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Mainzer Studenten zeigen wunderbare Werke

Mainz Die Mainzer Akademie für Bildende Künste lädt zu einem Rundgang ein, der schnell zur Entdeckungsreise wird. Rund 200 Studenten präsentieren ihre vielgestaltigen Arbeiten.

Inmitten einer weiten Wüste steht einsam der Mainzer Dom. Wind pfeift um die Türme, Sand saust ums Gemäuer, die Luft flimmert vor Hitze. "Sarah Mock hat einen großen Teil der Mainzer Innenstadt aus Papier und Pappe nachgebaut", erzählt Dieter Kiessling, Professor für Neue Medien, von der Arbeit seiner Studentin. Im Video hat sie ihr Dommodell in ein fremdes Umfeld versetzt. Endzeitstimmung kommt auf. "Das Flimmern hat sie mit einer Kerze vor der Linse erzeugt", verrät Kiessling einen Kniff.

Alljährlich öffnet die Akademie für Bildende Künste ihre Pforten und lädt zum großen Rundgang ein. "Dabei ist es nicht so, dass wir Professoren auswählen, was gezeigt wird. Möglichst jeder Student soll etwas ausstellen können", erklärt Kiessling. An diesem Wochenende warten also rund 200 Kunstwerke auf Besucher - von der Installation bis zum Video, von der Skulptur bis zum Gemälde.

Im abgedunkelten Raum hängt auf Kopfhöhe ein schwarzer Würfel mit Fensterkreuz und Tür, aufleuchtende Scheinwerfer erzeugen verschiedene Schatten. "Es ist eine meiner Kindheitserinnerungen, wie ich im Bett lag, ein Auto schon von Weitem hörte und auf das Licht seiner Scheinwerfer in meinem Fenster wartete", erzählt Berit Jäger. Das Wechselspiel von Innen- und Außenraum, Licht und Schatten ist ihr Thema.

"Die Studenten kümmern sich auch um die Präsentation ihrer Kunstwerke", sagt Kiessling. Zudem sind viele selbst anwesend und bereit, den Besuchern ihre Kunst zu zeigen. "Es ist spannend, so ein Echo zu bekommen."

Julia Walters Selbstbildnis wirkt zuerst recht traditionell. Doch dann blinzeln die Augen im Bild. Die Studentin projiziert ein Video ihres Gesichts auf das gemalte Porträt. Nun wirkt es halb lebendig und ein wenig gespenstisch.

Es ist gute Tradition, dass Akademien für Bildende Künste zum Rundgang einladen. Galeristen spüren hier Nachwuchs auf, Interessierte freuen sich an frischen Ideen. "In Düsseldorf oder Münster drängen sich die Besucher", meint Kiessling. "So weit sind wir noch nicht, aber es werden jedes Jahr mehr. Wir sind auf einem guten Weg."

Egal, ob Fachmann oder Laie, der Rundgang durch die Akademie wird für jeden zur Entdeckungsreise: Christoph Anschütz etwa entführt mit seinen Metallfischen in die Tiefsee. Die frei hängenden Körper wirken wie halb zerfressen, Nägel ragen als Zähne aus den Kiefern.

Wer all das sehen will, wird Stunden brauchen, und wer darüber reden will, wird immer einen Gesprächspartner finden. Selten ist in Mainz so viel originelle, wilde, schöne und witzige Kunst zu bewundern. Welch eine fabelhafte Schau.

Gerd Blase

RZO



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