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Lancia Delta: Der feine Unterschied

Hamburg «Delta» ist nicht nur ein griechischer Buchstabe. Der Begriff markiert in der Mathematik auch den Unterschied zwischen zwei Größen. Und genau diesen Unterschied macht jetzt auch Lancia wieder zum Thema.

Elegantes Lebenszeichen

Denn als ebenso elegante wie überraschende Alternative zu den gesichtslosen Massenmodellen in der Kompakt- und Mittelklasse hat die noble Fiat-Tochter jetzt ein Auto gleichen Namens an den Start gebracht. Für Lancia ist der neue Delta allerdings mehr als ein neues Modell: Er ist das Lebenszeichen einer Marke, die zwar schon über 100 Jahre besteht, auf deren Zukunft aber bis vor kurzem kaum einer gewettet hätte.

Ein Fiat Bravo im eleganten Smoking

Dass der Delta sich eine Plattform mit vergleichsweise schnöden Autos wie dem Fiat Bravo teilt, sieht man dem Hoffnungsträger nicht an. Mit einem Radstand von 2,70 Metern und einer Länge von 4,50 Metern sprengt er die Grenzen der sogenannten Golfklasse und klopft zaghaft in der Liga darüber an. Das merkt man vor allem im Fond, der schon in der Standard-Konfiguration überdurchschnittlich geräumig ist. Weil sich zudem die beiden Hälfte der Rückbank um zwei Handbreit verschieben lassen, genießen Sitzriesen auch in der zweiten Reihe auf Wunsch mehr Beinfreiheit als im Erste-Klasse-Abteil des ICE. Auf ausreichend Kofferraumvolumen müssen sie dabei nicht verzichten: Selbst wenn die Rückbank ganz nach hinten geschoben ist, passen hinter die steil stehende Glasklappe noch 380 Liter und damit mehr als zum Beispiel in einen Golf. Wer der Kniefreiheit minimiert, kann maximal 465 Liter einladen, und bei umgeklappter Rückbank fasst der Delta mehr als das Doppelte. Allerdings ist die Ladekante recht hoch, und dahinter geht es erst einmal wieder tief hinunter.

Ein Hauch von Noblesse in der Kompaktklasse

Aber der Wagen ist nicht nur groß und geräumig, sondern auch sehr elegant: Das gilt nicht nur für das wallende Blechkleid mit dem verchromten Wappengrill, den großen Scheinwerfern, den breiten Hüften und der Option auf eine zweifarbige Lackierung mit schwarz abgesetztem Dach. Auch der Innenraum hinterlässt einen guten Eindruck: Die Materialauswahl ist vornehm, die Verarbeitung zumindest sorgfältig. Ein paar schmucke Chromleisten sowie ab dem zweiten Ausstattungsniveau auch Alcantara und Leder bringen zudem einen Hauch von Noblesse ins obere Ende der Kompaktklasse. Dabei soll der Lancia gar nicht Premium sein, sagt Markenchef Ferdinand Kaiser, sondern eine verführerische Alternative. Das zeigt nicht zuletzt der Preis, der bei 19 990 Euro beginnt. Natürlich sind Golf, Astra oder Focus deutlich billiger. Doch bietet der Lancia nicht nur mehr Platz, sondern auch die bessere Ausstattung. Neben sieben Airbags und einem ESP mit überdurchschnittlich vielen Stellschrauben gibt es auch CD-Radio, Klimaanlage, LED-Tagfahrlicht und ein statisches Kurvenlicht.

Ein Technologieträger für Marke und Konzern

Weil der Delta für Lancia und den Mutterkonzern Fiat auch ein Technologieträger sein soll, bieten die Italiener eine ellenlange Aufpreisliste mit einer ganzen Reihe von Komfort- und Assistenzsystemen, die in dieser Klasse Seltenheitswert haben. So bügelt auf Wunsch ein aktives Fahrwerk alle Unebenheiten glatt oder presst den Delta wie ein Brett auf die Fahrbahn. Eine Videokamera und ein Elektromotor im Lenkrad bringen unaufmerksame Fahrer zurück auf den rechten Weg. Eine zweite Videokamera vermisst im Vorbeifahren Parklücken und lotst den Delta halbautomatisch auf seinen Stellplatz, und die Xenon-Scheinwerfer leuchten in die Kurve.

Schon der kleinste Diesel macht großen Spaß

Vom fortschrittlichen Anspruch zeugt auch die Motorpalette, in der ausschließlich aufgeladene Aggregate mit dem Zeug zur Schadstoffnorm Euro 5 zum Einsatz kommen - darunter der erste italienische Diesel mit einem zweistufigen Registerturbo und ein aufgeladener Benzindirekteinspritzer. Mit je drei Dieseln und drei Benzinern kommt der Delta so bis auf 147 kW/200 PS. Doch reicht schon der kleinste Diesel mit 88 kW/120 PS für ordentliche Fahrfreude: Angenehm leise und kultiviert beschleunigt der Fünftürer bei geschicktem Umgang mit dem etwas teigigen Sechsgang-Getriebe mit maximal 300 Newtonmetern in 10,7 Sekunden auf Tempo 100 und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 195 Kilometern pro Stunde. Dabei wird aus dem groß gewachsenen Kompakten an der Tankstelle beinahe ein Kleinwagen: Denn zumindest im Normzyklus ist der Diesel mit 4,9 Litern zufrieden.

Fazit: So kann für Lancia die Zukunft kommen

Natürlich wird ein neues Modell nicht reichen, um die Marke Lancia wieder vollends zum Leben zu erwecken. Doch ist der Delta ein vielversprechender Anfang. Denn das Design ist gelungen, die Ausstattung fortschrittlich und der Preis attraktiv. So macht der Italiener in der umkämpften Kompaktklasse buchstäblich den feinen Unterschied.

DATENBLATT: Lancia Delta 1.6 Mulitjet 16v Argento
Motor und Antrieb: Vierzylinder-Common-Rail-Diesel
Hubraum: 1598 ccm
Max. Leistung: 88 kW/120 PS bei 4400 U/min
Max. Drehmoment: 300 Nm bei 1500 U/min
Antrieb: Frontantrieb
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Maße und Gewichte:
Länge: 4520 mm
Breite: 1797 mm
Höhe: 1497 mm
Radstand: 2700 mm
Leergewicht: 1485 kg
Zuladung: 495 kg
Kofferraumvolumen: 380 bis 1190 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 10,7 s
Durchschnittsverbrauch: 4,9 Liter/100 km
Reichweite: 1160 km
CO2-Emission: 130 g/km
Kraftstoff: Diesel
Schadstoffklasse: EU4
Kosten:
Basispreis der Modellreihe: 19 990 Euro
Grundpreis des 1,6 Multijet 16v Argento: 22 400 Euro
Typklassen: KH 20/VK 19 /TK 21
Kfz-Steuer pro Jahr: 247 Euro/Jahr
alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: ESP, Front-, Seiten-, Vorhang- und Knie-Airbag, Kurvenlicht
Komfort: Klimaanlage, CD-Radio, verschiebbare Rückbank

dpa-infocom


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