millionen verkauften Tonträgern in Deutschland. Heino kennt in Deutschland fast jeder. Dass ihn nur jeder zweite mag, nimmt er gelassen. «Die mich damals nicht mochten, das waren die aus der Szene der 68er. Die hab ich nicht ernst genommen. Ich hab auch keinen Groll gehegt, dass mich die 68er in die Nazi-Ecke stellen wollten», sagt er unaufgeregt.

Der SPD-Grande Willy Brandt habe ihn gemocht - bis Heino die drei Strophen des Deutschlandlieds sang. Das sei eine Auftragsproduktion für den damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger gewesen, für den Schulunterricht, sagt Heino. Das war das Ende der Brandtschen Sympathie. «Wen kümmert es. Ist mir doch wurscht, ob Brandt nicht mehr Heino hört», sagt der Sänger, als wäre es heute passiert. «Ich habe mehr erreicht, als ich mir erträumt habe. Ich konnte nicht mit so viel Erfolg rechnen.»

Für ihn zählen die Fans. Bei seiner Abschiedstournee 2005 schrieben sie ihm: «Du bist der Retter des deutschen Volkslieds. Wir brauchen Dich noch.» Diese Ehre nimmt er gerne an. Volksmusik sei anfangs beim deutschen Radio kein Thema gewesen. «Der erste Sender, der mich gespielt hat, war Radio Luxemburg.» Heute gibt es Volksmusik zur besten Sendezeit im Fernsehen. Das sei auch sein Verdienst.

Im letzten Jahr gab es Wirbel , als er eine Benefiz-Tournee absagte, weil er krank wurde. Nun ist er wieder fast der Alte, sagt er. «In den letzten Wochen geht es fast wie früher. Wenn das anhält, werde ich die Tournee vielleicht nachholen».

Mit dem 70. Geburtstag ist für den Sänger nicht Schluss. «Solange mich der liebe Gott singen lässt und ich in der Verfassung bin, werde ich singen. Singen ist mein Lebensinhalt. Ich kann nichts anderes.» Er habe genügend Angebote für neue Projekte. Die ARD hat die Geburtstagsfete für ihn aufs nächste Jahr verschoben. Was Heino an seinem Ehrentag macht? «Hannelore wird etwas organisieren.»

dpa-infocom