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Kindesmisshandlungen: Täter werden häufiger angezeigt

Göttingen - Die Zahl der angezeigten schweren Kindesmisshandlungen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Bundesweit wurden 2007 rund 4000 Fälle registriert, mehr als doppelt so viele wie bei der ersten gesamtdeutschen Erhebung im Jahr 1993.

Darauf hat der Direktor des Instituts für Kriminalwissenschaften der Universität Göttingen, Prof. Jörg-Martin Jehle, zum Auftakt der Bundestagung der Deutschen Gesellschaft gegen Kindesmisshandlung und -vernachlässigung (DGgKV) im September in Göttingen hingewiesen.

Jehle sagte, er werte die gestiegene Zahl als «gutes Zeichen». Anlass für diese Entwicklung sei offenbar die zunehmende Sensibilisierung für Gewalt gegen Kinder. Die Täter würden von Nachbarn oder dem Personal von Kindergärten und Schulen häufiger angezeigt als früher. Zu der Sensibilisierung habe auch die Darstellung krasser Einzelfälle von Gewalt gegen Kinder in den Medien beigetragen.

Die Dunkelziffer sei aber nach wie vor extrem hoch, sagte Jehle. Studien seien zu dem Schluss gekommen, dass - je nach sozialer Gruppe - bis zu 30 Prozent der Kinder schwere Misshandlungen in ihrer Familie erlebten. Trotz der vermehrt angezeigten Fälle werde «nur die Spitze des Eisberges» sichtbar. Man könne davon ausgehen, dass jedes Jahr in Deutschland bis zu 100 Kinder an den Folgen von Misshandlungen oder Vernachlässigung sterben, sagte DGgKV-Vorstandsmitglied Bernd Herrmann.

Die Gesellschaft forderte deshalb vermehrte Anstrengungen zum Schutz von Kindern. Dazu gehöre auch mehr Personal in den Jugendämtern und eine bessere Ausbildung der Mitarbeiter. «Dies würde sich auch finanziell für die Gesellschaft lohnen», sagte Herrmann, der als Oberarzt in der Kinderklinik Kassel arbeitet. Wenn man das Ergebnis einer US-Studie umrechne, verursache Kindesmisshandlung in Deutschland pro Jahr rund 30 Milliarden Euro an direkten und indirekten Kosten.

Der DGgKV gehören 650 Institutionen und Privatpersonen an. Die 1994 gegründete Gesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, Fachleuten verschiedener Disziplinen wie Erziehern, Juristen, Medizinern, Pädagogen, Psychologen und Psychotherapeuten ein Diskussionsforum zu bieten, die wissenschaftliche Begleitforschung zu fördern und die Interessen von Opfern und Institutionen gegenüber der Politik zu vertreten.

dpa-infocom