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Ford Ka: Ein Hauch von James Bond im Kleinformat

Hamburg Kleinwagen stehen bei den Autokäufern in Europa derzeit hoch im Kurs. Selbst der britische Geheimagent James Bond lässt offenbar immer häufiger seine ebenso potenten wie versoffenen Sportwagen stehen.

Ein gut getarnter Zwilling des Fiat 500

Stattdessen wechselt der Agent politisch korrekt auf einen Cityflitzer - zumindest im aktuellen Kinoknüller «Ein Quantum Trost», in dem jetzt der neue Ford Ka seinen Einstand gibt. Während Bond-Darsteller Daniel Craig schon ein paar Runden drehen durfte, müssen die Kunden zwar noch bis Februar warten. Doch werden sie den Kleinwagen dann kaum wiedererkennen. Denn bis auf Namen hat der Ka nichts mehr mit dem Vorgänger gemein. Statt das alte Konzept weiter zu entwickeln, hat Ford ein Kooperationsabkommen mit Fiat geschlossen und das Auto vom Cinquecento abgeleitet. Ansehen kann man den beiden 3,62 Meter langen Kleinwagen ihre Verwandtschaft allerdings nicht: Während Fiat den augenzwinkernden Blick in die eigene Vergangenheit wagt und mit den Formen aus den 50er Jahre spielt, gibt sich der Ford bewusst modern: Statt Kulleraugen trägt er scharf geschnittene Scheinwerfer, statt eines freundlichen Lächelns hat er einen entschlossenen Gesichtsausdruck. Und wo man dem Fiat 500 liebevoll die Pausbacken tätscheln möchte, trägt der Ka ansatzweise Muskeln, Ecken und Kanten.

Modern und bunt wie ein Plattencover von Pink Floyd

Auch innen ist der Retro-Charme wie weggeblasen. Stattdessen wirkt der Ka frisch, frech und modern: Die Lüftungsdüsen erinnern an das Raumschiff Enterprise, die Mittelkonsole ragt zwischen den Passagieren auf wie ein Spielautomat in der Daddelbude. Und wer eines der drei optionalen Styling-Pakete bestellt, sitzt in einer quietschbunten Höhle, die Pink Floyd selbst im ärgsten LSD-Rausch nicht poppiger gestaltet hätte.

Vorne bietet der Ka viel Platz, aber hinten wird's eng

Dabei ist der Ka nicht nur schön anzusehen und gut anzufassen, sondern er bietet zumindest in der ersten Reihe auch überraschend viel Freiraum für Beine, Bauch und Kopf. Nur im Fond geht es - was will man bei 2,30 Metern Radstand auch erwarten? - ziemlich eng zu. Nicht umsonst hat Ford den Ka zum Viersitzer degradiert. Der Kofferraum dagegen verdient schon wieder Lob. Zwar kann man die große Klappe nur mit dem Schlüssel öffnen, und die Ladekante würde sich auch gut als Hürde bei den Olympischen Spielen machen. Doch 224 Liter Ladevolumen sind ein respektables Maß, das für einen großen Wochenendeinkauf ebenso ausreicht wie für einen Kurzurlaub.

Der Benziner ist die bessere Wahl

Auch für den Antrieb haben sich die Kölner in Turin bedient und neben einem 1,3 Liter großen Diesel mit 55 kW/75 PS vor allem einen kleinen Benziner ausgewählt, der aus 1,2 Litern Hubraum 51 kW/69 PS schöpft. Auf dem Papier wirkt der Vierzylinder mit 102 Newtonmetern Drehmoment und einem Sprintwert von 13,1 Sekunden zwar schmalbrüstig. Doch mit weniger als einer Tonne Leergewicht und einem knackigen Fünfganggetriebe ist der Ka damit in der Stadt flott und spritzig unterwegs. Und der Verbrauch von 5,1 Litern (CO2-Ausstoß: 119 g/km) geht auch in Ordnung. Der Diesel braucht zwar nur 4,2 Litern (112 g/km), kostet aber 2000 Euro mehr und lohnt sich deshalb nur für die wenigsten.

Das beste Fahrwerk diesseits des Minis

Während Ford bei den Motoren lediglich eine andere Plakette auf die Abdeckung geprägt hat, haben die Ingenieure in Köln am Fahrwerk kräftig Hand angelegt. Mit neu justierter Servolenkung und modifizierter Federung fährt der Ka deshalb so stramm und präzise wie in diesem Format sonst nur der Mini. Natürlich ist der kleine Kölner lange nicht so stark und sportlich wie das britische Erfolgsmodell von BMW. Doch in der Stadt ist der Ka schön handlich und agil, auf der Landstraße schwirrt er durch die Kurven wie ein Inlineskater und auf der Autobahn ist er so komfortabel, dass einem auch vor der Fahrt in den Italien-Urlaub nicht bange werden muss.

Ärgerliche Lücken in der Ausstattung

Auch wenn der Ka auf der Straße seinem großen Bruder Fiesta in nichts nachsteht, kann er seine Rolle als Preisbrecher und Einstiegsmodell nicht verhehlen. Zwar gibt es wie in den Klassen darüber auf Wunsch sogar eine beheizte Frontscheibe und Sitzheizung. Doch das Basismodell wirkt auch mit vier serienmäßigen Airbags vergleichsweise nackt. Und dass Ford für das ESP in allen Versionen Aufpreis verlangt, will nicht so recht zum Zeitgeist passen.

Fazit: Mit dem Ka fährt Ford der Konkurrenz davon

Trotzdem hat Ford im internationalen Wettbewerb mit dem neuen Ka zumindest gleichgezogen und jetzt wieder eine attraktive Alternative zu Autos wie dem Toyota Aygo oder dem Renault Twingo im Rennen. Und den Konkurrenten VW und Opel sind die Kölner sogar um Längen voraus. Denn bis zum Debüt des Up! und eines kleinen Bruders für den Corsa sucht man solch ein Angebot in Wolfsburg und Rüsselsheim vergebens.

DATENBLATT: Ford Ka 1.2 l Titanium
Motor und Antrieb: Vierzylinder-Benziner
Hubraum: 1242 ccm
Max. Leistung: 51 kW/69 PS bei 5500 U/min
Max. Drehmoment: 102 Nm bei 3000 U/min
Antrieb: Frontantrieb
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Maße und Gewichte:
Länge: 3620 mm
Breite: 1658 mm
Höhe: 1506 mm
Radstand: 2300 mm
Leergewicht: 940 kg
Zuladung: 380 kg
Kofferraumvolumen: 224 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 159 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 13,1 s
Durchschnittsverbrauch: 5,1 Liter/100 km
Reichweite: 670 km
CO2-Emission: 119 g/km
Kraftstoff: Super
Schadstoffklasse: EU4
Kosten:
Basispreis der Modellreihe: 9750 Euro
Grundpreis des Ka 1,2 l Titanium: 10 750 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer pro Jahr: 88 Euro/Jahr
alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: Front-, Seiten-Airbags
Komfort: Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung

dpa-infocom


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