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Bürgerlichkeit: Der neue Wohn-Trend

Berlin/Frankfurt/Main Die neuen Wohntrends: Gerade waren es noch die 1980er Jahre, die mit Stahlrohr und schwarzem Leder die Yuppie-Ära zurück in die Wohnung brachten.

Doch angesichts bröckelnder Aktienkurse und Bankenpleiten geht es nicht nur bei der Geldanlage, sondern auch bei der Möblierung in eine neue Richtung: Beständige Werte sind jetzt gefragt. Ohne einen soliden Eindruck geht bei Sesseln, Sofas, Schränken, Vasen und Geschirr derzeit nichts. Damit ist die neue Bürgerlichkeit auch in der Einrichtung angekommen.

Stilistisch bedienen sich die Designer dabei vor allem beim klaren, reduzierten Art-Déco-Look der 1920er und 1930er Jahre. «Classic Return» nennt Oliver Schmid vom Trendforschungsbüro «Politur» in Berlin diese neue schlicht-elegante Rückwärtsbewegung. Es handle sich dabei aber - anders als bei den vorhergehenden Wellen in den 1970er- und 1980er-Jahren - nicht um einen Retrotrend. «Es interessiert nicht in erster Linie der Stil, sondern der Wert.»

«Die Kunden werden qualitätsbewusster», beobachtet auch Kerstin Männer von der Messe Frankfurt, die mehrere große Einrichtungsschauen organisiert. Es werde weniger, dafür aber besser gekauft, gemäß dem Motto: «Was gut ist, hat seinen Preis». Und es gehe weg vom Marken-Hype: Nicht mehr der Name, nur das Produkt an sich zählt: «Es geht nicht darum, andere zu beeindrucken - das Möbel muss zu mir passen.» Funktionell, hochwertig und komfortabel sollen die Dinge sein.

Das alles sei aber keineswegs mit einer Sehnsucht nach der sogenannten guten alten Zeit zu verwechseln. Zwar erleben laut dem Trendexperten zahlreiche Produkte und Materialien ein Comeback, die sich bereits bewährt haben. «Es geht nicht darum, alte Werte zurückzuholen, es geht um Nachhaltigkeit. «Gutes wird in das moderne Leben integriert», so Schmid. Und das Design habe etwas Bekanntes, Vertrautes und Gediegenes. Die Umsetzung sei aber dennoch ausgesprochen modern.

«Es werden Art Déco-Zitate verwendet, die Formensprache ist dabei aber ganz modern», sagt auch Stefanie Breitbarth vom Einrichtungsunternehmen Lambert aus Mönchengladbach. Als «Handwerk trifft auf High-Tech» beschreibt sie die neue Kollektion «Urban Glamour», in der es auf eine «städtische Weise» um Luxus und Eleganz gehe. Die Ära des Art Déco, das sei auch die Zeit des Jazz, der großen Ozean-Dampfer und Hollywood-Filme gewesen. Das färbt auf das neue Klassik-Design ab: Klar, schnörkellos und großzügig sind die Formen, edel und dezent die Farben: Weiß, Schwarz, Silbergrau herrschen vor, dazu kommen als Akzente kühles Blau, Violett und ähnliche Edelsteinfarben.

Die Materialien haben überwiegend einen luxuriösen Charakter. «Samt, Leder und Holz» sind für Oliver Schmid typisch. Dazu kommen ungewöhnliche Werkstoffe wie Stein, aus dem zum Beispiel Vasen und Schalen angefertigt werden. Die Natur ist gerade bei Materialien und Oberflächen die wichtigste Inspirationsquelle. Gaben in den vergangenen Jahren sehr glatte, oft polierte Oberflächen den Ton an, sind nun gröbere Strukturen im Kommen, heißt es bei der Messe Frankfurt. Da wird geschliffen und sandgestrahlt, gehämmert und geätzt - oder auch kunstvoll genäht, gestickt und gesteppt.

Bei Kissen zum Beispiel löst das Spiel mit unterschiedlichen Oberflächen den einheitlichen Look ab. Fellimitate, Stickereien, Reliefs, Teppichoptiken, Glitzersteine: Hersteller wie das dänische Unternehmen BoConcept mixen die Kissenhüllen wild und brechen so die geradlinige Ordnung der neuen Sofas. Dazu kommen Decken und Überwürfe aus kuscheligen Edelmaterialien oder auch mit Raffungen und Rüschen, zum Beispiel bei Ikea.

Bei Polstermöbeln zählen Ziernähte zu den wichtigsten Gestaltungselementen. Ein Beispiel dafür ist der Sessel «Moël», den die Designerin Inga Sempé für den Hersteller Ligne Roset entworfen hat. Die vieleckige Form der Sofas und Sessel erinnert an einen geschliffenen Diamanten, die Steppnähte verstärken diesen Eindruck.

Rund gefälteltes Leder findet sich dagegen beim italienischen Unternehmen Poltrona Frau: Der Hocker «esedra» wirkt ein wenig wie ein perfekt geformter Kürbis. Und die Designer von Rolf Benz aus dem baden-württembergischen Nagold setzen beim neuen Sofaprogramm «325» für die besondere Haptik ganz klassisch auf eine Karo-Steppung.

Dass bei Polstermöbeln Nähte nicht versteckt, sondern betont werden und viele Wohn-Accessoires einen selbst gemachten Touch haben - auch das ist typisch für die neue Wertewelt. Solche Details sollen alte Handwerkskunst signalisieren, die in sich wandelnden Zeiten zumindest ein wenig Verlässlichkeit verspricht. Von Sandra Cantzler, dpa

dpa-infocom


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