pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Sportsline ·  » 

Mainz 05

Svensson: Gereift in einer schweren Zeit

Costa Ballena Die Gewichte haben sich verschoben. In das Winter-Trainingslager in Andalusien gestartet ist der FSV Mainz 05 in der Annahme, die Innenverteidigung sei eventuell unterbesetzt.

Während inzwischen im Sturm Personalnot herrscht, hat sich das Abwehrproblem still und leise verflüchtigt: Stopper Bo Svensson, über fast acht Monaten im Krankenstand wegen einer üblen Achillessehnenverletzung, ist wieder einsatzfähig.

2004 war Bo Svensson als Stammspieler des FC Kopenhagen dänischer Meister und Pokalsieger. Im Januar 2006 wechselte der Innenverteidiger zum Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Mit 13 Einsätzen in der Rückrunde trug er zum Klassenverbleib bei. Bis dahin war die Karriere des Dänen auf einem erstklassigen Weg. Und dann der Bruch. Abstieg 2007 mit den Gladbachern. Wechsel zum Zweitligisten FSV Mainz 05. Nach gutem Beginn nahm ein 18-jähriger Amerikaner namens Neven Subotic dem Routinier den Stammplatz weg, am Saisonende misslang auch noch der mögliche Erstligaaufstieg. Das Übertalent Subotic wechselte gemeinsam mit Trainer Jürgen Klopp für viel Geld zu Borussia Dortmund. Der Weg schien frei für Bo Svensson im Frühsommer 2008. Doch bis heute hat der Däne für die 05er nicht ein einziges Pflichtspiel mehr bestritten.

Als Bo Svensson am vergangenen Sonntag im Testspiel im andalusischen Costa Ballena gegen den VfL Wolfsburg in der 82. Minute den 3:2-Siegtreffer geköpft hatte, da hüpfte der Däne fröhlich umher. "Das Tor war schön, aber ich war nicht deswegen glücklich", erzählt der Däne. "Ich war glücklich, weil ich wieder schmerzfrei auf dem Platz gestanden habe. Das ist es, was mir etwas bedeutet." Knapp acht Monate nach der komplizierten Achillessehnenoperation (Teilriss der Sehne nebst chronischer Schleimbeutelentzündung) am 20. Mai 2008 in Basel ist Svensson zurück. Wenn die ersten zwölf Tage im Training und die Eindrücke von zwei Testspielen nicht trügen, dann ist Svensson wieder gesund, fit, einsatzfähig.

Mit vier Monaten Reha hatte Svensson gerechnet, schlimmstenfalls mit einem halben Jahr. Doch dann kamen immer wieder Rückschläge. Schmerzen, Schmerzen und wieder Schmerzen. Und als er sich Ende Oktober kurz vor seinem Comeback wähnte, da streikten andere Muskelgruppen. Die Folgewirkung von Fehl- und Mehrbelastungen. "Achtmal, zehnmal, wahrscheinlich noch öfter war ich immer wieder für zwei bis acht Tage in der Klinik in Basel", sagt der Innenverteidiger. "Eine ganz schwere Zeit für mich und meine Familie. Meine Frau hat schon im Spaß gesagt, ich hätte dort eine Freundin. Wir sind in Deutschland im Ausland, sie hat sich oft alleine gefühlt."

Seit der OP im Mai habe er immer wieder Phasen gehabt, "in denen ich mir nicht mehr vorstellen konnte, in meinem Leben noch einmal schmerzfrei Fußball zu spielen, die Gedanken an das Karriereende waren im Kopf drin". Der 29-Jährige beschäftigte sich schon mit beruflichen Alternativen. "Ich habe mir gedacht, es ist wichtiger, dass ich in zehn Jahren noch mit meinen beiden Kindern spielen kann, als nach einer mit gesundheitlichen Risiken durchgezogenen Profikarriere auf Krücken zu gehen."

Svensson betont immer wieder , dass er in diesem Gespräch die üblichen oberflächlichen Sportlerfloskeln vermeiden wolle. "Aber mehr Intellektualität kann ich nicht finden in so einem Moment. Wenn du jeden Tag viele Stunden zu Behandlungen und Aufbautraining unterwegs bist, dann denkst du nur noch daran, irgendwann wieder gesund zu deiner Mannschaft zurückkehren zu dürfen." Er habe oft an seinem Körper gezweifelt. "Wenn ich Trainingsversuche schon nach dem Laufen abbrechen musste, dann waren das ganz dunkle Momente."

Der mehr als 20mal operierte Teamkollege Dimo Wache habe ihm am Abend nach dem Siegtor gegen Wolfsburg gratuliert. "Dimo hat mir gesagt, dass das der Lohn war für die harte Arbeit. Und er hat mir gesagt, dass man aus so einer Verletzung als Mensch gefestigter und stärker rauskommt. Das kann ich nur bestätigen. Ich werde an schweren Zeiten nicht mehr zerbrechen." Svensson ist in dieser langen Pause mehr Profi geworden, als er es jemals zuvor war. Aber er hat gelernt, zu trennen. "Ich bin ein ehrgeiziger Mensch, und Fußballprofi ist ein Teil meiner Identität", erklärt Svensson. "Aber mir ist jetzt noch bewusster, dass ich meinen Selbstwert auch daraus beziehe, dass ich die Verantwortung habe, meine Frau und meine beiden Jungs glücklich zu machen."

Bo Svensson will jetzt jeden Tag nehmen wie er kommt. "Ich habe erkannt, was ich bereit bin dafür zu opfern, noch drei bis vier Jahre Profi sein zu dürfen. Ich will noch fitter werden, ich will ohne Schmerzen bleiben, ich will jeden Tag mein Bestes geben. Ganz ehrlich, mehr Träume habe ich nicht." Die Entscheidung, damals zu Mainz 05 gewechselt zu sein, empfinde er "trotz der ganzen Scheiße" noch heute als überragend richtig. "Ich kann mich nur bei Axel Busenkell und allen anderen Leuten im Verein dafür bedanken, wie sie mich unterstützt haben." (Reinhard Rehberg)

RZO


Sie benötigen Flash Player 9, um den RZ-Video-Player ansehen zu können.
RZ-Blog