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Gefälschte TÜV-Prüfsiegel gaukeln Sicherheit vor

Köln Dass diese Kabeltrommel in Wirklichkeit niemals vom TÜV geprüft wurde, sieht Ralf Diekmann auf den ersten Blick.

Im eingestanzten Prüfzeichen steht zwar «TÜV» - ansonsten sieht es aber ganz anders aus als ein echtes.

Als Diekmann die Trommel öffnet und das Kabel durchschneidet, schüttelt er nur den Kopf: «Der Hersteller hat zu dünne und zu wenige Kupferdrähte verarbeitet, so dass das Kabel leicht durchschmoren kann - höchste Stromschlag- und Brandgefahr!» Immer wieder stellt der TÜV Rheinland fest, dass Prüfsiegel unberechtigt auf Produkten auftauchen, die aus gutem Grunde nie ein Zertifikat erhalten würden.

Die betroffenen Produkte stammen fast ausschließlich aus dem Ausland. Das Zeichen zu fälschen ist oft ganz einfach: «Das kann in jeder Hinterhofwerkstatt gemacht werden», sagt Diekmann vom Bereich Produktsicherheit des TÜV Rheinland in Köln. «Oft wissen die Fälscher gar nicht, was das Zeichen bedeutet.» Sie sehen es auf einem Original-Produkt und kopieren es, weil es dort nun mal drauf ist oder weil sie gehört haben, dass sich ein Produkt mit diesem Zeichen in Deutschland besser verkauft. Denn dort achten viele Verbraucher beim Kauf von Elektrogeräten, Spielwaren oder Werkzeugen darauf, ob der Gegenstand ein GS-Zeichen für «geprüfte Sicherheit» trägt.

«Das wirkliche schwarze Schaf ist oft nicht der Hersteller in China, sondern ein Zwischenhändler oder ein Importeur», sagt Diekmann. «Die Anweisung kommt meist vom Auftraggeber.» Denn der kann dann viel Geld sparen. Er lässt die Waren mit billigen Materialien in oft mangelhafter Qualität produzieren, während die späteren Abnehmer aufgrund des vermeintlichen Prüfzeichens glauben, dass sie ein «sicheres» Produkt kaufen.

Auch die eigentliche Zertifizierung ist nicht umsonst: Mindestens 3000 Euro kostet die Zuteilung des GS-Zeichens. Denn neben dem Produkt-Test umfasst die Prüfung auch regelmäßige Kontrollen des Herstellungsbetriebs - egal, in welchem Land der sich befindet. «Etwa die Hälfte aller überprüften Produkte fallen im ersten Anlauf durch und müssen nachgebessert werden, ehe sie das GS-Zeichen erhalten», sagt Diekmann. Ist das Siegel einmal verliehen, muss der Hersteller dem TÜV künftig jede noch so kleine Veränderung am Produkt melden.

Rund 400 Verdachtsfälle von Prüfzeichenmissbrauch werden dem TÜV Rheinland jährlich bekannt - bei bis zu 30 000 Zertifizierungen pro Jahr eine geringe Zahl. «Aber die Dunkelziffer ist sehr hoch», sagt TÜV-Juristin Katharina Seidel. Die meisten Fälle blieben unentdeckt. Denn die zuständigen Behörden, die in Geschäften und auf Märkten nach auffälligen Produkten suchen, haben nur eine begrenzte Anzahl von Mitarbeitern. Den Kunden fallen die Fälschungen oft gar nicht auf - und wenn doch, melden sie es nur selten den Behörden.

Bei der Aufdeckung von Fällen arbeitet der TÜV eng mit Prüfbehörden in anderen EU-Ländern und mit dem Zoll zusammen. Wird ein Zeichenmissbrauch festgestellt, kann der TÜV verschiedene Sanktionen verhängen. Nicht gemeldete Produktveränderungen zum Beispiel können zu häufigeren Kontrollen oder sogar zum Entzug des Siegels führen. Ist das Siegel komplett gefälscht, erhält der Hersteller eine Unterlassungserklärung. Der gesetzliche Strafrahmen sieht hohe Geldbußen vor. Wie können Verbraucher Fälschungen erkennen? Auch wenn Prüfsiegel-Fälschungen für ein nicht geschultes Auge oft kaum erkennbar sind, hat der TÜV einige Ratschläge für Verbraucher parat:

- Außer dem bloßen GS-Zeichen muss auf einem geprüften Produkt auch das Zeichen des Prüfinstituts - also zum Beispiel «TÜV Rheinland» - angebracht sein.

- Die Verpackungen müssen deutsche Aufschriften und die Adresse des Herstellers tragen.

- Wenn das Produkt stinkt oder scharfe Ecken und Kanten hat, liegt wahrscheinlich eine Fälschung vor. Im Zweifel sollten Verbraucher die zuständigen Behörden benachrichtigen. Von Petra Albers, dpa

dpa-infocom



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