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Musik

«The Rock'n'Roll Circus» feiert Premiere

Hamburg Nie haben die Beatles ihr Album «Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band» live aufgeführt.

Die legendäre Platte erschien 1967, im Jahr zuvor waren die Pilzköpfe zum letzten Mal öffentlich aufgetreten.

In Hamburg versuchte es nun die Musikshow «The Rock'n'Roll Circus» bei ihrer Deutschlandpremiere am Mittwochabend. Doch die angekündigte «Beatlemania» der 60er Jahre blieb aus. «Die Songs sind ordentlich gespielt», sagte Liedermacher Rolf Zuckowski über die Show im Zelt. «Der Esprit der Beatles fehlte mir jedoch.»

Dafür konnte ein Ex-Stone das Publikum restlos begeistern: Bill Wyman und seine Band «Rhythm Kings» spielten als Stargäste bekannte Stücke von Chuck Berry oder den Rolling Stones. Die Sängerin Beverley Skeete, die mit Wyman auftrat, faszinierte mit ihrer ausdrucksvollen Stimme und erntete dafür minutenlangen Applaus. Der Ex-Stone hingegen hielt sich zurück, spielte beinahe unbeweglich seinen Bass und lächelte weise in die jubelnde Menge.

Was dann folgte, ließ das Publikum stutzen. Die «Rock'n'Roll Circus Band» führte mit einem Medley aus verschiedenen Songs wie «California Dreaming» durch die «Swinging Sixties», begleitet von Artisten. In schwindelerregender Höhe kreisten sie im Takt der Musik hoch über den Köpfen der Zuschauer oder ließen Hula-Hoop-Reifen zu Bob Dylans «This Wheel's On Fire» kunstvoll kreisen.

Erst dann spielte die neunköpfige Band rund um Frontmann Grant Stevens chronologisch die «Sergeant Pepper»-Songs wie «With A Little Help From My Friends» und «Lucy In The Sky With Diamonds». Das 1967 erschienene Album gilt als eines der ersten Konzept-Alben der Musikgeschichte. Auch ein Orchester mit Streichern und Harfe unterstützte die «Rock'n'Roll Circus Band» bei ihrer zweistündigen Show. Doch richtige Stimmung wollte nicht aufkommen, einige Zuschauer gingen bereits nach der Pause.

In Hamburg hatten die Beatles Anfang der 60er Jahre in Clubs wie dem Indra, Kaiserkeller und dem Star-Club auf St. Pauli den Grundstein für ihre internationale Karriere gelegt. «Ich habe sie in Hamburg bei ihrer "Bravo"-Show gesehen und war hin und weg», erzählte Zuckowski, den die 60er Jahre zum Musiker gemacht haben. Noch heute sieht er Parallelen zwischen seiner Musik und den Beatles-Titeln, der Song «Ob-La-Di, Ob-La-Da» etwa ähnele seinen Kinderliedern.

Auch der schrille Stones-Fan Uli Schröder fand, dass die «Rock'n'Roll Circus Band» die Songs der Jungs aus Liverpool zwar gut spielten, es aber «nicht ganz so spannend» sei. Er war vor allem wegen Bill Wyman gekommen. Und das sah man: Der 59-Jährige trug einen Hut mit breiter Krempe und unzähligen Rolling-Stones-Buttons, das T- Shirt mit der berühmten Zunge und dazu eine Sonnenbrille.

Wesentlich biederer wirkte dagegen Bärbel Zündorf. Sie liebt den Stil der 60er und war deswegen im himmelblauen Kostüm erschienen. «Mir gefällt die Zeitreise», sagte die 44-Jährige. Die Beatles kennt sie vor allem von Partys aus Teenie-Tagen. «"Hey Jude" war damals die Aufforderung zum Klammerblues», erzählte sie. Nur dann hätten Mädchen und Jungs sich aus ihren Ecken herausgetraut.

Weitere Tour-Stationen in Deutschland nach den Auftritten in Hamburg (bis 1. Februar) stehen nach Angaben der Veranstalter noch nicht fest. «Wir gehen mit der Show jetzt erst einmal nach London», hieß es. Diese Entscheidung sei am Mittwochabend getroffen worden. Wo und wann die Show in der britischen Hauptstadt zu sehen ist, war ebenfalls noch unklar.

dpa-infocom



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