Transfer kurz vor der Unterschrift
Mainz Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Zsolt Löw im Laufe des heutigen Montags zum Zweitliga-Spitzenreiter FSV Mainz 05 wechselt.
Der 29 Jahre alte Linksverteidiger soll am Vormittag beim Bundesligisten TSG Hoffenheim seinen Auflösungsvertrag unterschreiben, sobald die beiden Klubs letzte Formalitäten geklärt haben.
Endgültig ist der Transfer noch nicht. "Aber wir sind uns mit dem Spieler einig", erklärte Christian Heidel gestern. "Und mit dem abgebenden Verein stehen wir in sehr guten Gesprächen." Der Manager des FSV Mainz 05 hat mit der TSG Hoffenheim wohl nur noch letzte Kleinigkeiten abzuklären. Demnach ist davon auszugehen, dass Zsolt Löw heute am Bruchweg einen Vertrag unterschreibt. Die Freigabe durch Manager Jan Schindelmeiser ist nach Informationen aus Hoffenheim nur noch Formsache. Eine gewaltige Ablöse wird wohl für den 29 Jahre alten Reservisten nicht fällig; sein Vertrag beim Bundesligisten wäre im Sommer ausgelaufen.
Schon nach dem ersten Gespräch mit dem Spieler waren sich Heidel und 05-Trainer Jörn Andersen einig; ab diesem Zeitpunkt war Zsolt Löw der Topkandidat für den geplanten Winter-Transfer. "Löws Vorteile sind offenkundig", erklärte Heidel am Sonntag. "Er kann mehrere Positionen spielen. Er ist linker Verteidiger, er kann im Mittelfeld spielen und er hat in Hoffenheim auch schon Innenverteidiger gespielt. Zudem ist er ein ganz feiner Kerl, wir haben bei unseren Erkundigungen nur positive Dinge über ihn gehört."
Die 05er mussten auf dem Transfermarkt reagieren, weil Stammspieler Peter Van der Heyden wegen einer lädierten Patellasehne im linken Knie nur mit Schmerzen spielen kann und die möglichen Vertreter Marco Rose und Christian Demirtas lange verletzt waren und kurzfristig nicht fit werden. Zudem ist Löw nun eine Absicherung für die Innenverteidigung. Und eben auch für das linke Mittelfeld; auf dieser "Problemposition" hat Elkin Soto seinen Trainer noch nicht überzeugt, und Chadli Amri fällt nach wie vor aus.
Bis zum Bundesligaaufstieg 2008 war Zsolt Löw in Hoffenheim Stammspieler. In der aktuellen Saison setzte Ralf Rangnick links hinten auf den schnelleren und im Zweikampf aggressiveren österreichischen Nationalspieler Andreas Ibertsberger. Die TSG agiert mit einem extrem offensiv besetzten Mittelfeld, da bevorzugte der Hoffenheimer Coach hinten einen zusätzlichen reinen Defensivmann. Techniker Löw war Rangnick für diese Spielart zu sehr nach vorne orientiert.
Löw absolvierte 2002/03 für Energie Cottbus 31 Bundesliga-, in den beiden Jahren darauf insgesamt 48 Zweitligaspiele. Nach einem weiteren Zweitligajahr bei Hansa Rostock wechselte der Ungar 2006 zum finanzstarken Regionalligisten TSG Hoffenheim; mit dem Millionenklub feierte der Verteidiger dann als Stammspieler zwei Aufstiege hintereinander.
In der vergangenen Saison kam der 29-Jährige in den Partien gegen den FSV Mainz 05 zweimal über 90 Minuten zum Einsatz, wobei er beim 1:1 in der Rückrunde am Bruchweg in der Nachspielzeit wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte sah (das Hinspiel hatten die Hoffenheimer 1:0 gewonnen).
Für Ungarn hat Zsolt Löw 25 Länderspiele absolviert, zweimal gemeinsam mit Tamas Bodog. "Zsolt kann alles, was man als linker Verteidiger können muss", erklärte 05-Amateur-Kotrainer Bodog gestern. Seinen bis heute letzten Länderspieleinsatz hatte Zsolt Löw am 20. August 2008 im WM-Qualifikationsspiel gegen Montenegro (das mit dem künftigen 05-Kollegen Milorad Pekovic antrat). Die Partie im Ferenc-Puskas-Stadion in Budapest endete 3:3; Löw spielte bis zur 80. Minute.
Am vergangenen Donnerstag hatte der Profi im MRZ-Gespräch bereits sein großes Interesse an einem Wechsel nach Mainz bekundet. Auch der 29-Jährige hatte da schon seine Erkundigungen eingezogen. Ergebnis: Mainz 05 sei ein stabiler Klub mit einem starken Kader, hohen Ambitionen und einer seit Jahren gut arbeitenden Vereinsführung. "Das ist sehr interessant für mich", erklärte Löw. Am Samstag bei der Eröffnung des Dietmar-Hopp-Stadions in Sinsheim dürfte der Ungar seine letzte Halbzeit gespielt haben für die TSG Hoffenheim (beim 6:2 gegen eine Regionalauswahl).
Mit Srdjan Baljak wird den 05ern zum Saisonstart ein wichtiger Linksfuß fehlen. Der Stürmer ist nach einem kleinen Muskelfaserriss in der Wade von Dienstag bis Freitag in München in der Klinik von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfart therapiert worden. Der beste Mainzer Vorrundentorschütze wird beim DFB-Pokal-Achtelfinale am morgigen Dienstag (20.30 Uhr) in Freiburg fehlen. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch beim Zweitliga-Rückrundenstart am 9. Februar (Montagabend) in Kaiserslautern. "Wenn Srdjan nichts mehr spürt, dann sollten wir ihm noch drei Tage geben", erklärte Teammanager Axel Schuster gestern. "Bei diesen Muskelverletzungen in der Wade muss man immer sehr vorsichtig sein." (Reinhard Rehberg)
RZO
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