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Mainz 05

"Notfall" im Investitionsrausch

Mainz Am kommenden Montag (20.15 Uhr) treffen sich zum Rückrundenstart in der Zweiten Fußball-Bundesliga am Betzenberg der Tabellenzweite 1. FC Kaiserslautern und der Wintermeister FSV Mainz 05. Die wirtschaftliche Ausgangsposition und die sportlichen Planungen der beiden Derbyduellanten könnten unterschiedlicher kaum sein.

Der Zweitliga-Spitzenreiter FSV Mainz 05 steht wirtschaftlich auf gesunden Beinen. Der Klub verbucht, auch dank geschickter Transferaktivitäten, seit einigen Jahren nicht unerhebliche Jahresgewinne. Diese Gelder wandern auf ein Sonderkonto. Das in Anspruch genommen wird, wenn der Verein demnächst anteilig Rechnungen zu begleichen hat beim Bau der neuen Coface-Arena. Wegen dieses Großprojekts hat sich der Vorstand auf allen Ebenen einen Sparkurs verordnet. Nur wegen gravierender Verletzungsprobleme haben die Mainzer in diesem Winter mit dem ungarischen Linksverteidiger Zsolt Löw noch einen (preisgünstigen) Einkauf getätigt.

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Beim Tabellenzweiten 1. FC Kaiserslautern sieht das anders aus. Wegen vermeintlich großer wirtschaftlicher Nöte hat der Klub vor dieser Saison - zum zweiten Mal hintereinander - die an die Stadt Kaiserslautern zu zahlende Miete für das Fritz-Walter-Stadion um 1,4 Millionen Euro reduziert bekommen. Den Ausfall hat die Stadt zu tragen, gelindert durch einen Landeszuschuss in Höhe von gut einer halben Million. Dessen ungeachtet hat Vorstandschef Stefan Kuntz nach mächtigen Investitionen im Sommer auch in diesem Winter noch mal kräftig auf dem Spielermarkt zugelangt.

Da kam für eine Ablöse von 575 000 Euro der tschechische Erstligaspieler Jiri Bilek (25, von Slovan Liberec, defensives Mittelfeld). Da kam der deutsche Bundesligaspieler Danny Fuchs (31, vom VfL Bochum, offensives Mittelfeld). Da kam Fabian Müller (21, FC Aue, rechter Verteidiger). Und da kam jetzt auch noch auf Leihbasis der talentierte Stürmer Said Husejinovic von Werder Bremen; der 20-Jährige hatte in der Vorrunde drei Bundesligaeinsätze. Abgegeben hat der FCK die Reservisten Fabian Schönheim und Marcel Ziemer (beide zum SV Wehen Wiesbaden) und den zuvor in die zweite Mannschaft abgeschobenen Sven Müller (zum FC Aue). Unterm Strich sind da Mehrkosten entstanden, alleine schon durch die höheren Gehälter der Neuen.

Nun hat der Klub, das berichtete die "Rheinpfalz" am Dienstag, den nächsten Antrag bei der Stadt auf Mietminderung in gleicher Höhe für die Saison 09/10 gestellt. Und das, und da wird es bizarr, auch für den Fall des Bundesligaaufstiegs. 15 statt 7 Millionen Euro TV-Geld in der Ersten Liga - und der FCK pocht ungebremst auf seinen Status als "wirtschaftlicher Notfall". Der Volksmund sagt dazu: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt"s sich gänzlich ungeniert... (von Wilhelm Busch/auch: Bertolt Brecht).

Die städtische Fritz-Walter-Stadion GmbH ächzt unter der Belastung, den seit 2003 laufenden, mit jährlichen Zinsen von 2,95 Millionen Euro (bekanntlich findet keine Tilgung statt) zu begleichenden Kreditverbindlichkeiten in Höhe von 74 Mio! Euro für das Betzenbergareal zu meistern (dazu kommen jährlich 300 000 Euro Unterhaltungskosten am Betzenberg).

Die Zahlen sind im Internet (Homepage der Stadt Kaiserslautern) nachzulesen. Verlustausgleich durch die Stadt - 2003: 337.704 Euro; 2004: 1,336 Mio; 2005: 2,196 Mio; 2006: 624,635 Euro. Wohlgemerkt: In diesen Jahren ist der FCK seinen Mietzahlungen noch in voller Höhe nachgekommen. Für 2007 und 2008 gesellen sich zu den üblichen Miesen, in erster Linie Abschreibungsverluste, nun auch noch jeweils die 1,4 Mio Mietausfall (angeblich nur gestundet; aber wenn der Klub nun auch schon für die Erste Liga Mietminderung beantragt, dann ist an eine Rückzahlung nicht gedacht).

Der eigentliche wirtschaftliche Notfall ist diese marode Stadion GmbH (die schon im Jahr 2006 eine bilanzielle Überschuldung von 1,97 Mio auswies und damit streng genommen ein Konkursfall war). Der FCK wäre mit einem um 1,4 Mio reduzierten Personal-etat vielleicht kein Aufstiegsanwärter mehr, aber in der Existenz bedroht wäre der Klub definitiv nicht. Und dass der Klub das "Benefiz-Testspiel" gegen den FC Bayern vor 40 000 Zuschauern plus voll besetzter VIP-Logen am Betzenberg dazu nutzt, neue Spieler zu finanzieren, ist vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Schieflage der Stadion GmbH eine ganz besondere Eigentümlichkeit.

Die Ursache für dieses Dilemma ist übrigens weit weniger das gigantische WM-Projekt 2006 von MP Kurt Beck. Der FCK hat sein einst vereinseigenes Stadion 2003 an die Stadt verhökern müssen, weil der Klub in den Jahren 1998 bis 2002 einen gewaltigen Schuldenberg aufgebaut und sich damit in die - ohne diesen Kunstgriff unabwendbare - Insolvenz manövriert hatte. Diese Schulden wurden im WM-Projekt später geschickt vernebelt untergebracht. Und heute leistet der FCK nicht mal mehr seinen als Miete getarnten Schuldendienst. Den leistet jetzt jährlich in einer Höhe von 1,4 Mio der Steuerzahler. Und das verzerrt den Wettbewerb im Profifußball.

Das Stadion am Betzenberg ist und bleibt ein Millionengrab. Der einzige Nutzer muss geschont werden, damit überhaupt Gelder fließen für die Begleichung des gigantischen Immobilienkredits. Das nutzt der Klub weidlich aus. Das ist und bleibt ein politischer Skandal. Mit dem sich allerdings niemand ernsthaft beschäftigt in diesem Land.

Knallharter Kommentar in der "Rheinpfalz" zum erneuten Mietminderungsantrag: "Auch wenn der Antrag keine Überraschung ist, so stellt er für die Lauterer Politik eine ziemliche Herausforderung dar. Eine noch größere als bei den beiden Vorstößen davor, bei denen es um die Abwendung existenzieller Nöte ging. War die Zustimmung hierzu schon ein Ritt auf der Rasierklinge, machen Antrag Nummer drei und der gleichzeitige Höhenflug auf dem Betzenberg ein neues Zugeständnis der Politik nicht leichter." Puh! (Reinhard Rehberg)

RZO


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