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Täuschung und Intrige: Spionagemuseum in Washington

Washington Spionage wird als «zweitältestes Gewerbe der Welt» bezeichnet - und es ist nicht weniger aufregend und wohl auch ebenso verrucht wie das angebliche «älteste Gewerbe», die Prostitution.

Seit Jahrtausenden forschen Menschen andere aus und ebenso lange sind sie fasziniert von Intrige und Täuschung sowie den jeweils jüngsten, technischen Spielereien. Ein Museum in Washington widmet sich der abenteuerlichen, schillernden Vergangenheit dieser geheimnisumwobenen Zunft. In dem größten Spionagemuseum der Welt werfen fast eine Million Besucher im Jahr Blicke hinter die Kulissen einer geheimen Welt.

Drei Autos symbolisieren das Museum , dass nur ein paar Gehminuten vom Weißen Haus oder auch dem FBI-Hauptquartier entfernt liegt. Es ist ein Aston Martin, wie ihn James Bond in «Goldfinger» fuhr, original mit drehbarem Nummernschild und Maschinengewehr. Das zweite ist ein Kleinwagen, an dem Puppen symbolisieren, unter welchen abenteuerlichen Bedingungen Menschen aus dem Ostblock flohen. Und es ist ein Trabant, der in einer nachgebauten Berliner Seitenstraße («City of Spies») steht und den Mauerfall symbolisiert. Zwischen der Hollywood-Spionage und der tragischen Realität sind nur ein paar Meter.

«Unsere Besucher sollen etwas lernen, aber sie sollen auch nicht einschlafen», umreißt Thomas Boghardt das Konzept des Museums. «Das ist ein schmaler Grat zwischen Unterhaltung und Bildung, aber unsere Besucherzahlen scheinen uns zu bestätigen.» Der Historiker aus Hamburg ist seit vier Jahren einer der Fachberater in dem Museum und und publiziert auch selbst: «Wir sind ganz klar eine historische Sammlung und eine Forschungseinrichtung. Aber wir haben auch Schulklassen hier, denen wir etwas über Geschichte erzählen wollen, ohne sie zu langweilen.»

Und so ist das Spy Museum ein sehr amerikanisches Museum. Man kann alles anfassen, ausprobieren und wird ständig zum Mitmachen animiert. «Was ist hier verdächtig?», fragt ein großes Bild gleich am Eingang. Zu finden sind «tote Briefkästen», in denen Agenten Nachrichten hinterlassen könnten. Der Blumentopf im Fenster, die Zigaretten auf dem Tisch - könnte das ein Signal für eine neue Nachricht sein?

Mitten in der Ausstellung steht das Trojanische Pferd - «ein Artefakt des zweitältesten Gewerbes der Welt», sagt Boghardt. Ein Brief von Mata Hari findet sich ebenso wie Brieftauben mit Kamera, tote Ratten als Filmversteck oder ein schießender Lippenstift. Man lernt die Vorteile gläserner Schreibtische kennen, weil sie kaum Verstecke für Wanzen bieten, und erfährt, womit man Gegner ausschalten kann: Gift im Regenschirm, Zigarettenschachteln mit Treibsatz, Koffer mit Starkstrom im Griff. Deutsch liest man oft. Nicht aus dem Zweiten Weltkrieg oder vom BND, deren Spionage war höchstens Durchschnitt. Doch die Stasi hat sich mit Geschick und vor allem Skrupellosigkeit in der Geschichte verewigt.

«Finde das Aufklärungsflugzeug und die chinesischen Jäger», heißt es unter einem Satellitenbild der chinesischen Insel Hainan. Die Jäger sind mit der Lupe schnell gefunden, doch der 2001 notgelandete und von den Chinesen festgehaltene Aufklärer bleibt lange verborgen. Noch schwieriger ist es, auf Satellitenbildern der pakistanischen Wüste die Terrorcamps von Osama bin Laden zu finden, doch auch sie werden, mit etwas Hilfe, entdeckt. Am nächsten Platz kann man unter dem Kopfhörer lernen, das Sonarsignal von U-Booten von denen von Walen zu unterscheiden. Ein Zwölfjähriger schafft es erst nach langem Probieren.

«Auch ich war bei diesen spielerischen Aspekten skeptisch, aber für 16, 17 Dollar muss man den Leuten schon was bieten», sagt Boghardt. Denn im Gegensatz zu den staatlichen und kostenlosen Smithsonian-Museen ist das Spy Museum in privater Hand. Etwa 120 Angestellte betreuen die Besucher und vor allem die Sammlung. Praktisch alles seien Originale, betont Museumssprecherin Amanda Abrell. «Die amerikanischen Behörden rücken nur historische Sachen heraus. Aber aus Osteuropa haben wir viele interessante Stücke bekommen», sagt sie. Da man diese Dinge öffentlich ausstellen wolle, seien alle legal erworben und eingeführt. «Aber ganz auszuschließen sind 'dunkle Kanäle' in der Branche nie.»

Grundsätzlich sei das Verhältnis zu den Geheimdiensten gut, sagt Boghardt. «Die waren erst skeptisch, aber dann haben die gesehen, dass wir uns sehr ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen.» Museumsdirektor Peter Ernest war selbst 35 Jahre bei der CIA, Berater Oleg Kalugin war Generalmajor beim KGB. «Wir bemühen uns um eine sachliche Darstellung, nicht um Gut und Böse», betont Boghardt. Von Chris Melzer, dpa

dpa-infocom