Manager Heidel: "Geschlossenheit der Liga ist unser Glück"
Mainz Mehr als 100 personelle Verschiebungen tätigten die Vereine der Zweiten Fußball-Bundesliga in der Winter-Transferperiode.
Der FSV Mainz 05 hat sich bekanntlich mit zwei Zugängen verstärkt, andere Klubs waren eifriger tätig. 05-Manager Christian Heidel bewertet die Wechselaktivitäten positiv, weil fast alle Vereine aufs Geld geachtet hätten.
Insgesamt 109 Spieler haben sich in diesem Winter in der Zweiten Liga beruflich verändert. "Allzu viel ist trotzdem nicht passiert", sagt Christian Heidel. "Finanziell gab es keine Rausreißer." Nach Ansicht des Managers des FSV Mainz 05 sind die wenigsten Klubs derzeit dazu in der Lage, große Sprünge in Sachen Ablösesummen zu unternehmen. "Lediglich der 1. FC Kaiserslautern ragt aus der Masse heraus. Ansonsten hat kaum einer in Ablösesummen investiert."
Für Heidel ist dies eine gute und gesunde Entwicklung. "Ich denke, diese Transferperiode ist sehr positiv zu sehen. Sie zeigt, dass die Vereine auf die Finanzen achten und die Wirtschaftskrise im Hinterkopf haben. Allerdings ist es auch so, dass die DFL ganz genau hinschaut."
Die 05er gehören mit ihren drei Kaderbewegungen zu den Aufstiegskandidaten, die am wenigsten aktiv waren auf dem Markt. Zsolt Löw und Delron Buckley kamen, Petr Ruman verabschiedete sich bekanntlich zum VfR Aalen in die Dritte Liga. Der Sportclub Freiburg, der die 05er inzwischen an der Tabellenspitze abgelöst hat, agierte ebenfalls auf dieser Linie. "Die Freiburger verfolgen die gleiche Politik wie wir", so der 05-Manager.
Die Freiburger haben im Prinzip eine Position ausgetauscht. Für Suat Türker holten die Breisgauer Vitali Rodionov. Der Weißrusse kommt vom Champons-League-Teilnehmer BATE Borisov und ersetzt Türker, der es in Freiburg nicht schaffte und zurückkehrte zu den Offenbacher Kickers. "Den Rodionov kann noch keiner so genau einschätzen", sagt Heidel.
Interessant sind die Aktivitäten beim Tabellenzweiten aus Fürth. Trainer Benno Möhlmann gab drei Spieler ab, die keine Rolle spielten und holte sich zwei gestandene Profis als Verstärkung. "Sie haben offensichtlich auf die Position reagiert", so der 05-Manager. "Fürth hatte links Probleme." Diese sollen die Routiniers Christian Rahn, der aus Rostock kam, sowie der Gladbacher Alexander Voigt beheben. Beide kamen ablösefrei. "Voigt ist natürlich ein Aufstiegsfighter", weiß Heidel.
Viel Bewegung gab"s beim 1. FC Kaiserslautern. "Von den Abgängen haben nicht viele gespielt in der Vorrunde. Dafür sind fünf gestandene Profis gekommen, die teilweise richtig Ablösesumme gekostet haben", so der 45-Jährige. Auch beim 1. FC Nürnberg, der sich mit dem klaren Heimsieg gegen die Pfälzer am Montag in den Kreis der Aufstiegsanwärter gehievt hat, tat sich einiges.
"Die Neuzugänge sind alles Spieler unter 20 Jahren oder von Amateurmannschaften. Das sind gute Leute, aber die Nürnberger haben auch eine Reihe prominenter Namen abgegeben." Breska, Engelhardt, Charisteas, Masmanidis - erfahrene und teure Profis, die offenbar aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr ins System passten. "Ich vermute, die haben aus finanziellen Gründen so gehandelt, sonst wäre das nicht nachvollziehbar", sagt Heidel. Der Mainzer Manager wertet die Aktion weniger als ein Zeichen hin zur Jugend aus, sondern als Konsolidierung: Topverdiener raus - junge, hungrige Leute rein - Personalkosten reduziert.
"Die Transfers der Konkurrenz beunruhigen mich nicht", behauptet Heidel. "Große Überraschungen sind ausgeblieben." Welche Auswirkungen das Wechselspiel auf den Kampf um den Bundesligaaufstieg hat? "Ich erwarte nicht, dass in der Rückrunde ein Verein eine andere Rolle spielt als bisher. Dass die Nürnberger dazugekommen sind, war klar. Mit denen musste man rechnen, denn das ist immer noch eine Mannschaft auf Bundesliganiveau, die bisher unter Wert gespielt und sich jetzt an die Liga gewöhnt hat."
Auch dass sich eines der Spitzenteams demnächst vom Rest absetzen wird, erwartet Heidel nicht. "Dafür ist die Liga zu ausgeglichen, auch wenn Freiburg und Fürth derzeit einen Lauf haben." Die Geschlossenheit im Klassement ist im Moment ein Vorteil für die schwächelnden Mainzer. "Unser Glück. Wir haben nur neun Punkte aus acht Spielen geholt und sind immer noch vorne dabei", so der 05-Manager. "Die Ausgeglichenheit kann natürlich auch dazu führen, dass fünf, sechs Mannschaften bis zum Schluss hart kämpfen."
Seinen Profis gibt Heidel deshalb eine klare Zielvorgabe. "So schnell wie möglich eine Erfolgsserie starten." Management und Trainer schätzten die Situation realistisch ein. Gewisse Dinge, gewisse Fehlverhalten müssten im Schnellverfahren abgestellt werden. Vor allen Dingen in den Heimspielen. "Denn das ist ja auch für unsere Zuschauer total unbefriedigend", erklärt der 45-Jährige. "Mich stimmt positiv, dass wir wissen, was wir falsch machen. Auch wenn wir nicht darüber erfreut sind."
Der ursprünglich für Donnerstag vorgesehene Vorverkaufstart für die Heimspiele gegen den SC Freiburg und Rot-Weiß Ahlen wird auf unbestimmte Zeit verlegt. Grund: der anhaltend große Andrang beim Kartenvorverkauf zum Pokalspiel gegen Schalke 04. Bis Montag können die Dauerkartenbesitzer noch von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen.
RZO
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