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Ausländer

Studie: Türkischstämmige sind Integrationsverlierer

Berlin Menschen mit türkischen Wurzeln sind die mit Abstand am schlechtesten integrierte Migrantengruppe in Deutschland.

Das geht aus einer Untersuchung des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hervor, die am Montag in der Hauptstadt vorgestellt wurde.

Am besten schnitten die Einwanderer aus EU-Ländern, deutschstämmige Aussiedler sowie Migranten aus dem Fernen Osten ab. Als mit Abstand am schlechtesten integrierte Gruppe weist die Studie türkischstämmige Zuwanderer aus. Fast ein Drittel (30 Prozent) von ihnen haben keinen Schulabschluss. Nur 14 Prozent können das Abitur vorweisen - nicht einmal halb so viele wie in der deutschen Bevölkerung.

Die Autoren der Studie messen die Integration anhand von 20 Kriterien wie etwa dem Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft, Ehen mit Deutschen, Bildungsniveau, Erwerbslosen- und Hausfrauenquote oder dem Anteil der Beschäftigten mit ausländischen Wurzeln im öffentlichen Dienst. Erstmals werden einzelne Migrantengruppen inklusive der Zuwanderer mit deutschem Pass verglichen. Ausgewertet wurde der Mikrozensus des Jahres 2005 mit 800 000 Befragten. Danach haben fast 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ihre Wurzeln im Ausland - das sind gut 15 der 82 Millionen Einwohner.

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist die Studie Ansporn zum Handeln. Schlüssel für eine bessere Integration seien Bildung und Ausbildung, sagte sie bei einem Symposium zur Integrationspolitik in Berlin. «Deutschland kann das Potenzial, das in den Zuwanderern liegt, auf gar keinen Fall brachliegen lassen», sagte Merkel. Heute habe bereits jedes dritte Kind unter sechs Jahren in Deutschland einen Migrationshintergrund. «Es steht völlig außer Frage, dass wir diesen Kindern alle Chancen für eine gute Zukunft geben müssen.»

Das Essener Zentrum für Türkeistudien (ZfT) warnte vor einem schlichten Zahlenvergleich ohne Beachtung der Ursachen: «Es sollte kein Negativ-Ton geschürt werden, indem die Ergebnisse nicht auf ihre sachlichen Ursachen hin interpretiert werden», kritisierte ZfT-Sprecher Dirk Halm. Die Integration der türkischen Migranten werde stark von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bestimmt, vor allem die Krise der Montanindustrie wirke sich negativ aus. «Außerdem haben sie relativ spät ihre Rückkehr-Illusion aufgegeben.»

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, hielt den Autoren der Studie vor, die soziale und bildungsmäßige Ausgangssituation der Einwanderer aus der Türkei auszublenden. Von dort seien überwiegend Angehörige der Unterschicht angeworben worden. Deren Probleme seien nicht viel anders als die der deutschen Unterschicht, die aber nur einen Bevölkerungsanteil von 13 Prozent habe.

Die Islambeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Lale Akgün, forderte ein Ende von «Schaufensterveranstaltungen» wie dem Integrationsgipfel. «Stattdessen müssen wir unsere Anstrengungen steigern, die Bildungsdefizite der türkischen und anderen Zuwanderer auszugleichen», sagte Akgün. Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir nannte die Studie eine «Ohrfeige» für die bisherige Politik.

Hessen und Hamburg sind laut der Studie die beiden Bundesländer, in denen die Ausländerintegration am besten gelingt. Schlusslicht ist das Saarland, nach Niedersachsen und Bremen. Die bevölkerungsreichen Länder Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sowie die Migrantenhochburg Berlin rangieren in dem Vergleich auf mittleren Plätzen. Unter den Großstadtregionen liegen München, Bonn und Frankfurt/Main vorn. Die drei letzten Plätze belegen Dortmund, Nürnberg und Duisburg.

Die Spitzenreiter Hessen und Hamburg punkten vor allem mit dem hohen Bildungsstand ihrer Zuwanderer. In Hessen haben 28 Prozent von ihnen einen Hochschulabschluss - unter den Einheimischen sind es nur 24 Prozent. 28 Prozent der Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln besucht die gymnasiale Oberstufe - kaum weniger als bei den Einheimischen, die auf 31 Prozent kommen. In Hamburg haben sogar 40 Prozent der Migranten die Hochschulreife, 29 Prozent einen Uni-Abschluss. Doch auch in diesen Ländern gibt es eine große Gruppe gering Gebildeter und schlecht integrierter Einwanderer.

Die ostdeutschen Bundesländer haben mit rund fünf Prozent den geringsten Anteil von Zuwanderern. Zudem profitieren sie nach Ansicht der Autoren von positiven Nachwirkungen der Migrationspolitik der DDR-Zeit, als hochmotivierte Menschen nach Ostdeutschland kamen. Nur 6 Prozent der Zuwanderer hätten keinen Schul- oder Berufsabschluss. 43 Prozent besäßen die Hochschulreife - der höchste Wert aller Bundesländer. Eine hohe Hürde für den Integrationserfolg sei aber die mit 39 Prozent höchste Erwerbslosenquote unter den Zuwanderern.

Internet: www.berlin-institut.org

dpa-infocom




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