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Bechern unterm Baum - Weihnachten ist Alkohol-Hochsaison

Rostock Alle Jahre wieder bescheren die dunklen Dezember-Wochen den Menschen nicht nur heitere Feiertagslaune.

Wenn sich die Finsternis der kurzen Tage mit persönlicher Niedergeschlagenheit mischt, greift mancher fast schon reflexartig zur Flasche.

Zumindest bei suchtanfälligen Charakteren wandelt sich die Funktion des Alkohols im trüben Winter oft grundlegend: vom Spaßbeschleuniger im Familien- und Freundeskreis zum vermeintlichen Allheilmittel gegen psychische Probleme. Experten warnen jedoch vor einer Verharmlosung des Hochprozentigen. Denn Lust und Frust des Trinkens liegen mitunter gefährlich dicht beieinander.

«Die Weihnachtszeit ist immer und überall die Alkohol-Hochsaison», sagt der Medizin-Professor Horst Klinkmann. Der Chef des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern glaubt aber, dass sich das Klischee von den besonders trinkfesten Nordlichtern durchaus mit der Lebenswirklichkeit vieler seiner Landsleute deckt. «Die Häufigkeit von Depressionen und die Anfälligkeit für Drogen nehmen in den langen, düsteren Nächten zu.» Dies sei auch in den skandinavischen Ländern so. «Beim Alkoholkonsum gibt es in Europa ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Warum sollten wir das verschweigen?»

Gerade «zwischen den Jahren» seien ihm als praktizierendem Arzt schlimmere Einzelfälle gemeldet worden als an anderen Wintertagen. Was auf den ersten Blick paradox erscheint, untermauert der frühere Direktor der Klinik für Innere Medizin an der Universität Rostock mit einer gesellschaftlichen Erklärungsvariante: «Wir dürfen nicht vergessen, dass nicht alle Menschen wohlbehütet feiern. Manchmal sind Verzweiflung und Einsamkeit zu Weihnachten besonders groß.» Das zeige sich bei Erwachsenen ebenso wie bei Teenagern. «Koma-Saufen bei den Jüngeren kann ein wichtiges Warnsignal sein», meint Klinkmann.

Nicht umsonst dient das Trinkgebaren unterm Weihnachtsbaum vielen Fachleuten als ein Gradmesser, mit dem sich allgemeine Trends des Suchtmittelkonsums identifizieren lassen. «Komatöses Trinken gilt immer noch als chic», gibt Klinkmann zu bedenken. «Der Gesetzgeber hat hier Verantwortung, aber die Zunahme der letzten Jahre deutet doch auf ein massives Versagen hin.»  So müsse die Politik mehr tun, um etwa das sogenannte Flatrate-Saufen einzuschränken.

Wie schnell sich gelegentliches «Volltanken» speziell im Nordosten der Republik zu einer chronischen Krankheit entwickeln kann, weiß auch Michael Köhnke. «Wir haben klare Hinweise darauf, dass es hier deutlich mehr Klinik-Aufenthalte infolge von Alkoholsucht gibt als anderswo», sagt der Chefarzt der Rostocker Friedrich-Petersen-Klinik. Jene Diagnose passe überdies zum höheren Pro-Kopf-Verbrauch an der Ostsee-Küste.

Indes helfe es wenig, nur Symptome zu kurieren. Die wirklichen Ursachen des vergleichsweise starken Alkoholkonsums seien sozialer Natur, bestätigt Klinkmann. «Viele trinken nicht wegen des guten Geschmacks, sondern weil sie frustriert sind. Dieser Zusammenhang ist unumstritten.»

Zwar seien die meisten Vorbeuge- und Therapieangebote vorbildlich. Insgesamt, so Klinkmann, müsse die Gesellschaft aber klarer erkennen, dass der Alkoholismus von heute die steigenden Krankenkassen-Beiträge von morgen mit heraufbeschwöre. Zu einem ähnlichen Fazit kommt die Landesstelle für Suchtfragen in Schwerin. Nach ihren Angaben nahm die Zahl derjenigen, die sich wegen akuter Alkoholprobleme an die Beratungszentren des Landes wandten, zwischen 2002 und 2007 um rund zehn Prozent zu. «Es gibt ein gutes Vorbeugenetz, aber noch viel zu tun», meint Köhnke.

Das beste Vorbeugenetz bleibe allerdings eine intakte Familie. Und laut Köhnke kommt auch den Kollegen - beruflicher Stress hin oder her - eine Schlüsselrolle zu. «Eine gute Arbeitsstelle gehört zu den Faktoren, die oft schon von sich aus für Abstinenz sorgen.» Von Jan-Henrik Petermann, dpa

dpa-infocom


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